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DOI: 10.1055/a-2411-6899
Konservative Therapie der Rhizarthrose
Authors
Handtherapeut*innen begegnen der Rhizarthrose regelmäßig in ihrer Praxis. Um diese sinnvoll und effektiv behandeln zu können, benötigen sie umfangreiches Wissen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Pathophysiologie, Diagnostik und evidenzbasierte Therapieoptionen sowie praktische Implikationen für die handtherapeutische Behandlung.
Einleitung
Die Rhizarthrose, eine degenerative Erkrankung des Daumensattelgelenks, stellt die zweithäufigste Arthrose der Hand dar [1]. Sie betrifft ca. 10 Prozent der Bevölkerung über 50 Jahre, wobei Frauen – insbesondere postmenopausal – 10- bis 15-mal häufiger davon betroffen sind. In der allgemeinen Bevölkerung liegt die radiologische Prävalenz bei Personen über 75 Jahren sogar bei bis zu 40 Prozent [2] [3] [4].
Bei symptomatischer Rhizarthrose bestehen Schmerzen an der Daumenwurzel und eine Kraftminderung beim Greifen. Das einzige Sattelgelenk des menschlichen Körpers ermöglicht neben Flexion/Extension auch die Oppositionsbewegungen des Daumens, die für den Pinzettengriff und die Benutzung von Werkzeugen jeder Art notwendig sind. Daher sind Aktivitäten des täglichen Lebens und die Lebensqualität von Patient*innen beeinträchtigt, wenn Schmerzen beim Greifen mit dem Daumen infolge einer Rhizarthrose auftreten.
Neben den schmerzhaften und funktionellen Einschränkungen wie Ruhe- und Belastungsschmerz, Kraftverlust und Bewegungseinschränkungen sind auch gesundheitsökonomische Auswirkungen bedeutsam: Die Rhizarthrose führt häufig zur Arbeitsunfähigkeit bei handdominanten Tätigkeiten, z. B. im produzierenden Gewerbe, im Handwerk oder in der Pflege. Dadurch entstehen neben den direkten Behandlungskosten auch erhebliche indirekte Kosten durch Arbeitsausfälle, reduzierte Erwerbsfähigkeit und Frühberentung.
Anatomische und pathophysiologische Grundlagen
Das Daumensattelgelenk (Articulatio carpometacarpalis pollicis) ist ein bikonvex-konkaves Gelenk zwischen dem Os trapezium und der Basis des ersten Mittelhandknochens. Es erlaubt Bewegungen auf 3 Ebenen: Flexion/Extension, Abduktion/Adduktion sowie Rotation/Opposition ([Abb. 1] [] []–[4]). Diese hohe Beweglichkeit ist essenziell für präzise Greif- und Haltefunktionen des Daumens, macht das Gelenk jedoch auch besonders anfällig für degenerative Veränderungen [5].








Die Rhizarthrose ist durch einen fortschreitenden Verlust des hyalinen Gelenkknorpels charakterisiert ([Tab. 1]). Häufig beginnt der Prozess mit dem Verlust der palmaren Bandstabilität. Durch die resultierende Gelenkfehlstellung (Subluxation) verändert sich die Druckbelastung des Knorpels und es entstehen Defekte im Gleitlager. Eine Verminderung des Gelenkpartnerabstandes (Höhenminderung) und Verdichtungen der Knochenstruktur unter dem betroffenen Knorpel (Sklerose) zeigen sich relativ früh im Röntgenbild. Im Verlauf wird das Gelenk durch eine zunehmende Subluxation im Sattelgelenk, knöcherne Anbauten am Rand der Gelenkpartner (Osteophyten), vollständiger Knorpel- bzw. Höhenverlust, Zysten und Erosionen (Knochenauflösungen) zerstört. Die Luxation, das vollständige Abrutschen des ersten Mittelhandknochens vom deformierten Trapezium nach radial-dorsal, ist ein häufig beobachtetes Spätzeichen [6].
