Zeitschrift für Ganzheitliche Tiermedizin 2010; 24(03): 82-88
DOI: 10.1055/s-0030-1250218
TCVM
Sonntag Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG Stuttgart

Meisterpunkte

„Kraftprotze“ in der TierakupunkturMasterpoints
Christina Matern
Further Information
Dr. med. vet. Christina Matern
Meilbachstraße 11
65510 Idstein

1982–1988 Studium der Veterinärmedizin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover; 1990 Promotion; 2001 Eröffnung einer eigenen tierärztlichen Praxis für Akupunktur und Chinesische Medizin sowie einer Weiterbildungsstätte für Tierärzte; 2002 Ernennung zum IVAS Certified Veterinary Acupuncturist, im gleichen Jahr Zusatzbezeichnung sowie Weiterbildungsermächtigung „Akupunktur“ durch die Tierärztekammer Hessen. 2010 erschien im Sonntag Verlag von der Autorin der „Taschenatlas Akupunktur bei Hund und Katze“ (ISBN 978-3-8304-9217-7).


Publication History

Publication Date:
16 August 2010 (online)

 

Zusammenfassung

Akupunktur arbeitet mit der Stimulation von oberflächlich gelegenen Punkten zur Anregung und Harmonisierung des Qi-Flusses entlang der Meridiane und im ganzen Körper. Qi fließt zum großen Teil innerhalb der Meridiane, die ihrerseits Verbindung untereinander und zu allen Organen und Körperregionen haben. Die Meisterpunkte sind Akupunkturpunkte mit besonderer Wirkung, liegen auf Hauptmeridianen und haben Bezug zu definierten Geweben oder Körperregionen. Wir unterscheiden dabei die einflussreichen Punkte der Gewebe und die Meisterpunkte der Körperregionen. Erst nach sorgfältiger Befunderhebung und fundierter chinesischer Diagnose ist es möglich, ein sinnvolles und erfolgversprechendes Therapieprinzip zu erstellen und eine Punktauswahl zu treffen.


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Summary

Acupuncture stimulates points at the surface of the body and activates and harmonizes the flow of Qi in the channels and the whole body. Qi flows in the meridians, which are connected with each other, the organs and body regions. Masterpoints are points with special effect, are situated on the main channels and are related to special tissues or body regions. We differentiate between Influential Points of tissues and Masterpoints of body regions. Before we can decide which point to use and which therapeutic principal to fix, we have to look at our results of investigation and find a Chinese diagnosis.


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Akupunkturpunkte – die Qual der Wahl

Die Traditionelle Chinesische Medizin verwendet eine Reihe unterschiedlicher Theorien, die Akupunkturpunkte aufgrund ihrer Wirkung oder anderer gemeinsamer Kriterien zu Gruppen zusammenfassen. In der Praxis finden einige dieser Theorien gemeinsam mit anderen Aspekten und diagnostischen Informationen Verwendung zur Bestimmung des Therapiekonzepts.

Etwa 400 verschiedene Akupunkturpunkte sind bekannt und werden in unterschiedlichen Zusammenhängen und Kombinationen verwendet. Hierbei ist nicht nur die chinesische Diagnose von Bedeutung, sondern auch z. B. die praktische Möglichkeit, Nadeln an bestimmte Plätze zu setzen. Akute entzündliche Prozesse oder auch fehlende Gliedmaßen sind Beispiele für Fälle, in denen die Stelle für die Nadel an die vorliegenden Bedingungen angepasst werden muss. Auch andere Prinzipien wie etwa das Verwenden bewährter Punktgruppenkombinationen, das Spiegelbildprinzip, Verbindung von Gewebe oder Körperregionen zu einer Leitbahn, Meridianverbindungen und Ashi-Nadelung sind Kriterien der Punktauswahl. Zwischen den verschiedenen Theorien kann es deutliche Unterschiede in der Punktauswahl geben und scheinbare Widersprüche können Irritationen verursachen. Zum Beispiel kann man nach dem Prinzip der 5 Elemente vorgehen. Dabei strebt man den Ausgleich zwischen den 5 Elementen Wasser, Holz, Feuer, Erde, Metall an und nadelt dazu die Elementpunkte an der distalen Gliedmaße. Um aber beispielsweise eine bestimmte Qualität des Qi anzusprechen, das eine ganz definierte Wirkung hat, ist das Nadeln der antiken Transportpunkte die Methode der Wahl. Dass diese ebenso an der distalen Gliedmaße, nämlich jeder ganz genau an der gleichen Position wie ein Elementpunkt, sitzen, mag erst einmal verwirrend erscheinen. Mit dem Wissen, dass aber jedes Element auch wieder eine bestimmte Qi-Qualität spiegelt und Yang- und Yin-Meridiane jeweils auch wieder unterschiedliche Qi-Qualitäten bewegen, wird auch dieser Zusammenhang in seiner Polarität klarer.

