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DOI: 10.1055/a-1959-2889
Neue Therapien kutaner T-Zell-Lymphome
New therapies for cutaneous T-cell lymphomasAuthors
Zusammenfassung
Kutane Lymphome gehören zu den seltenen Erkrankungen. Sie stellen eine heterogene Gruppe mit sehr unterschiedlicher klinischer Symptomatik und Prognose dar. Aufgrund der Komplexität der Erkrankung ist die Einbeziehung eines spezialisierten Zentrums empfehlenswert.
Wir stellen im Folgenden drei Patienten mit primär kutanen T-Zell-Lymphomen (CTCL) aus unserem Hauttumorzentrum vor. Anhand dieser Fallbeispiele möchten wir die multimodale Therapie von CTCL unter Berücksichtigung neu zugelassener Medikamente für diese Indikation beschreiben.
Abstract
Cutaneous lymphomas belong to the rare diseases. They represent a heterogeneous group with very different clinical symptoms and prognosis. Due to the complexity of the disease, the involvement of a specialized center is recommended.
In the following, we present three patients with primary cutaneous T-cell lymphomas (CTCL) from our skin cancer center. Based on these case studies, we would like to describe the multimodal therapy of CTCL, taking into account newly approved drugs for this indication.
Die aktuelle WHO-EORTC-Klassifikation unterscheidet 12 verschiedene primär kutane T-Zell-Lymphome (CTCL) [1]. Die genaue Diagnostik ist von großer Bedeutung für den Patienten und behandelnden Arzt, da die verschiedenen CTCL sehr unterschiedliche Verläufe von indolent bis hoch aggressiv haben. Die genaue diagnostische Einordnung ist die Basis für die Beratung des Patienten und die Therapieentscheidungen. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankungen ist die Einbeziehung eines spezialisierten Zentrums empfehlenswert. Die Therapieentscheidungen werden üblicherweise in einem interdisziplinären Tumorboard getroffen. Im letzten Jahr wurde die deutsche S2k-Leitlinie „Kutane Lymphome“ aktualisiert [2]. Anhand von 3 Fallbeispielen aus unserer Klinik möchten wir die multimodale Therapie CTCL unter Berücksichtigung neu zugelassener Medikamente für diese Indikation beschreiben.
Fall Nummer 1
Wir sahen den damals 69-jährigen Patienten erstmalig mit seit etwa 1,5 Jahren bestehenden roten, stark juckenden Hautveränderungen am gesamten Körper. Der Patient berichtete des Weiteren über eine zunehmende Abgeschlagenheit und Reduktion der Leistungsfähigkeit. Ihm seien im Bereich der rechten Axilla geschwollene Lymphknoten aufgefallen. Zum Ausschluss einer lymphogenen Metastasierung bei Z.n. Prostata-Karzinom mit radikaler Prostatektomie vor 16 Jahren sei durch den betreuenden Urologen eine MRT-Untersuchung mit dem Nachweis von am ehesten entzündlich vergrößerten Lymphknoten veranlasst worden. Klinisch präsentierte der Patient eine ausgeprägte Erythrodermie mit Xerosis cutis und Kratzexkoriationen am oberen Rücken ([Abb. 1] a [Abb. 1] b). Die Lymphknoten axillär und inguinal beidseits ließen sich, vergrößert, nicht druckdolent palpieren. Histologisch zeigte eine Hautbiopsie eine epidermotrope, teils auch follikulotrope CD3+CD4+-Infiltration. Die molekularpathologische Untersuchung ergab den Nachweis einer klonalen T-Zell-Rezeptor-Gen-Umlagerung. In der Durchflusszytometrie des peripheren Bluts fanden sich 7475 CD4+CD26–-atypische Lymphozyten/µl. In der Ganzkörper-CT ließen sich vergrößerte inguinale und axilläre Lymphknoten darstellen. In Zusammenschau der Befunde stellten wir die Diagnose eines Sézary-Syndroms (SS) im Stadium IVA1 (T4 Nx M0 B2) nach der TNMB-Klassifikation [3].