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Rhizarthrose |
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Primär: Beginn mit degenerativen Insuffizienzen des Lig. Trapeziometacarpale (auch Lig. obliquum anterius oder engl. Beak Ligament, überbrückt schräg die Palmarseite des Sattelgelenks) und des Lig. intermetacarpeum I/II. Folge: Subluxationsstellung, inkongruenter Gelenkschluss |
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Sekundär: Hypoplastisches Sattelgelenk, Dysbalancen zwischen den Ad- und Abduktoren des Daumens, posttraumatische Gelenkdeformität (z. B. nach Bennett-Fraktur) |
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Knorpelschädigung kann in Stadien eingeteilt werden ([11] []Tab. 2]) |
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STT-Arthrose (Scapho-Trapezio-Trapezoidale-Handwurzelarthrose) |
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Häufig mit Rhizarthrose kombiniert, seltener isoliert |
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Unterformen: scaphotrapeziale (am häufigsten), scaphotrapezoidale und scaphotrapeziotrapezoidale Beteiligung |
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STT-Arthrosen sind i.d.R. primär, selten sekundär bei Rotationssubluxation des Scaphoids, posttraumatisch oder i.R. einer CPPD-Arthropathie |
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MCP-Arthrose |
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Seltener primär. Sekundär z. B. bei Z.n. Bandverletzungen (z. B. ulnare Seitenbandruptur) und als Folge der kompensatorischen Überstreckbarkeit/Instabilität des MCP bei vorbestehender Rhizarthrose |
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IP-Arthrose |
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Klassischer Vertreter der primären Arthrosen, gehäuft bei Frauen im mittleren und höheren Lebensalters |
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Oft handelt es sich um atrophe Arthroseformen, die mit Rhiz- und STT-Arthrosen kombiniert, aber nicht durch diese hervorgerufen sind |
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Aktivierte Arthrose |
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Kann an jedem von Arthrose betroffenen Gelenk auftreten und markiert oft den Eintritt in die symptomatische Phase der Arthrose-Entwicklung. Bei dieser besteht zusätzlich zum Knorpelschaden eine reaktive Synovialitis, die durch Knorpel- und Knochenmarkfragmente im Rahmen einer vorbestehenden Arthrose ausgelöst wird. |
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Die arthrotische Entzündungskomponente führt zuerst zur Kapselfibrose, im späteren Verlauf zur erosiv-destruktiven Arthrose. Eine gelenknahe Entkalkung fehlt im Röntgenbild (als Abgrenzung ggü. rheumatischer erosiver Arthritis). |
In der englischen Fachliteratur wird die aktivierte sowie die symptomatische Rhizarthrose als „Osteoarthritis“ (abgekürzt OA) oder einfach „CMC Arthritis“ bezeichnet (griechisches Suffix „-itis“ = entzündlich). Dies verdeutlicht stärker die entzündliche Ursache der Beschwerden als der im deutschsprachigen Raum genutzte Begriff „Arthrose“ („-ose“ i.S. der degenerativen Veränderungen, häufig bezogen auf den Befund des Röntgenbildes). Da die Mehrzahl der radiologischen Rhizarthrosen nicht oder nur gering symptomatisch auffallen, hat die konkrete Benennung des entzündlichen Charakters der Erkrankung durchaus Vorteile für die differenzierte Diagnostik und Therapie.
Entzündliche Prozesse („aktivierte Arthrose“) sind meist der erste Anlass, sich (ärztliche) Hilfe zu suchen. Diese Prozesse äußern sich in Schwellung, Überwärmung und seltener Rötung, vor allem aber in Schmerzen in Ruhe und bei Belastung. Da eine Schonung des Daumens im Alltag nur schwer einzuhalten ist, können entzündliche Beschwerden auch im Frühstadium akut die Lebensqualität beeinträchtigen.
Biomechanisch führt der Funktionsverlust zu einer ungleichen Lastverteilung auf die umliegenden Strukturen, was eine sekundäre Überlastung der Thenar- und Hypothenarmuskulatur sowie eine Mitbeteiligung der benachbarten Gelenke (z. B. STT-Gelenk) verursachen kann. Die Beweglichkeitseinschränkung mit Adduktionskontraktur des Daumens provoziert eine Überstreckung im Daumengrundgelenk, um das Umgreifen von Gegenständen zu kompensieren. Als Z-Deformität ([Abb. 5], [Abb. 6]) wird die Spätfolge einer Rhizarthrose beschrieben, bei der das IP-Gelenk in Beugestellung steht. Zusätzlich können durch strukturelle Umbauten die sensorische Rückmeldung und die Greifkoordination beeinträchtigt werden. Hormonelle Veränderungen (Menopause), Grund- bzw. Begleiterkrankungen, wie rheumatoide Arthritis, neurologische Defizite mit muskulärer Dysbalance und Stoffwechselstörungen (z. B. Gicht, Diabetes) können die Symptome verschlimmern und den Verlauf beschleunigen.




Diagnostik und klinisches Bild
Typischerweise berichten Patient*innen über belastungsabhängige Schmerzen im Bereich des Daumenballens, z. B. beim Öffnen von Gläsern, Drehen von Schlüsseln oder beim Halten von Schreibgeräten. Häufig kommt es zu einem dumpfen Dauerschmerz mit intermittierenden Belastungsspitzen, vor allem morgens oder nach längerer Aktivität. Im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich sichtbare Fehlstellungen, verminderte Daumenkraft sowie funktionelle Einschränkungen im Pinzettengriff, der Abduktion/Grifföffnung und der Opposition.
Die Anamnese beinhaltet Dauer, Art und Intensität der Schmerzen im Daumensattelgelenk und subjektiv geschilderte Einschränkungen der Funktion und Lebensqualität. Nicht selten sind die degenerativen Veränderungen im Röntgenbild noch kaum erkennbar, aber die Beschwerden schon relativ stark. Demgegenüber stehen die Patient*innen, bei denen trotz fortgeschrittener Arthrose im Röntgenbild keine oder erst spät Symptome auftreten. Die Abgrenzung der symptomatischen Rhizarthrose von anderen Daumenschmerzen (z. B. durch Tendovaginitis de Quervain) durch Anamnese und Untersuchung ist daher entscheidend [8].