He-Meer- bzw. Erdpunkte auf den Yang-Meridianen haben dort nährende, umwandelnde, viel Qi transportierende, starke Energie, die vom Yang getragen wird. Das gewährleistet, dass sie gut die Fu-Organe erreichen bzw. die möglicherweise innen stauenden Wasserenergien regulieren.

He-Meer- bzw. Wasserpunkte auf den Yin-Meridianen haben dort kühlende, beruhigende, nach innen ziehende, viel Qi transportierende, starke Energie, die von Yin geprägt ist. Dadurch erreichen auch sie gut ihre Zang-Organe im Inneren bzw. regulieren die nach oben außen strebende Feuer-Energie, aus der dann wieder die Erdenergie genährt würde.

Wie wir die Punkte auch bezeichnen und einsetzen, immer reguliert Yin Yang und Yang Yin. Wichtig ist, dass man sich mit Diagnose und Therapie schlüssig in einem System befindet. Diese sind dann je nach Fall aber untereinander kombinierbar.

Unterschiedlichste Nadelsysteme wurden im Lauf der Zeit entwickelt und nicht jedes liegt jedem Therapeuten. Der eine fühlt sich sicher im konsequenten Umgang mit nur einer Theorie, während ein anderer glücklich ist mit einer großen Bandbreite an Möglichkeiten und Variationen in der Behandlung verschiedenster Patienten. Sinnvoll ist es sicherlich, sich in den unterschiedlichen Systemen gut auszukennen, um im Einzelfall die beste Therapie auswählen zu können. Am zweckmäßigsten ist es, die Wirkungen der einzelnen Punkte auf den verschiedenen zu kombinierenden Meridianen und in unterschiedlichen Zusammenhängen gut zu kennen und möglichst wirkungsvoll zu kombinieren. Man sollte sich immer wieder fragen: Was ist das Problem? Was will ich bewirken? Welche Punkte können das erreichen? Grundsätzlich sollte die Akupunkturbehandlung einen energetischen Ausgleich im Körper schaffen und damit das Gleichgewicht wiederherstellen. Die Auswahl der Akupunkturpunkte zur Therapie muss daher immer mit dem angewandten diagnostischen System korrespondieren.


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Der Weg von der chinesischen Diagnose zur Punktauswahl

Die traditionelle chinesische Diagnostik (Bian Zhen) besteht aus

  • Bian = differenzieren und identifizieren,

  • Zhen = Beschreiben der Art oder des Musters der Erkrankung.

Es geht also darum, aus den beobachteten Zeichen das bestehende Muster herauszufiltern und zu erkennen. In der TCM werden alle klinischen Zeichen betrachtet und zur Feststellung der Diagnose herangezogen. Dabei werden auch Zeichen einbezogen, die scheinbar nicht zum aktuellen Krankheitsgeschehen (westlich gesehen) gehören.

