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DOI: 10.1055/s-0029-1246086
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
Alzheimer-Krankheit und senile Demenz
Alzheimer’s Disease and Senile DementiaPublikationsverlauf
Publikationsdatum:
10. März 2011 (online)

Bis in die 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden die präsenile Alzheimer-Krankheit und die senile Demenz als zwei zwar pathologisch verwandte, jedoch klinisch unterschiedliche Krankheitsbilder angesehen. Diese Position fand auch Eingang in den Gegenstandskatalog für die Ärztliche Prüfung des Autors aus dem Jahr 1976. Als klinisches Kennzeichen der präsenilen Form wurden die schon von Alzheimer hervorgehobenen „verwaschenen Herdsymptome” angesehen, während bei der senilen Demenz die Gedächtnisstörungen ganz in den Vordergrund gestellt wurden. Neuere Literatur, die in der Arbeit von Natale et al. [1] in diesem Heft referiert wird, bestätigt diese klinischen Unterschiede.
Nach einer Phase des „alles Alzheimer”, die den Neurowissenschaften wegen der enormen gesellschaftlichen Bedeutung der Demenzen zur „Decade of the Brain” verhalf, wird heute die Neurobiologie der degenerativen Demenzen sowohl in der Abgrenzung zu den Nicht-Alzheimer-Demenzen (frontotemporale Lobaratrophien, Lewy-Löper-Krankheit u. a.) als auch in der Binnendifferenzierung des Morbus Alzheimer wieder differenzierter gesehen. Dabei scheint die Kombination von Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen die gemeinsame pathophysiologische Endstrecke für eine Reihe von ätiologischen Varianten darzustellen. Wie von Natale et al. [1] ausgeführt dürften bei den genetisch bedingten und vermutlich auch den meisten anderen präsenilen Formen Störungen der Amyloid-Kaskade im Vordergrund stehen, bei den senilen Formen jedoch eher oxidativer Stress, mitochondriale Dysfunktionen und Gefäßrisikofaktoren. Auch die bei Trisomie 21 besonders häufig auftretende Alzheimer-Erkrankung scheint ihre Ätiologie in anderen Stoffwechselwegen zu haben [2].
Man erinnere sich, dass die immer noch sehr einflussreichen McKhann-Kriterien [3] die Alzheimer-Erkrankung so definierten, dass die „mögliche” und „wahrscheinliche” Diagnose immer noch auch Fälle von frontotemporalen Lobaratrophien mit einschloss. Man erinnere sich weiterhin, welchen Aufschwung die Erforschung der Lobaratrophien genommen hat, nachdem eigenständige diagnostische Kriterien formuliert wurden [4]. Der Ansatz, die „präsenile” Alzheimer-Demenz nicht nach dem Alter, sondern nach noch zu definierenden klinischen Kriterien zu diagnostizieren und die weitere Erforschung dieser Krankheit(-en) könnte unser Verständnis neurodegenerativer Erkrankungen und deren neurobiologischer Grundlage entscheidend weiterbringen.
Die „Fortschritte” haben den Fortschritt der Demenzforschung der letzten Jahre eng begleitet [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13]. Sie nehmen damit ihre selbstgestellte Aufgabe wahr, die Entwicklung in den Partnerwissenschaften Neurologie und Psychiatrie ihren Lesern zeitnah und mit Fokussierung auf wichtige Wissensfortschritte nahezubringen. Die Demenzen sind eine Schnittstelle zwischen den beiden Fächern, stehen im Fokus wissenschaftlicher Erforschung und sind zudem gesellschaftlich von herausragender Bedeutung. Wir werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, weiter zum Thema informieren.
Literatur
- 1
Natale B, Wohlrab D, Förtsch B et al.
Die Alzheimer-Demenz mit präsenilem Beginn – Besonderheiten in Diagnostik, Therapie
und Management.
Fortschr Neurol Psychiatr.
, dieses Heft
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- 2
Jiang Y, Mullaney K A, Peterhoff C W et al.
Alzheimer’s-related endosome dysfunction in Down syndrome is Abeta-independent but
requires APP abd is reversed by BACE-1 inhibition.
Proc Natl Avcad Sci USA.
2010;
107
1630-1635
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- 3
McKhann G, Drachman D, Folstein M et al.
Clinical diagnosis of Alzheimer’s disease: report oft he NINCDS-ADRDA Work Group under
the auspices of the Department of Health and Human Services Task Force on Alzheimer’s
Disease.
Neurology.
1984;
34
939-944
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- 4
Neary D, Snowden J S, Gustafson L et al.
Frontotemporal lobar degeneration: a consensus of diagnostic criteria.
Neurology.
1998;
51
1546-1554
MissingFormLabel
- 5
Jessen F.
Stellungnahme zur S 3-Leitlinie Demenzen der DGPPN und DGN aus psychiatrischer Sicht.
Fortschr Neurol Psychiatr.
2010;
78
509-512
MissingFormLabel
- 6
Wallesch C W.
Stellungnahme zur S 3-Leitlinie Demenzen der DGPPN und der DGN aus neurologischer
Sicht.
Fortschr Neurol Psychiatr.
2010;
78
504-508
MissingFormLabel
- 7
Pahnke J, Krohn M, Scheffler K.
Die Funktion der Blut-Hirn-Schranke für die Pathogenese der Alzheimer-Demenz – Implikationen
für immunologische Therapien zur Plaqueauflösung.
Fortschr Neurol Psychiatr.
2009;
77
S21-S24
MissingFormLabel
- 8
Weih M, Krinninger H, Zimmermann R et al.
Vergleichende Sensitivität der neurochemischen Demenzdiagnostik im Liquor und rCBF
im 99mTc-SPECT bei Patienten mit Alzheimerdemenz.
Fortschr Neurol Psychiatr.
2009;
77
407-411
MissingFormLabel
- 9
Wolf S A.
Neurospychologische Differentialdiagnostik degenerativer Demenzen.
Fortschr Neurol Psychiatr.
2009;
77
376-388
MissingFormLabel
- 10
Franke A G, Lieb K, Fellgiebel A.
Von der symptomatischen zur kausalen Therapie? Neue Entwicklungen in der Pharmakotherapie
der Alzheimer-Demenz.
Fortschr Neurol Psychiatr.
2009;
77
326-333
MissingFormLabel
- 11
Lenz B, Siridopoulos C, Bleich S et al.
Frontotemporale Demenz: Neurotransmitter und klinische Symptomatik im Fokus therapeutischer
Überlegungen.
Fortschr Neurol Psychiatr.
2009;
77
289-294
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- 12
Danek A, Diehl-Schmid J, Grimmer T et al.
Frontotemporale Lobardegenerationen. Teil 1: Diagnose und Therapie.
Fortschr Neurol Psychiatr.
2009;
77
169-179
MissingFormLabel
- 13
Diehl-Schmid J, Neumann M, Laws S M et al.
Frontotemporale Lobärdegenerationen. Teil 2: Bildgebung, Neuropathologie und Genetik.
Fortschr Neurol Psychiatr.
2009;
77
295-304
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Prof. Claus-W. Wallesch
Klinik für Neurologische Rehabilitation, BDH-Klinik Elzach GmbH
Am Tannwald 1
79215 Elzach
eMail: cwallesch@neuroklinik-elzach.de