Untersuchung
Die Untersuchung umfasst die Inspektion und klinische Untersuchung der Hand und des Daumenstrahls im Seitenvergleich. Zur Abgrenzung gegenüber anderen Krankheitsbildern sind das Radiokarpalgelenk, die Scapho-Trapezium-Trapeziodalgelenke (STT-Gelenke), das Sattel-, Grund- und Endgelenk des Daumens und die Beuge- und Strecksehnen einzeln zu untersuchen.
Klinische Tests
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Schubladentest: Der erste Mittelhandknochen wird gegen das Os trapezium gedrückt und in dorsaler Richtung verschoben. Eine vermehrte Gleitbeweglichkeit oder ein schmerzhafter Anschlag weist auf eine Instabilität oder Arthrose hin.
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Grind-Test: Der Daumen wird axial komprimiert und rotiert. Ein schmerzhaftes Reiben oder Knirschen gilt als Hinweis auf eine degenerative Veränderung des Gelenks ([Abb. 7]).
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Weitere Tests zur Differenzierung: z. B. Tendovaginosis stenosans (TVS) am A1-Ringband (Schnappdaumen) und Finkelsteintest bei schmerzhafter Enge des 1. Strecksehnenfachs (TVS de Quervain)


Bildgebende Verfahren
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Röntgen: Die Einteilung erfolgt nach Eaton und Littler [11] ([Tab. 2]). Obwohl die Symptomatik und arthroskopische Befunde des Knorpelschaden den radiologischen Stadien oft weit vorausgehen, ist dieses Vorgehen dennoch die Standardmethode zur Beurteilung knöcherner Veränderungen [9].
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CT/DVT: Frühstadien der Arthrose können mit Schnittbildgebung dagegen auch am Knochen zuverlässiger detektiert werden ([Abb. 8]). Fehlstellungen, Gelenkspaltminderung, subchondrale Sklerosezonen, freie Gelenkkörper und beginnende Osteophyten können im Vergleich zum zweidimensionalen Röntgenbild ohne die Überlagerung durch benachbarte Knochen besser beurteilt werden. Bei der OP-Planung kann das Implantatbett für eine Oberflächenersatzprothese (Total-Endoprothese, TEP) und die Knochenqualität analysiert werden. Intraoperative Komplikationen durch Knochenschwund (Osteopenie, Osteoporose), ausgeprägte Zystenbildung der Gelenkpartner und Höhenminderung des Trapezium lassen sich so verhindern [3]. Die Strahlenbelastung ist bei gleicher oder besserer Auflösung durch moderne DVT-Verfahren im Vergleich zum Standard-CT deutlich reduzierbar (Röntgen vs. Multislice-CT ca. 9-fache Dosis; Röntgen vs. DVT 0,7–2,4-fache Dosis) [9] [10].
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Ultraschall (Sonographie): Eignet sich zur Beurteilung von Weichteilveränderungen, z. B. Ergüsse, Synovitis, Sehnenschäden oder Instabilitäten. Zudem können osteophytäre Anbauten und freie Gelenkkörper dargestellt werden. Vorteil: keine Strahlenbelastung, dynamische Untersuchung des Gelenkes und der Sehnen sind möglich.
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Magnetresonanztomographie (MRT): Insbesondere im Frühstadium hilfreich zur Darstellung von Knorpeldefekten, subchondralen Ödemen, Gelenkergüssen und Reizzuständen („aktivierte Rhizarthrose“) ([Abb. 9]). Die MRT kann bei unklaren oder diskrepanten klinisch-radiologischen Befunden (unauffällig im Frühstadium) zur differenzierten Diagnostik beitragen.




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Stadium |
Röntgenologische Merkmale |
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I |
Gelenkspalt normal, evtl. minimale Unregelmäßigkeiten |
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II |
Gelenkspalt verschmälert, kleine Osteophyten <2 mm, leichte Sklerose |
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III |
Gelenkspalt stark verschmälert, große Osteophyten, Subluxation |
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IV |
Zusätzliche Arthrose im STT-Gelenk, massive Destruktion |
Die klinische Symptomatik und das radiologische Stadium korrelieren nicht immer direkt. Daher sollten Diagnose und Therapieentscheidung stets funktionell und patientenorientiert erfolgen.
Konservative Therapiestrategien
Die konservative Stufentherapie stellt das Rückgrat der Rhizarthrosebehandlung dar, insbesondere in den Stadien I–III, bei Patient*innen mit geringem funktionellem Defizit oder Kontraindikationen zur Operation. Ziel ist die Reduktion von Schmerzen, Erhalt der Gelenkfunktion, Verlangsamung des Fortschreitens sowie die Verbesserung der Lebensqualität in Alltag und Beruf.
Patientenschulung und Edukation
Hilfe zur Selbsthilfe sollte ein zentraler Bestandteil jeder konservativen Behandlung sein, daher ist neben der orthetischen Versorgung die Aufklärung der Patient*innen in der Praxis besonders wichtig.