Dabei soll eine Verbindung hergestellt werden zwischen

  • den vorhandenen Symptomen,

  • einem oder mehreren Funktionskreisen,

  • den verschiedenen Aspekten von Yin und Yang sowie

  • den Einflüssen der Umwelt.

Die 9 wichtigsten Theorien, mit deren Hilfe man eine TCM-Diagnose stellen kann, sind:

  1. die pathogenen Faktoren

  2. die 8 Leitkriterien

  3. die Zang Fu

  4. die 6 Schichten: Tai Yang – Tai Yin, Yang Ming – Shao Yin, Shao Yang – Jue Yin

  5. die 4 Ebenen: Wei, Qi, Ying und Xue

  6. der Dreifach-Erwärmer

  7. die Meridiane

  8. die 5 Grundsubstanzen

  9. die 5 Elemente

In der chinesischen Diagnose wird kein Symptom oder Krankheitszeichen isoliert betrachtet. Die Wechselbeziehungen der einzelnen Symptome zueinander sind für die Diagnose von überragender Bedeutung.

Das anzuwendende Therapieprinzip richtet sich jeweils nach dem verwendeten diagnostischen System ([Tab. 1]). Das heißt, dass es beispielsweise nicht möglich ist, einen Milz-Qi-Mangel (Zang-Fu) zu behandeln, indem man Feuchte (Grundsubstanzen) ausleitet.

Tab. 1 Übersicht über die 9 diagnostischen Systeme der TCVM.

Diagnostisches System

Kurzbeschreibung

Anwendbarkeit

Pathogene Faktoren

  • äußere pathogene Faktoren:

    • Wind

    • Kälte

    • Hitze

    • Sommerhitze

    • Feuchte

    • Trockenheit

  • innere pathogene Faktoren:

    • Hunger

    • Überforderung

  • jede akute Erkrankung

  • oft bei Fülle-Syndromen

8 Leitkriterien = Grundlage der chinesischen Diagnose

  • Grundlage der Musterdifferenzierung

  • 4 Paare – 6 Grundmuster

    • Yin-Yang

    • Innen-Außen

    • Fülle-Leere

    • Kälte-Hitze

  • Grundlage der TCVM-Diagnose

  • jede Erkrankung

Zang-Fu-Syndrome = „Herzstück“ der chinesischen Diagnose

  • jedes Zang Fu hat ein eigenes Fülle-Leere-/Hitze-Kälte-Muster

  • chronische (innere) Erkrankungen

  • allgemeine Schwäche

  • Geriatrie

6 Schichten

  • Tai Yang – Tai Yin

  • Yang Ming – Shao Yin

  • Shao Yang – Jue Yin

  • chronisch-entzündliche Erkrankung

  • kälteinduziert

  • äußere Erkrankungen

4 Ebenen

  • Wei

  • Qi

  • Ying

  • Xue

  • Infektionskrankheiten

  • jede Erkrankung, die mit Fieber beginnt, nach innen fortschreitend, falls nicht aufgehalten

  • äußere Erkrankungen

Dreifach-Erwärmer-Muster

  • oberer Jiao

  • mittlerer Jiao

  • unterer Jiao

  • äußere Erkrankungen

  • Beginn mit Fieber und Fortschreiten vom oberen zum unteren Jiao

Meridianmuster

  • 12 Hauptmeridiane

  • 8 außerordentliche Meridiane

  • muskuloskeletale Probleme

Qi, Blut und Jin-Ye

  • pathogene Änderung in Qi, Blut und Körperflüssigkeiten

  • chronische innere Erkrankungen

  • endokrine Ungleichgewichte

5 Elemente

  • Wasser

  • Holz

  • Feuer

  • Erde

  • Metall

  • jede Erkrankung

Vielmehr gilt es hier, Qi im Bereich des Funktionskreises Milz-Magen zu stärken und nicht Flüssigkeiten zu bewegen. Der Schlüssel zum Behandlungserfolg liegt oft im konsequenten Berücksichtigen der Diagnose. Beim Vorliegen eines Milz-Qi-Mangels muss das Milz-Qi gestärkt werden, damit Flüssigkeiten überhaupt transformiert und transportiert werden können. Wenn man in einem solchen Fall über Punkte wie Dü 5 oder Sj 4 Flüssigkeiten bewegen und verteilen wollte, würde man scheitern. Die Fehlfunktion von Milz/Pankreas würde den Behandlungserfolg verhindern. Weiter unten, in unserem Fallbeispiel, war aber Milz-Qi-Mangel kein Thema und daher konnten diese Punkte erfolgreich sein.