Es handelt sich hierbei um ein aggressives CTCL, definiert durch das Vorliegen einer Erythrodermie, generalisierten Lymphadenopathie und Blutbeteiligung >1000 Zellen/µl. Nach den aktuellen Empfehlungen der EORTC Cutaneous Lymphoma Task Force (CLTF) sind bei jedem SS- und Mycosis fungoides (MF)-Patienten bei Diagnosestellung die absoluten Zahlen der CD4+CD7–- und CD4+CD26–-Zellen im peripheren Blut mittels Durchflusszytometrie zu bestimmen [4].
Leitliniengerecht initiierten wir eine extrakorporale Photopherese (ECP) in Kombination mit einer Systemtherapie mittels Interferon-α 9 Mio I.E. subkutan 3×/Woche. Ergänzend erhielt der Patient eine Lichttherapie mit UVA1 ([Abb. 2]). Nach einem Jahr zeigte sich unter dieser Therapie eine komplette Remission ([Abb. 3]). Bei gutem klinischem Ansprechen der Haut und des Blutes (CD4+CD26–-Zellen: 55/µl) sowie einer beginnenden peripheren sensiblen Polyneuropathie und Lymphozytopenie von 400/µl pausierten wir die Interferon-α-Therapie. Für 15 Monate erfolgte eine ECP-Monotherapie, worunter der Hautbefund stabil blieb. Aufgrund eines progredienten Blutbefalls leiteten wir erneut Interferon-α in reduzierter Dosis mit 3 Mio. I.E. 3×/Woche subkutan ein. Nach einem weiteren Jahr stellten wir bei Fortschreiten der Erkrankung die Therapie vorerst auf Bexaroten 150 mg/m² KOF, weiterhin in Kombination mit der ECP, um. Der Patient wies eine Verschlechterung des Hautbefundes, der Blutbeteiligung (CD4+CD26–-Zellen: 8280/µl) sowie in der Ganzkörper-CT größenprogrediente Lymphknoten axillär und inguinal auf.




Daraufhin entschieden wir im interdisziplinären Tumorboard eine Therapie mit dem CCR-4-Antikörper Mogamulizumab einzuleiten. Im selbigen Monat erhielt der Patient die erste ambulante intravenöse Gabe von Mogamulizumab 1 mg/kg KG mit vorheriger Prämedikation von Clemastin 1×2 mg intravenös und Paracetamol 1g per os. Die Therapie wurde von dem Patienten gut vertragen, es traten keinerlei Nebenwirkungen auf. Die Anwendung erfolgte wöchentlich an den Tagen 1, 8, 15 und 22 des ersten 28-tägigen Zyklus und anschließend alle 2 Wochen an den Tagen 1 und 15 jedes nachfolgenden 28-tägigen Zyklus. Nach insgesamt 9 Gaben zeigte sich eine komplette Remission an der Haut, in den Lymphknoten und im Blut bei vollständigem Sistieren des Juckreizes. ([Abb. 1] c, [Abb. 1] d). Nach Erreichen einer kompletten Remission sowie zunehmender therapieassoziierter Lymphozytopenie (330/µl) entschieden wir uns für eine Therapiepause. Der Patient wurde im Anschluss alle 4 Wochen über unsere Tumorsprechstunde visitiert. Bis auf geringe Erytheme blieb der Hautbefund stabil, der Juckreiz nahm jedoch wieder deutlich zu, die Lymphknoten der Leistenregion ließen sich erneut vergrößert palpieren und schließlich kam es wieder zu einem signifikanten Auftreten von pathologischen Zellen im Blut (CD4+CD26–-Zellen: 375/µl). Nach einer für 7 Monate anhaltenden kompletten Remission leiteten wir bei progredienter Erkrankung und Normalisierung der Lymphozyten auf 780/µl Mogamulizumab alle 14 Tage ein. Bei partieller Remission und erneuter Lymphozytopenie (440/µl) streckten wir dieses zuletzt auf ein einmonatiges Intervall mit bis dato sehr gutem klinischem Ansprechen bei guter Verträglichkeit.