Klassisch wird unter „Gelenkschutz-Schulung“ die Aufklärung über folgende Themen verstanden:
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Anatomie und Biomechanik des Daumensattelgelenks
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Gelenkschutzprinzipien in Alltag und Beruf
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Einsatz und Nutzen von Hilfsmitteln
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Umgang mit Belastungsspitzen, z. B. durch Wechsel von Belastung und Pause
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Motivation zur aktiven Mitwirkung an der Therapie
Aktuell verschiebt sich die Wahrnehmung von Gesundheitsthemen zunehmend in Richtung Prävention oder „Longevity“ – so auch beim Thema Gelenkschutz. Die Definition einer zeitgemäßen Gelenkschutzschulung umfasst daher zusätzlich folgende Themen:
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Stressbewältigung und -vermeidung
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Ernährungsumstellung unter Berücksichtigung
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antiinflammatorischer Konzepte (=Verzicht auf pro-inflammatorisch wirksame Nahrungsbestandteile, wie Fette der Arachidonsäure und deren Vorläufer)
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ausreichende Flüssigkeitsaufnahme
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Vermeidung von oxidativem Stress
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Verzicht auf Noxen wie Nikotin und Alkohol
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Interprofessionelle und interdisziplinäre Ansätze, um drohende Gesundheitsschäden frühzeitig zu erkennen und folglich zu vermeiden, z. B. durch optimierte Behandlung einer (potentiell) gelenkschädigenden Erkrankung (Rheuma/Arthritis, Gicht, Diabetes, Speicherkrankheiten wie Hämochromatose etc.)
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Die Behandlung psychologischer Ursachen für gelenkschädigendes Verhalten mittels psychotherapeutischer und psychiatrischer Intervention
Gruppenschulungen und individuelle Gespräche verbessern die Therapietreue und fördern ein selbstwirksames Verhalten im Alltag.
Orthetische Versorgung
Die Schienenversorgung ist eine zentrale Säule der konservativen Therapie. Sie wirkt schmerzlindernd, mechanisch entlastend und unterstützt die Stabilisierung des Daumensattelgelenks [13] [14] [15] [16]. Durch orthetische Versorgung kann die Indikation zur operativen Therapie hinausgezögert oder vermieden werden [17]. Obwohl sich statistisch keine signifikanten Unterschiede der Ergebnisse nach Versorgung mit konfektionierten vs. individuell an-gepassten Orthesen nachweisen lassen, ist dennoch die gezielte Auswahl einer zum individuellen Anspruch passenden Orthese zu empfehlen [18].
Möglichkeiten orthetischer Versorgung:
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Kurzzeitschienen zur akuten Entlastung bei entzündlicher Reizung oder Überlastung (z. B. Daumenlagerungsschiene für nachts)
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Funktionsorthesen, die das Daumensattelgelenk stabilisieren, aber Bewegungen im MP- und IP-Gelenk erlauben (z. B. Rhizoflex, Push CMC)
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Daumenschienen mit Einbezug des Grundgelenks zur Ruhigstellung bei ausgeprägter Symptomatik, begleitender Tenosynovitis oder posttraumatischer Reizung
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Handgelenk-Daumenschienen mit Einbezug des Handgelenks zur Ruhigstellung bei ausgeprägter Symptomatik, akuter Reizsituation oder begleitender Tendovaginitis stenosans de Quervain
Individuelle vs. konfektionierte Orthesen:
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Konfektionierte Schienen sind sofort verfügbar, kostengünstiger und bei milder Symptomatik oft ausreichend. Es gibt für die o. g. Einsatzzwecke jeweils eine breite Palette an Modellen verschiedener Hersteller aus unterschiedlichen Materialien, die je nach Bedürfnis ausgewählt werden können.
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Individuell angepasste Schienen ermöglichen eine präzise Druckverteilung, Anpassung an Deformitäten und Integration funktioneller Aspekte (z. B. Oppositionserhalt). Die Orthesen können so gestaltet werden, dass sie das Gelenk stabilisieren, entlasten und die Beweglichkeit fördern. Mittlerweile gibt es neben klassischen Thermoplast-Schienen (z. B. aus Orfit, Aquaplast) verschiedene Modifikationen, z. B. die Orthese nach Dr. Meyer, für die die Erfinderin durch aktive Flexion des Endgelenkes über ein Hypomochlion in der Schiene einen zusätzlich entlastenden Effekt für das DSG propagiert [19].
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Individuelle 3D-Druck-Schienen sind immer besser verfügbar und vereinen die Vorteile der individuelllen Anpassung mit den Designmöglichkeiten und der Haltbarkeit additiver Fertigung (besser bekannt als 3D-Druck). Durch 3D-Scans und CAD-Modellierung wird eine perfekte Passform für jede Person angestrebt, was zu verbesserter Funktionalität und Komfort führen kann (siehe Artikel S. 186). Gerade die im Krankheitsverlauf zunehmende Fehlstellung im Sattelgelenk mit Prominenz der MC-1-Basis führt bei vielen Patient*innen zu Druckstellen über dem prominenten Knochen an konfektionierten bzw. nicht optimal sitzenden Orthesen. Orthesen mit verschiedenen Härtegraden und Flexibilitäten zu drucken, ermöglicht eine präzisere Anpassung an die veränderte Anatomie und die individuellen Bedürfnisse von Patient*innen. Diese können aus verschiedenen Farben und Designs wählen, was die Akzeptanz für das Tragen der Orthese erhöhen kann. 3D-Druck ermöglicht zudem die Herstellung leichterer und atmungsaktiver Orthesen, die den Tragekomfort verbessern können. Den genannten Vorteilen steht der aktuell noch hohe Preis (mehrere Hundert Euro) und die damit für Patient*innen und Kostenträger verbundene Belastung gegenüber. Häufiger werden Kostenübernahmen erst nach Widerspruch, seltener gar nicht bewilligt.