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Das Wesen der Meisterpunkte

Meisterpunkte (Ba Hui Xue) oder Einflusspunkte (Hui bedeutet Zusammenfügen, Sammeln) sind Konzentrationsstellen des Qi der zugeordneten Organe bzw. Gewebe oder Körperregionen. Demnach haben sie dorthin besonderen Einfluss.


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Einflussreiche oder Hui-Punkte

Die 8 Hui-Punkte haben außerordentlich großen Einfluss auf bestimmte Körpergewebe ([Tab. 2]). Sie werden oft als „einflussreiche Punkte“ oder auch als „Meisterpunkte der Gewebearten“ bezeichnet. Genadelt werden sie mit der Absicht, das zugeordnete Gewebe zu unterstützen.

Tab. 2 Hui-Punkte.

Hui-Punkt

Wirkung

Le 13 (Zang Hui)

Meisterpunkt der Zang-Organe und des ganzen Körpers

KG 12 (Fu Hui)

wirkt auf alle Fu-Organe

KG 17 (Qi Hui)

Meer des Qi, beeinflusst v. a. das Zong Qi, Atmungsorgane

Bl 17 (Xue Hui)

Meisterpunkt des Blutes (behandelt jede Form von Bluthitze, ‒mangel und ‒stase)

Gb 34 (Jiu Hui)

Meisterpunkt der Sehnen im ganzen Körper (v. a. bei Kontraktionen und Steifheit)

Lu 9 (Mai Hui)

Meisterpunkt des Pulses und der Blutgefäße (besonders bei Bluthusten oder ‒erbrechen und Blutstase in Herz und Thorax durch Schwäche des Zong[-Sammel]-Qi)

Bl 11 (Gu Hui)

einflussreicher Punkt der Knochen und Knorpel (bei schmerzhaften Deformationen der Knochen, Steifheit und Schmerzen von Wirbelsäule, Nacken, Lumbalregion)

Gb 39 (Sui Hui)

Meisterpunkt des Markes (zur Stärkung von Sehnen und Knochen, hat weites Einsatzfeld im Zusammenhang mit Schwäche, Leere, Schlaffheit, Kontraktion der Gliedmaßen)


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Meisterpunkte der Körperregionen

Diese empirisch gefundenen Punkte haben ihre Besonderheit im gezielten Einfluss auf bestimmte Körperregionen. Sie können die Wirkung lokaler Punkte oder spezifischer Punkte in einer bestimmten Region verstärken ([Tab. 3]).

Tab. 3 Meisterpunkte der Körperregionen.

Meisterpunkt

Körperregion

Di 4

Kopf, Maul und Gesicht

Lu 7

Genick-, Hals- und Okzipitalbereich

Ma 36

Bauchbereich

Bl 40

Rücken- und Lumbalgegend

Pc 6

Thorax


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Anwendung der Meisterpunkte

Die Meisterpunkte können einzeln oder auch in Kombination mit anderen Punkten zur Therapie eingesetzt werden. Je nach Punktkombination wird ihre Wirkung entweder verstärkt, gemildert oder zielgerichtet. So leitet etwa Ma 40 Feuchte und Schleim aus. Dickdarm- und Magenmeridian bilden gemeinsam den Yang-Ming-Meridian. Um feuchte Hitze aus der Lefze eines Hundes zu entfernen, ist es möglich, den Meisterpunkt von Kopf, Maul und Gesicht, nämlich Di 4 in Kombination mit Ma 40 und dem Sonderpunkt Er Jiang zu nadeln. Di 4 bewegt Qi und klärt Hitze im Bereich des Kopfes ([Abb. 1]), Ma 40 bewegt Flüssigkeiten unter der Haut und leitet diese aus, Er Jiang klärt Hitze aus dem Kopf. Gemeinsam haben diese Punkte eine wesentlich bessere Wirkung als Di 4 alleine.