Mogamulizumab
Mogamulizumab (4 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung) ist indiziert zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit MF oder SS, die mindestens eine vorherige systemische Therapie erhalten haben. Es handelt sich um einen humanisierten, monoklonalen Antikörper mit einer defukosylierten Fc-Region. Defukosyliert beschreibt das Fehlen von Fukose-Zuckereinheiten in den Oligosacchariden der Fc-Region des Antikörpers, was in einer verstärkten Wirkung im Vergleich zu klassisch glykosierten Antikörpern resultiert. Der Antikörper bindet selektiv an den CC-Chemokin-Rezeptor 4 (CCR4) und inhibiert diesen [5]. Maligne T-Zellen exprimieren kontinuierlich das Protein CCR4, welches es ihnen in Verbindung mit seinen Liganden ermöglicht, vom Blut in die Haut zu wandern [6]. Dort entstehen dann lokale Immunreaktionen, die bei MF- oder SS-Patienten als Patches, Plaques oder Tumoren sichtbar werden.
Durch die Bindung von Mogamulizumab an CCR4 entwickelt sich eine antitumorale Aktivität, die über eine antikörperabhängige zelluläre Zytotoxizität vermittelt wird. Es kommt zur Aktivierung von natürlichen Killerzellen, die anschließend die Zerstörung der Tumorzelle verursachen [7].
Die empfohlene Dosis beträgt 1 mg pro kg Körpergewicht Mogamulizumab als intravenöse Infusion über mindestens 60 Minuten. Die Anwendung erfolgt wöchentlich an den Tagen 1, 8, 15 und 22 des ersten 28-tägigen Zyklus. Anschließend erfolgen die Infusionen alle 2 Wochen an den Tagen 1 und 15 jedes nachfolgenden 28-tägigen Zyklus bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder dem Auftreten inakzeptabler Toxizität [8].
Die Zulassung von Mogamulizumab basiert auf der internationalen, offenen, randomisierten, multizentrischen Phase-III-Studie MAVORIC an 372 Patienten (186 pro Arm) mit rezidivierter oder refraktärer MF oder SS. Die Patienten erhielten entweder Mogamulizumab oder den Histondeacetylase-Inhibitor Vorinostat, der in den USA zur Therapie des CTCL zugelassen ist. Patienten aus dem Vorinostat-Arm durften mit fortschreitender Erkrankung oder inakzeptablen Toxizitäten in den Mogamulizumab-Arm wechseln. Das progressionsfreie Überleben war als primärer Endpunkt definiert. Mit dem CCR4-Antikörper behandelte Patienten lebten im Durchschnitt 7,7 Monate ohne Progress, die Patienten der Vorinostat-Gruppe dagegen nur 3,1 Monate, was einer relativen Reduktion des Progressionsrisikos unter der Therapie mit Mogamulizumab von 47% entspricht. Die Gesamtansprechrate war mit 35,0% nach 3,3 Monaten fast 6-mal so hoch wie unter Vorinostat mit nur 6% nach 5,1 Monaten. Des Weiteren verbesserte Mogamulizumab signifikant die Lebensqualität.
Schwerwiegende Nebenwirkungen unter der Mogamulizumab-Therapie waren am häufigsten Fieber und Phlegmone. Als häufigste Nebenwirkungen traten Infusionsreaktionen und Hautausschlag auf, welche zumeist nicht schwerwiegend (Schweregrade 1 oder 2) waren [9].