Die regelmäßige Überprüfung und ggf. Anpassung der Schiene sind erforderlich, insbesondere bei Veränderungen der Schmerzsituation oder Gelenkstellung.
Manuelle Therapie und Funktionelles Training
Ziel ist die Verbesserung der Mobilität, Reduktion von Schmerzreizen und die Wiederherstellung eines physiologischen Gleitlagers. Multimodale Ansätze sind Einzelinterventionen überlegen [18]. Die Effektivität für den langfristigen Verlauf ist nicht statistisch belegt, kurzfristig lassen sich Linderung der Beschwerden und Verbesserung der Lebensqualität aber eindeutig nachweisen [20] [21] [22].
Typische Techniken:
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Traktion und translatorische Mobilisation nach Kaltenborn oder Maitland in Längsachse zur Entlastung der Gelenkflächen
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Weichteiltechniken zur Detonisierung der Thenarmuskulatur und Lösen von Triggerpunkten (z. B. M. opponens pollicis, M. adductor pollicis)
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Querfriktionen und Mobilisationen der Kapsel zur Schmerzmodulation und Bewegungserweiterung
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Mobilisationen des STT-Gelenks, wenn sekundäre Blockaden vorliegen
Die Techniken sollten schmerzarm, dosiert und in Kombination mit aktiver Therapie erfolgen. Neben diesen passiven Maßnahmen ist das gezielte Training entscheidend zur Stabilisierung des Gelenks.
Inhalte:
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Kräftigung der Thenar-, Hypothenar- und Handgelenksmuskulatur, insbesondere des M. abductor pollicis longus, M. opponens pollicis und der radialen Handgelenkstrecker
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Propriozeptives Training, z. B. durch instabile Unterlagen, Koordinationsübungen mit kleinen Geräten oder elastischem Widerstand
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Feinmotorische Aufgaben, z. B. Perlen sortieren, Stiftrollen, Münzen greifen
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Alltagsintegrierte Übungen: z. B. Reißverschluss greifen, Gabel halten, Flasche aufdrehen, kombiniert mit ergonomischen Prinzipien
Eine Trainingsfrequenz von 2–3 Einheiten pro Woche über mindestens 6–8 Wochen zeigt laut Studienlage signifikante Verbesserungen in Kraft, Schmerz und Handfunktion [23].
Hilfsmittelversorgung
Hilfsmittel dienen der gelenkschonenden Ausführung alltäglicher Tätigkeiten und der Reduktion repetitiver Belastungen.
Beispiele:
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Ergonomische Küchenhelfer: z. B. dickerer Griff an Messern, Dosenöffner mit Hebelwirkung, Rutschmatten
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Schreibhilfen: verdickte Stifthalter, Dreiecksstifte
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Haushaltshilfen: z. B. Einhand-Brett, Antirutschunterlagen, Flaschenöffner
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Berufliche Anpassungen: z. B. Mausaufsätze, Tastaturunterlagen
Die Auswahl sollte individuell, funktionsbezogen und durch eine handtherapeutisch geschulte Fachkraft erfolgen. Die Schulung im Gebrauch der Hilfsmittel ist essenziell. Durch eigene Anwendung von einfachen Werkstoffen, wie Textilband, Schaumgummischläuchen oder knetbarer Silikonmasse (z.B. Sugru), können Patient*innen in die Lage versetzt werden, eigene Griffverdickungen etc. herzustellen.
Nahrungsergänzung und Medikamente
Doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studien bilden die beste wissenschaftliche Grundlage für Therapieentscheidungen zur Medikation. Außerhalb dieser Voraussetzung verbleiben Erfahrungsmedizin und Expertenwissen unbelegt. Für Nahrungsergänzungsmittel und Phytotherapeutika gibt es vielfach positive Anwendungsbeschreibungen. Einzelne Strategien haben sich belegen lassen, z. B. die Einnahme von Chondroitin-Sulfat [24]. Die differenzierte Darstellung einer gelenkschonenden Ernährungsweise unter Berücksichtigung von möglichen Nahrungsergänzungsmitteln ist jedoch umfangreich und schwierig und daher nicht Gegenstand dieses Artikels.
Topische Medikation
Es gibt wissenschaftlich nur Hinweise, dass Gele und Cremes mit entzündungshemmenden Medikamenten (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) wirksam sind. Entsprechend der klinischen Erfahrung kann eine kurzfristige schmerzlindernde Wirkung nachgewiesen werden [25]. Damit ist die Anwendung möglich und kann auch für Entzündungsphasen sinnvoll sein.