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Abb. 1 Di 4: Meisterpunkt von Kopf, Maul und Gesicht. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 87.

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Fallbeispiel

Jasper, Mischlingsrüde, geb. 15. 12. 1995, unkastriert

Schulmedizinische Diagnose: Speichelzyste

Chinesische Diagnose: Innere Kälte blockiert Qi- und Jin-Fluss

Vorgeschichte

Jasper wurde im Februar 2002 mit einer etwa pampelmusengroßen Umfangsvermehrung an der rechten Halsseite vorgestellt. Laut Besitzer begann diese Umfangsvermehrung mit einer derben Schwellung der Mandibularlymphknoten, wie der behandelnde Tierarzt feststellte. Innerhalb von wenigen Wochen schwoll dann die Halsseite so stark an, dass der Kollege punktierte und eine Speichelzyste diagnostizierte. Eine Operation lehnten die Besitzer ab. Mehrfaches Punktieren und Entleeren hatte nur relativ schnelle Rezidive zur Folge.


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Befunderhebung und Diagnose

Jasper ist Familienhund, lebt im Einfamilienhaus mit Kindern, Eltern und Großeltern sowie einer Katze. Er schläft jedoch oft im Freien, auch wenn es kühl ist, und er trinkt mit Vorliebe Wasser aus dem Gartenteich.

Als Jasper zu uns kam, zeigte er deutliche Kältezeichen und eine Neigung zu Leber-Qi-Stagnation. Seine Bewegungen waren eher langsam, aber gespannt. Auf unerwartete Reize reagierte er mit Aggression. Der Ernährungszustand war normal bis mäßig. Das Fell war trocken, die Gliedmaßen und das Maul kalt. Die Maulschleimhaut war blass und die Zunge blass und geschwollen. Das Maul ansonsten normal feucht. An der rechten Halsseite war eine prall gefüllte, kühle, etwa pampelmusengroße Zubildung tastbar. Die Shu-Punkt-Diagnose zeigte weniger deutliche Reaktion auf Fei-, Xin-bao-, Xin-Shu, deutlichere auf Gan-, Da Chang-, Xiao Chang-Shu. Diese Zeichen führten zu folgender Diagnose: Innere Kälte Fülle mit Obstruktion der Yang-Energie und Qi von Xin-, Xin Bao- und Fei-Meridian und deren Yang-Partnermeridianen.

Diese Obstruktion führte zur Stagnation der Flüssigkeiten im Bereich der Yang-Meridiane am Hals.


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Therapie

Als Therapieprinzip wurde das Ausleiten von Kälte, Bewegen und Umwandeln von Flüssigkeiten sowie Bewegen des Qi im Meridianverlauf festgelegt.

Dazu wandten wir ca. 7 min Moxa auf Ren 6 an, um Kälte wirksam auszuleiten und nadelten rechts die Luo-Punkte Pc 6, Hz 5 und Lu 7 mit der Absicht, die Yin-Fülle aus den Yin-Meridianen zu vertreiben und in den Yang-Partner zu lenken ([Abb. 2], [3] und [4]). Das ist auch ohne Einsatz der Partner-Quellpunkte möglich. Dü 5, Di 4 und Sj 4 links aktivierten die Leitbahnen, ohne weitere Flüssigkeiten zu produzieren. Außerdem hatten Di 4, Pc 6 und Lu 7 als Meisterpunkte direkten Bezug zu Kopf, Brustbereich und Hals und leiteten das Qi dorthin. Dabei regulierte PC 6 noch Qi- und Blutfluss, Lu 7 bewegte Schleim und Di 4 löste Obstruktionen und stimulierte die Verteilungsfunktion der Lunge. Dü 5 löste Obstruktionen und vertrieb Nässe, Sj 4 förderte den Flüssigkeitstransport und beseitigte Qi-Blockaden ([Abb. 5] und [6]).