Fall Nummer 2
Eine 60-jährige Patientin stellte sich mit einer seit ca. 3 Jahren bestehenden, symptomlosen Hautveränderung im Bereich der rechten Wade und erst kürzlich neu aufgetretenen, progredienten Hautveränderungen an beiden Beinen vor. Die Anamnese bezüglich Hauterkrankungen war bei der Patientin blande. Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung fand sich an der rechten Wade eine unscharf begrenzte, erythematöse Makula, welche zentral abgeblasst war, distal davon sowie unterhalb des linken Knies eine erythematöse Papel, rötliche Plaques und Knoten am linken Knie und linken Oberschenkel ([Abb. 4]). Die Histologie zeigte ein dichtes T-lymphozytäres Infiltrat der oberen Dermis mit deutlichem Epidermotropismus CD3+CD4+-Zellen. In der Durchflusszytometrie ergab sich mit 2,9 eine leicht erhöhte CD4/CD8-Ratio ohne Hinweis auf Sézary-Zellen. Eine Ganzkörper-CT war unauffällig. Nach klinisch-pathologischer Korrelation stellten wir die Diagnose einer MF im Stadium IIB (T3 N0 M0 B0) nach der aktuellen TNMB-Klassifikation [3].


Entsprechend der Empfehlungen unseres interdisziplinären Tumorboards wurden die zwei Therapiemöglichkeiten der niedrigdosierten Radiotherapie versus operative Sanierung ausführlich mit der Patientin besprochen. Sie entschied sich für Exzisionen am rechten Unterschenkel, linken Oberschenkel, linken Knie und oberhalb des linken Knies. An der rechten Wade behandelten wir mit einer Mometason-haltigen Creme. Im weiteren Verlauf exzidierten wir auf Wunsch der Patientin, die weiterhin eine Radiotherapie ablehnte, neu aufgetretene, größenprogrediente Läsionen am linken Unterarm und axillär rechts sowie ein Rezidiv im Bereich der OP-Narbe am linken Unterarm.
Die Läsion an der rechten Wade blieb über 3 Jahre relativ stabil bis es zu einem deutlichen Progress mit großflächigen, infiltrierenden, erythematösen Plaques kam, woraufhin die Patientin letztlich der von uns empfohlenen lokalen Radiotherapie zustimmte. Zwei Monate nach der ersten Bestrahlungsserie mit 2×4 Gy zeigte sich noch ein Restbefund, was mit einer zweiten Serie von 2×4 Gy erfolgreich behandelt wurde ([Abb. 5]).


Ein halbes Jahr später kam es zu einem Rezidiv an der rechten Wade, jedoch außerhalb des ehemaligen Bestrahlungsfeldes, was erneut mit 2 Bestrahlungsserien mit jeweils 2×4 Gy, insgesamt 16 Gy, therapiert wurde.
Ein Jahr nach der Bestrahlung zeigte sich erneut ein Rezidiv an der rechten Wade, jetzt jedoch innerhalb des Bestrahlungsfeldes. Die erneute Biopsie bestätigte die Diagnose einer MF mit deutlichem Epidermotropismus und monoklonaler T-Zell-Rezeptor-Genumlagerung identisch zum Klon aus der Biopsie von vor 5 Jahren.
Im Tumorboard entschieden wir uns für eine topische Therapie mit Chlormethinhydrochlorid 0,016% (160 ug/1 g)-Gel jeden 2. Tag im Wechsel mit einem Mometason-haltigen Externum. Nach einer 3-wöchigen Applikation des Chlormethinhydrochlorid-Gels zeigte sich bereits eine beginnende Remission mit Abblassung und Abflachung der vorbestehenden Plaques, sodass wir der Patientin eine tägliche Anwendung verordneten. Nach 2 Wochen täglicher Applikation stellt sie sich nun mit großflächigen, brennenden und juckenden Erythemen im Bereich der behandelten Stellen vor. Nach Pausierung des Chlormethinhydrochlorid-Gels und Verordnung eines Mometason-haltigen Externums 2×/Tag bildete sich das Erythem komplett zurück, sodass nach wenigen Wochen lediglich postinflammatorische Hyperpigmentierungen ohne Anhalt für eine MF-Infiltration zu erkennen waren ([Abb. 6]).