Egeltherapie
Dabei handelt es sich um eine Lokaltherapie, bei der Blutegel über dem Gelenk angesetzt werden. Das Blutegelsekret enthält antikoagulatorisch, antiinflammatorisch und analgetisch wirksame Inhaltsstoffe (z. B. Kallikrein, Trypsin- und Proteinase-Inhibitoren). Durch die Hyaluronidase, den sogenannten spreading factor, dringen diese Substanzen tief ins lokale Gewebe ein. Bei Knie-Arthrose ist die klinische Wirkung in randomisierten, kontrollierten Studien belegt worden [26].
Orale Medikation
Besonders in der Akutphase einer aktivierten Arthrose ist die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten zu empfehlen. Unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen (v. a. Magen, Herz und Niere) sollten nicht steroidale Antiphlogistika (NSAR, z. B. Ibuprofen, Diclofenac/Voltaren) und COX-2-Hemmer (z. B. Etoricoxib/Arcoxia) auch für junge Patient*innen nur auf wenige Tage begrenzt eingenommen werden.
Schmerzen, Schwellung und allgemein die Beeinträchtigung durch Entzündung können gelindert werden, oftmals werden Patient*innen auch mittelfristig schmerzfrei (bis zum nächsten „Schub“). Das liegt daran, dass der Wirkmechanismus dieser Medikamente die Entzündungsaktivität gezielt reduziert. Botenstoffe der Entzündungskaskade werden blockiert und die lawinenartige Entzündungsreaktion kann sich nicht weiter „aufschaukeln“. Auch nach dem Absetzen der Medikamente kann der Effekt anhalten, wenn diese anfänglich in ausreichender (d. h. entzündungshemmender) Dosis eingenommen wurden. Es handelt sich bei dieser Gruppe also um Entzündungshemmer (Antiphlogistika) und nicht um Schmerzmittel, obwohl für die Patient*innen oft der schmerzlindernde Effekt im Vordergund steht. Nach entsprechender Aufklärung und Verordnung stehen oral verabreichte Medikamente im Bedarfsfall sofort zur Verfügung und die Einnahme kann selbstständig gesteuert werden. Dieses Vorgehen ist aus schmerzphysiologischer Sicht sinnvoll, da die Entzündung im fortgeschrittenen Stadium schwieriger und nur mit höheren Dosen behandelbar ist. Die Medikamente sollten also bestenfalls bereits bei Anzeichen einer entzündlichen Aktivierung frühzeitig eingenommen werden.
Auch aus schmerzpsychologischer Sicht ist eine frühzeitige und selbstbestimmte Einnahme von Vorteil, denn die Kontrolle über den Schmerz zu erhalten, reduziert die Krankheitslast und die Schmerzintensität [27].
Nicht operative Interventionen
Nicht operative Interventionen stellen eine Möglichkeit zur Behandlung bei therapieresistenter Rhizarthrose dar. Es stehen verschiedene intraartikuläre (i.a.) Injektionstechniken und physikalische Verfahren wie Röntgenreizbestrahlung (Radiatio), Ultraschall-, Magnetfeld- und Stoßwellentherapie zur Verfügung. Für alle hier aufgeführten Maßnahmen gilt, dass die Wirkung mit zunehmender Schwere der Arthrose unzuverlässiger und von geringerer Dauer ist. Daher überrascht es nicht, dass Patient*innen oft in den Anfangsstadien der Arthrose von günstigen Effekten und langen beschwerdefreien Phasen nach Intervention berichten. Bei fortgeschrittener Arthrose können diese positiven Erfahrungen oft auch durch mehrfache Wiederholung der Therapien nicht reproduziert werden.
Röntgenreizbestrahlung
Für die Röntgenreizbestrahlung liegen nur wenige randomisierte, Placebo-kontrollierte Studien vor. Dennoch gehen die radio-onkologischen Fachgesellschaften in ihrer regelmäßig aktualisierten Leitlinie von einem sicheren Verfahren mit Ansprechraten von 75 Prozent nach 12 Monaten aus. Ca. 25 Prozent der Behandelten werden als schmerzfrei angegeben [27]. Damit ergibt sich trotz des gering erhöhten Risikos für bösartige Hauttumore ein günstiges Risiko-Nutzen-Profil für diese Behandlungsstrategie bei ausbleibender Besserung durch konservative Behandlung [28] [29].
Ultraschall-, Magnetfeld- und Stoßwellentherapie
Ultraschalltherapie, ohne und mit NSAR-Topika (sog. Schmerzgel-Phonophorese), ist ein sicheres und kurzfristig wirksames Verfahren, das adjuvant in der Arthrosetherapie zur Schmerzlinderung eingesetzt werden kann [30].