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Abb. 2 Pc 6: Meisterpunkt des Thoraxes. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 247.
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Abb. 3 He 5 Luopunkt. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 153.
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Abb. 4 Lu 7: Meisterpunkt von Genick-, Hals- und Okzipitalbereich. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 79.
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Abb. 5 Dü 5 Jing-Punkt. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 163.
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Abb. 6 Sj 5 Luopunkt. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 255.

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Verlauf

Drei Tage später war die Zunge noch blass und geschwollen, die Bewegungen aber schon etwas geschmeidiger, die Laune gebessert. Die Nadeltherapie wurde wiederholt und durch Mp 21 als Luo aller Luo mit Verbindung zu allen Yin-Meridianen und den Meisterpunkt des Abdomens Ma 36 zur Stärkung des Milz-Yang ergänzt.

Beim 3. Besuch eine Woche später wurde statt auf Ren 6 auf Ming Men gemoxt für ca. 7 min. Noch 3-mal wurde diese Behandlung im Abstand von 3–4 Tagen durchgeführt. Schon beim 3. Besuch war die Umfangsvermehrung deutlich verkleinert und nach der 6. Behandlung komplett verschwunden ([Abb. 7]). Bis heute besucht Jasper uns ab und an einmal wegen Steifigkeit im Rücken. Die Speichelzyste kam nie zurück.

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Abb. 7 Mischlingsrüde Jasper, 8 Jahre, nach erfolgter Therapie. © Christina Matern.

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Fazit

Für jeden Akupunkturpunkt sind bestimmte Eigenschaften beschrieben. Ihre ganze Wirkung entfalten sie aber oft erst in Zusammenarbeit mit anderen Punkten, die die Arbeit sinnvoll ergänzen. Mit einer genauen chinesischen Diagnose lassen sich ganz individuell Akupunkturpunkte zusammenstellen, die im Einzelfall optimale Ergebnisse liefern können. Die Meisterpunkte sind dabei kraftvolle Pfeiler der Therapie.


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Dr. med. vet. Christina Matern
Meilbachstraße 11
65510 Idstein

1982–1988 Studium der Veterinärmedizin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover; 1990 Promotion; 2001 Eröffnung einer eigenen tierärztlichen Praxis für Akupunktur und Chinesische Medizin sowie einer Weiterbildungsstätte für Tierärzte; 2002 Ernennung zum IVAS Certified Veterinary Acupuncturist, im gleichen Jahr Zusatzbezeichnung sowie Weiterbildungsermächtigung „Akupunktur“ durch die Tierärztekammer Hessen. 2010 erschien im Sonntag Verlag von der Autorin der „Taschenatlas Akupunktur bei Hund und Katze“ (ISBN 978-3-8304-9217-7).


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Abb. 1 Di 4: Meisterpunkt von Kopf, Maul und Gesicht. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 87.
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Abb. 2 Pc 6: Meisterpunkt des Thoraxes. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 247.
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Abb. 3 He 5 Luopunkt. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 153.
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Abb. 4 Lu 7: Meisterpunkt von Genick-, Hals- und Okzipitalbereich. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 79.
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Abb. 5 Dü 5 Jing-Punkt. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 163.
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Abb. 6 Sj 5 Luopunkt. © Christina Matern: Taschenatlas der Akupunktur bei Hund und Katze. Stuttgart: Sonntag; 2010: S. 255.
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Abb. 7 Mischlingsrüde Jasper, 8 Jahre, nach erfolgter Therapie. © Christina Matern.