Chlormethinhydrochlorid-Gel
Chlormethinhydrochlorid 0,016% (160 ug/1 g)-Gel ist in Deutschland für die topische Behandlung der MF zugelassen. Das Zytostatikum Chlormethin (auch Mechlorethamin) gehört zur Wirkstoffgruppe der Alkylanzien. Bereits 1949 erlangte der Wirkstoff in den USA seine Zulassung zur topischen Behandlung der MF. In der aktuellen S2k-Leitlinie ist Chlormethinhydrochlorid-Gel im Stadium IA als First-Line-Therapie und in allen anderen Stadien als mögliche Kombinationstherapie aufgeführt. In einer Untersucher-verblindeten, prospektiven, randomisierten, kontrollierten Studie an 260 Patienten mit MF in den Stadien IA–IIA wurde topisches Mechlorethamin 0,02% Creme vs. Gel untersucht. Die Gel-Gruppe wies ein 46,9%iges Ansprechen nach mswat (Modified Severity-Weighted Assessment Tool), die Creme-Gruppe ein 46,2%iges Ansprechen auf. Mehr als 50% der Patienten in beiden Gruppen entwickelten hautrelevante Nebenwirkungen. Therapieabbrüche gab es aufgrund von Hautreizungen in 20,3% (Gel) bzw. 17,3% [11].
Die Phase-IV-PROVe-Studie an 41 US-Zentren und 301 Patienten unterstreicht die Häufigkeit einer erforderlichen Dosisanpassung unter der Therapie mit Mechlorethamin-Gel. Diese war in 63% notwendig, wovon 26% aus ärztlicher Sicht, 7% aufgrund einer kompletten Remission und 20% bei Auftreten von Nebenwirkungen notwendig waren. Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen gab es bei 9% der behandelten Patienten [12].
In einem aktuellen Expertenkonsensuspaper wird zur verbesserten Anwendung und Reduktion der Hautreizungen die alternierende Anwendung von Chlormethinhydrochlorid 0,016%-Gel und einem topischen Steroid empfohlen [13].
Fall Nummer 3
Wir berichten über eine 68-jährige Patientin, die sich mit einem seit ca. 3 Monaten wachsenden, schmerzhaften Knoten unterhalb des linken Ellenbogens bei uns vorstellte. Hauterkrankungen lägen bei ihr keine vor. Sie würde an einer arteriellen Hypertonie und einer Hypothyreose leiden. Klinisch war distal des linken Ellenbogens ein scharf begrenzter, zentral ulzerierter erythematöser Knoten zu sehen ([Abb. 7]). Die Histologie zeigte ein primär kutanes CD30+ anaplastisch großzelliges T-Zell-Lymphom. Ein Staging mittels Röntgen-Thorax und Sono-Abdomen sowie eine durchgeführte Lymphozytensubtypisierung waren ohne pathologischen Befund. Es folgte die R0-Exzision des Knotens am linken Ellenbogen und eine Deckung mittels Spalthauttransplantation.


Vier Monate später entstanden 3 neue Tumorknoten, 2 am linken Unterarm und einer am linken Oberarm. Erneut wurde eine operative Entfernung der Knoten sowie zusätzlich die Einleitung einer Systemtherapie mit low-dose Methotrexat (MTX) 20 mg/Woche per os durchgeführt. Bei Rezidiven wurde im Verlauf eine Radiotherapie im Bereich des linken Unterarms, linken Oberarms sowie der ehemaligen Tumorregion am linken Ellenbogen mit insgesamt 36 Gy (5×1,8 Gy/Wo) initiiert.
In den folgenden zwei Jahren kam es immer wieder zu einzelnen neu aufgetretenen Knoten im Bereich des rechten Beines sowie Rezidiven am linken Arm, die operative Entfernungen, lokale Radiotherapien und Re-Einleitungen von MTX zur Folge hatten. Schließlich wies die Patientin einen massiven Progress mit multiplen neuen Knoten an den oberen und unteren Extremitäten auf ([Abb. 8] a–c).


Im Rahmen der Bildgebung mittels MRT der linken Hand zeigte sich ein Lymphombefall entlang der Ossa metacarpalia III–V und eine Kompression der Strecksehne IV. Im durchgeführten Staging ergaben sich keine weiteren Tumorlokalisationen.