Gepulste Magnetfeldtherapie (PEMF) ist eine nicht invasive Behandlungsmethode, bei der schwache Magnetfelder auf Körpergewebe appliziert werden. In Zellversuchen konnten Magnetfelder, wie sie in PMT-Geräten entstehen, Knorpelzellen anregen: sie produzierten durch die Behandlung mehr Proteoglykane (Bestandteil des Gelenkknorpels) [31]. Auch die Vermehrung der Knorpelzellen ließ sich durch PEMF anregen. Insgesamt ist die Studienlage, auch aufgrund der unterschiedlichen untersuchten Geräte und Behandlungsprotokolle, (noch) nicht befriedigend. In vielen Therapie- und Arzt-Praxen haben sich die Geräte im Alltag mindestens als zusätzliches Heilmittel bewährt [31] [32].
Extrakorporale Stoßwellentherapie, insbesondere fokussierte Stoßwellen, scheinen einen mittelfristigen Effekt zu vermitteln, der noch nach 6 Monaten messbar und Injektionen mit Hyaluronsäure überlegen ist [33]. Die Behandlung ist für manche Patient*innen schmerzhaft und muss 3–5-mal wiederholt werden. Das Verfahren ist nicht invasiv und hat oft einen unmittelbar spürbaren Effekt, wobei sich die tatsächliche Langzeitwirkung erst nach 4–6 Wochen abschätzen lässt.
Intraartikuläre Injektionen
Der Nutzen von Gelenkinjektionen ist seit langem bekannt. Mit deutlichen länderspezifischen Unterschieden werden diese insgesamt häufig bei Rhizarthrose angewendet [34]. In einer deutschsprachigen Übersichtsarbeit wurde 2022 die Risiko-Nutzen-Bewertung eher kritisch beurteilt [29]. Die Studienlage ist gekennzeichnet von positiven Effekten der Injektionstherapien in kleineren Untersuchungen (s.u.). Bezogen auf prospektiv-randomisierte große Untersuchungen und Meta-Analysen ist für die Injektionen jedoch keine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo oder anderen Therapien nachweisbar [3].
Die Voraussetzung für derartige Interventionen ist daher eine ausführliche Aufklärung der Patient*innen und die gemeinsame Entscheidungsfindung (engl. shared decision-making). Dadurch können Risikofaktoren (z. B. zeitnahe Impfungen oder gleichzeitige immunsuppressive Kortisontherapie) und Verhaltensfehler vor und nach der Injektion aufgedeckt und vermieden werden (z. B. Überlastung und hygienisch relevante Exposition der Einstichstelle). Weiterhin ist die Einhaltung einer strikten Sterilität bei der Vorbereitung und Verabreichung der Injektionen essenziell. Die Injektion sollte gezielt in den Gelenkspalt durch erfahrene Ärzte bzw. Ärztinnen und ggf. unter sonografischer oder radiologischer Kontrolle erfolgen, um Komplikationen an den umliegenden Geweben durch Fehlinjektion zu vermeiden.
Unter diesen Voraussetzungen sind die im Folgenden genannten Maßnahmen geeignet, Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung kurz- und ggf. mittelfristig zu ermöglichen. Sie werden von vielen Patient*innen dankbar angenommen und teilweise gefordert, insbesondere wenn im Akutfall orale Medikation nicht hilft oder kontraindiziert ist (z. B. bei Herz-Kreislauf- oder Nierenfunktionsstörungen im höheren Alter), Operationen hinausgezögert oder verhindert werden sollen [35].
Einige der genannten Verfahren (Hyaluronsäure, PRP/ACP/Fett-Injektion) werden nicht von allen privaten Krankenversicherungen erstattet und für gesetzlich Versicherte als „Individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) angeboten.
Injizierbare Medikamente:
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Glucocortikoide (Kortisonpräparate) sind die international am häufigsten angewendeten Medikamente für intraartikuläre Therapie [34]. Die lokale Entzündungshemmung zeigt eindeutig kurzzeitige klinische Verbesserungen und in manchen Studien auch langfristige Effekte [36]. Im Vergleich zu den u.g. Medikamenten sind vor allem die Risiken bei versehentlich extraartikulärer Injektion mit Veränderung des Unterhautfettgewebes (Atrophie) und der Haut (Pigmentierungsstörung, Atrophie) zu beachten. Dazu kommt eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte und Wundheilungsstörungen (vor allem vor und nach Operationen). Kristalline Depot-Kortison-Präparate können Sehnenschäden begünstigen. Knorpelschädigende Wirkungen bei wiederholten i.a. Injektionen lassen eine sparsame Anwendung sinnvoll erscheinen.
Außerhalb der lokalen Injektion auftretende (=systemische) Nebenwirkungen wie Gesichtsflush, Blutdruckerhöhung, Erhöhung des Blutzuckers und andere typische Kortisonwirkungen sind in der Regel nur sehr kurz oder gar nicht bemerkbar, sollten jedoch bei Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck beachtet werden.
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Hyaluronsäure hat im Vergleich ein geringeres Risiko für lokale und systemische Nebenwirkungen. Die Präparate werden entweder aus tierischem Eiweiß gewonnen oder gentechnisch (mittlerweile häufiger) hergestellt und als sterile Fertigspritzen gehandelt. Mittelfristige Effekte (6 Monate) lassen sich für Schmerzreduktion, Griffkraft und Handfunktion belegen [37]. Ein knorpelprotektiver Effekt, wie bei der Einführung der Medikamente erhofft, hat sich bisher nicht nachweisen lassen.
