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DOI: 10.1055/a-1766-4937
1-malig Spinosad 0,9% hilft bei Skabies
Authors
Spinosad at 0,9% in the treatment of scabies: Efficacy results from 2 multicenter, randomized, double-blind, vehicle-controlled studies.
J Am Acad Dermatol 2022;
86: 97-103
DOI: 10.1016/jaad.2021.07.074
Mit etwa 200 Millionen Fällen jährlich ist die Prävalenz der Skabies sehr hoch. Die Entwicklung von Permethrin-Resistenzen versus fehlerhafter Anwendung wird diskutiert. Im April 2021 ließ die US-amerikanische FDA das bei Kopfläusen gut wirksame Spinosad 0,9% auf der Grundlage von 2 Studien für die Skabies zu. Die gepoolten Ergebnisse belegen die Effektivität in einem Real-World-Szenario.
Das Insektizid Spinosad führt zu einer Übererregung des Nervensystems der Milben und verändert die Funktion von nikotinergen und GABA-Ionenkanälen. Die Spinosine werden aus Actinobacterium Saccharopolyspora spinosa fermentiert. Spinosad wird in einer 0,9%-igen Suspension an Haaransatz, Stirn und Schläfen sowie auf den ganzen Körper vom Hals bis zu den Fußsohlen aufgebracht und hat eine Einwirkzeit von 10 Minuten. Baden und Duschen soll danach für 6 Stunden unterbleiben. Die 2 randomisierten Phase-3-Studien hatten ein vergleichbares Studiendesign. Indexpatienten waren die jeweils jüngsten erkrankten Familienmitglieder ≥4 Jahre. In einem doppelblinden Ansatz erhielten die Indexpatienten und bis zu 5 weitere Personen im Haushalt entweder 1-malig Spinosad 0,9% oder nur die Trägersubstanz (Placebo). An Tag 2 erfolgte eine Wiedervorstellung, an Tag 14 eine telefonische Rücksprache und an Tag 28 die abschließende Untersuchung. Endpunkte waren eine klinische und/oder mikroskopische Genesung nach 4 Wochen. Patienten mit verbliebenem Befall bekamen anschließend Permethrin.
Eine Randomisierung erfolgte bei 551 Personen. 296 erhielten Spinosad 0,9% und 255 Placebo. 96,2% der Teilnehmenden schlossen die Studie vollständig ab. Abbrüche waren nicht auf unerwünschte Ereignisse zurückzuführen. 206 überwiegend weiße und weibliche Indexpatienten waren durchschnittlich 39,28 Jahre alt. 105 bekamen Spinosad und 101 Placebo. 32,5% hatten bereits früher eine Skabies durchgemacht. Alle hatten nun einen aktiven Milbenbefall mit einem positivem dermoskopischen oder mikroskopischen Befund. 78,2% wiesen Parasitengänge auf und 99,5% beklagten Juckreiz. Im Mittel lagen initial 15,21 (11–49) Läsionen vor.
Spinosad 0,9% wies bei den Indexpatienten eine höhere Effektivität als Placebo auf und war gut verträglich:
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vollständige Heilung 78,1% vs. 39,6% (p<0,0001),
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klinische Genesung 79,6% vs. 41,2%,
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mikroskopische Genesung 85,9% vs. 52,6% und
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verbliebene Läsionen 4,1 vs. 14,8.
Jeweils 2 Personen berichteten über Bauch-, Rücken-, Kopf- und Halsschmerzen, Brennen, Husten und eine Gewichtsabnahme. Lediglich das Brennen und eine Hauttrockenheit wurden auf die Studiensubstanz zurückgeführt. Beides trat kurz nach der Anwendung auf.
Spinosad 0,9% war wirksam im Vergleich zu Placebo. Die Substanz kann bei Kindern und schwangeren Frauen eingesetzt werden. Die Effektivität in der Placebogruppe erklären die Autoren damit, dass sich die männlichen Milben typischerweise auf der Hautoberfläche befinden. Reiben und Kratzen reduzierte möglicherweise den Befall. Der Unterschied zur Verumgruppe sei aber signifikant und klinisch relevant.
Dr. med. Susanne Krome, Melle
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Publication History
Article published online:
19 May 2022
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