Nach Empfehlung unseres interdisziplinären Tumorboards leiteten wir eine Therapie mit Brentuximab vedotin ein. Erfreulicherweise konnten wir bereits nach 3 Zyklen Brentuximab vedotin 1,2 mg/kg alle 3 Wochen eine komplette Remission verzeichnen ([Abb. 8] d–f). Bis zum letzten Follow-up zeigte sich diese anhaltend.
Brentuximab vedotin
Bei Brentuximab vedotin handelt es sich um ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, bestehend aus einem monoklonalen Antikörper gegen humanes CD30-Antigen und dem Zytostatikum Monomethyl-Auristatin E. Seit 2012 ist diese Therapie für Hodgkin-Lymphome und systemische anaplastisch großzellige Lymphome, seit Ende 2017 auch für CD30+ kutane T-Zell-Lymphome nach einer erfolgten Systemtherapie zugelassen. Die internationale, offene, randomisierte, multizentrische Phase-III-ALCANZA-Studie mit insgesamt 131 Probanden konnte bei Patienten mit CD30+-MF oder primär kutanem anaplastisch großzelligem Lymphom in Bezug auf die objektive Ansprechrate von mindestens 4 Monaten, welche als primärer Endpunkt definiert war, für Brentuximab vedotin einen Unterschied von 44% im Vergleich zu low-dose Methotrexat oder Bexaroten aufzeigen. Aufgetretene Nebenwirkungen und Toxizitäten waren mit 67% am häufigsten die periphere Neuropathie. Bei 86% der betroffenen Patienten zeigte sich im Verlauf eine Verbesserung oder ein vollständiges Abklingen der Symptomatik. Andere beschriebene Nebenwirkungen waren u.a. Diarrhoen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Pyrexie [14]. Die finalen Daten dieser Studie ergaben bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 45,9 Monaten ein signifikant längeres Progressions-freies Überleben in der Brentuximab vedotin-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe (16,7 vs. 3,5 Monate) [15]. Neueste Daten des Deutschen Netzwerks für kutane Lymphome zeigen anhand retrospektiver Daten auch bei niedriger CD30+-Expression von ≤10% ein klinisches Ansprechen unter der Therapie mit Brentuximab vedotin. Eine komplette Remission konnte bei 16,1% (n=5/31) und eine partielle Remission bei 38,7% (n=12/35) der Patienten gesehen werden [16]. Brentuximab vedotin 1,8 mg/kgKG wird als 30-minütige intravenöse Infusion alle 3 Wochen verabreicht. Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz (Krea-Clearance <30 ml/min) sowie Leberinsuffizienz ist eine Dosierung von 1,2 mg/kgKG einzuhalten. Wenn sich während der Behandlung eine Neutropenie entwickelt, sollte die Gabe der nächsten Dosis entsprechend der Fachinformation verzögert werden.
Zusammenfassend zeigen die drei dargestellten Kasuistiken die neuen Therapieoptionen bei Patienten mit CTCL. Insbesondere stehen nun für das CTCL mit den Antikörpern Brentuximab und Mogamulizumab zielgerichtete Therapieoptionen zur Verfügung. Chlormethinhydrochlorid 0,016%-Gel eignet sich insbesondere zur Behandlung therapieresistenter Herde unter einer Systemtherapie sowie für einen begrenzten Hautbefall.
Interessenkonflikt
C. Pfitzer: Vortragshonorar: Kyowa Kirin. C.-D. Klemke: Vortragshonorare: BMS, Kyowa Kirin, Novartis, Recordati, Roche, Stemline, Takeda, TEVA, Therakos. Beratung: Actelion, BMS, Innate Pharma, Kyowa Kirin, MSD, Novartis, Recordati, Takeda, TEVA. Klinische Studien: 4SC AG, Novartis, Sciderm, Takeda, TEVA, Therakos, Topotarget.
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Literatur
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Publication History
Article published online:
09 December 2022
© 2022. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany
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