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PRP (Platlet-Rich-Plasma), ACP (Autologes, konditioniertes Plasma) und autologe Fettzellen-Injektionen sind Methoden, bei denen zuvor gewonnenes körpereigenes Material aufbereitet und in das Gelenk injiziert wird.
Bei PRP und ACP erfolgt eine Blutabnahme und anschließende Trennung des Plasmas von den anderen Bestandteilen (weiße und rote Blutkörperchen), sodass Thrombozythen und Serum in das Gelenk injiziert werden. Die im Serum enthaltenen Zytokine und die Thrombozythenreaktion sollen für die positiven Effekte verantwortlich sein.
Fettzellen müssen operativ (meist Absaugung aus dem Bauchfett) gewonnen werden. Das gewonnene Material wird – ähnlich wie bei der PRP/ACP-Gewinnung – mittels Zentrifugieren aufbereitet und in das Gelenk injiziert.
Die Studienlage ist v. a. für die Fettzellen-Injektion vielversprechend, aber noch nicht ausreichend, um eine Überlegenheit gegenüber anderen Injektionen zu demonstrieren. Das Infektionsrisiko war in den Studien nicht erhöht, obwohl bei der Aufbereitung von Körpergewebe zusätzliche Risiken durch Kontaminationsmöglichkeiten im Vergleich zu sterilen Fertigspritzen relevant erscheinen [35] [38]. Neben der Verbesserung der Schmerzsituation ließen sich auch Funktionsverbesserungen nachweisen. Ob die positiven Effekte durch die kombinierte Injektion beider Substanzen potenziert werden können, ist noch offen [39].
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Radiosynoviorthese (RSO): Dabei handelt es sich ebenfalls um eine intraartikulär verabreichte medikamentöse Intervention, die ausschließlich von Nuklearmediziner*innen durchgeführt wird. Ziel der Therapie ist, die entzündlich-aktive Gelenkschleimhaut (Synovia) durch ein radioaktives Medikament (Nuklid) bzw. die hiervon ausgesendeten Beta-Strahlen zu inaktivieren. Es handelt sich also um einen lokal begrenzten Gewebeschaden der strahlenempfindlichen Schleimhautzellen. Aufgrund der geringen Eindringtiefe der verwendeten Strahlung sind – bei korrekter Injektion – nur die entzündlichen Zielgewebe vom Strahlenschaden betroffen. Knochen und Knorpel werden gegenüber der kurz wirksamen Betastrahlung als unempfindlich angenommen. Risiken bestehen daher v. a. in versehentlicher Fehlinjektion außerhalb des Gelenkes mit Schädigung z. B. der Haut.
Aufgrund des Wirkmechanismus überrascht es nicht, dass die RSO besonders bei primär-entzündlichen Erkrankungen, wie rheumatoider Arthritis, einen hohen Stellenwert hat. Hier geht die Gelenkdestruktion von der Schleimhaut aus und kann durch den Strahlenschaden effektiv gestoppt werden. Auch bei der aktivierten Arthrose ist die Schleimhaut für die entzündliche Symptomatik verantwortlich, die Ursache der Entzündung ist jedoch die Instabilität und der Knorpelschaden und somit nicht durch den Beta-Strahler behandelbar. Dennoch lassen sich lange beschwerdefreie Intervalle erreichen [40].
Zusammenfassung
Die Therapie der symptomatischen Rhizarthrose beginnt mit konservativen Maßnahmen. Handtherapie, Schulung, Orthesenversorgung und medikamentöse Interventionen sind wichtige Säulen, die parallel („multimodal“) angewendet und unterschiedlich kombiniert werden können.
Länderspezifische Unterschiede bei der Behandlung der Rhizarthrose in den verschiedenen Stadien wurden zuletzt in einer großen Umfrage unter Handchirurg*innen international untersucht. Die regelmäßige Anwendung von Glukokortikoid-Injektionen in den Frühstadien ist v. a. in den USA beliebt. In Europa wird hingegen eher der Einsatz von Prothesen in fortgeschritteneren Stadien genutzt. Die Unterschiede sind vor allem durch mangelnde Evidenz, d. h. nicht ausreichende Studienlage begründet, an der sich die Behandelnden orientieren könnten [34].
Es überrascht daher nicht, dass sich die Behandlungsstrategien unterscheiden können. Das shared decision-making, d. h. die konsentierte Entscheidungsfindung mit der behandelten Person, ist die Voraussetzung für eine hohe Patientenzufriedenheit während und nach der Behandlung [41].
Dr. med. Ben Schacher


ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Zusatzbezeichnung Handchirurgie, Akupunktur, spezielle Schmerztherapie. Als Mitbegründer ist er seit 2017 ambulant im curadocs MVZ in Berlin operativ und konservativ tätig. Zuvor war er Handchirurg im Unfallkrankenhaus Berlin, in der Klinik für spezielle Handrehabilitation und im Brandverletztenzentrum. Er ist Handexperte der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Berliner Orthopäd*innen.
Interessenkonflikt
Der Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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Literatur
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Korrespondenzadresse
Publication History
Article published online:
10 October 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
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