Zusammenfassung
Die Inkontinenz – insbesondere die anale Inkontinenz – stellt für Betroffene eine
erhebliche Belastung dar. Sie beeinträchtigt die Lebensqualität maßgeblich, führt
zu Einschränkungen im Alltag und kann eine soziale Isolation zur Folge haben. Die
Ätiologie der analen Inkontinenz ist heterogen und oftmals multifaktoriell bedingt.
Abhängig von der jeweiligen Genese erfordert die Therapie sowohl ein hohes Maß an
Eigenverantwortung und Disziplin seitens der Patientinnen und Patienten als auch die
Akzeptanz der Erkrankung und ihrer Ursachen. Für die behandelnden Fachpersonen ist
es essenziell, neben fachlicher Expertise auch Empathie und Geduld in die Betreuung
einzubringen. Dabei sollte den Betroffenen behutsam vermittelt werden, dass eine vollständige
Wiederherstellung der Kontinenz in den meisten Fällen nicht realistisch ist. Anale
Inkontinenz kann im Rahmen zahlreicher systemischer Erkrankungen, psychischer Störungen
sowie infolge muskulärer, sensorischer oder neurogener
Funktionsstörungen auftreten. Ebenso ist sie eine mögliche Komplikation nach chirurgischen
Eingriffen. Eine differenzierte, interdisziplinäre Abklärung der Ursachen und ihrer
Zusammenhänge ist daher unerlässlich. Die Patientinnen und Patienten sind umfassend
über die verfügbaren therapeutischen Optionen sowie die möglichen Grenzen der Behandlung
aufzuklären. Der therapeutische Schwerpunkt liegt weiterhin auf konservativen Maßnahmen.
Operative Verfahren sollten nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn ein morphologisches
Korrelat vorliegt und die Erfolgsaussichten als günstig einzuschätzen sind. Eine Ausnahme
bildet die sakrale Nervenmodulation, die auch bei idiopathischer Stuhlinkontinenz
erfolgreich zur Anwendung kommen kann. Die vorliegende Arbeit versteht sich als praxisorientierte
Übersichtsarbeit und basiert auf klinischer Erfahrung sowie auf der Analyse und Zusammenfassung
aktueller wissenschaftlicher Literatur unter Berücksichtigung gültiger Leitlinien.
Abstract
Incontinence – especially anal incontinence – poses a significant burden for those
affected. It severely impacts the quality of life, leads to limitations in daily life,
and can result in social isolation. The aetiology of anal incontinence is heterogeneous
and often multifactorial. Depending on the specific genesis, the therapy requires
both a high degree of personal responsibility and discipline from the patients, as
well as acceptance of the condition and its causes. For the responsible professionals,
it is essential to incorporate not only professional expertise but also empathy and
patience into the care. It should be gently communicated to the affected individuals
that a complete restoration of continence is not realistic in most cases. Anal incontinence
can occur in the context of numerous systemic diseases, psychological disorders, as
well as due to muscular, sensory, or neurogenic dysfunctions. It can also be a possible
complication following surgical procedures.
Therefore, a differentiated, interdisciplinary investigation of the causes and their
interrelations is essential. Patients should be fully informed about the available
therapeutic options as well as the possible limitations of treatment. The therapeutic
focus remains on conservative measures. Surgical procedures should only be considered
when a morphological correlate is present and the chances of success are deemed favourable.
An exception is sacral nerve modulation, which can also be successfully applied in
cases of idiopathic faecal incontinence. This article is intended as a practice-oriented
review and is based on clinical experience as well as the analysis and summary of
current scientific literature – taking into account valid guidelines.
Schlüsselwörter
Allgemeinchirurgie - Proktologie - Stuhlinkontinenz - Therapieoptionen
Keywords
general surgery - proctology - fecal incontinence - therapeutical options