Akt Rheumatol 2019; 44(04): 224-226
DOI: 10.1055/a-0864-5158
Für Sie notiert
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Rheumatoide Arthritis: Kinderwunschbehandlung häufig erfolglos

Contributor(s):
Judith Lorenz
Nørgård BM. et al.
Decreased chance of a live born child in women with rheumatoid arthritis after assisted reproduction treatment: a nationwide cohort study.

Ann Rheum Dis 2019;
78(3): 328-334 doi: 10.1136/annrheumdis-2018–214619
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Publication History

Publication Date:
13 August 2019 (online)

 

Die Rheumatoide Arthritis stellt eine der häufigsten chronischen Erkrankungen von Frauen während der fertilen Lebensphase dar. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Betroffenen häufig Probleme haben, schwanger zu werden. Ob sie auch bei Inanspruchnahme reproduktionsmedizinischer Behandlungen im Vergleich zu gesunden Frauen geringere Konzeptionschancen haben, untersuchten dänische Forscher im Rahmen einer registerbasierten Kohortenstudie.


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Mithilfe verschiedener dänischer Gesundheitsregister identifizierten die Wissenschaftler 354 Frauen mit einer Rheumatoiden Arthritis, die zwischen 1994 und 2017 nach In-Vitro-Fertilisation (IVF) mit oder ohne intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) mind. einen Embryotransfer erhalten hatten. Insgesamt gingen 1149 Transfers in die Analyse ein. Das Vergleichskollektiv bildeten 66 913 gesunde Frauen, die 198 941 Embryotransfers erhalten hatten. Primärer Studienendpunkt war die Wahrscheinlichkeit für eine Lebendgeburt nach Embryotransfer. Ferner untersuchten die Forscher, wie häufig in den beiden Studienkollektiven biochemische (positiver βhCG-Wert) bzw. klinische (sonografischer Nachweis der Fruchtanlage) Schwangerschaften eintraten und prüften, inwiefern eine Kortikosteroidbehandlung der Rheumapatientinnen vor dem Embryotransfer die Chancen auf eine Lebendgeburt beeinflussten.

Ergebnisse

Bei Berücksichtigung potenzieller Confounder zeigte sich: Die Kinderwunschpatientinnen mit einer Rheumatoiden Arthritis brachten signifikant seltener ein Kind lebend zur Welt als die gesunden Kontrollen (adjustierte Odds Ratio 0,78; 95% KI 0,65–0,92). Ähnliches galt für die Wahrscheinlichkeit einer biochemischen Schwangerschaft (adjustierte Odds Ratio 0,81; 95% KI 0,68–0,95) sowie für die Wahrscheinlichkeit einer klinischen Schwangerschaft (adjustierte Odds Ratio 0,82; 95% KI 0,59–1,15). Eine Kortikosteroidbehandlung erhöhte dagegen die Chancen auf eine Lebendgeburt: Bei Rheumapatientinnen, die 3 Monate vor dem Embryotransfer Kortikosteroide verschrieben bekommen hatten, betrug die adjustierte Odds Ratio für eine Lebensgeburt im Vergleich zu den nicht mit Steroiden behandelten Rheumapatientinnen 1,32 (95% KI 0,85–2,05). Begrenzten die Forscher den Auswertungszeitraum auf einen Monat vor dem Embryotransfer, betrug die adjustierte Odds Ratio für eine Lebensgeburt sogar 1,83 (95% KI 1,07–2,37).

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Bei Frauen mit rheumatoider Arthritis führt eine Kinderwunschbehandlung häufig nicht zum Erfolg. Quelle: ©puhhha - stock.adobe.com
Fazit

Ähnlich wie Patientinnen mit anderen Autoimmunerkrankungen (z. B. M. Crohn), so das Fazit der Autoren, haben Frauen mit einer Rheumatoiden Arthritis bei Inanspruchnahme reproduktionsmedizinischer Technologien im Vergleich zu Gesunden deutlich schlechtere Chancen auf einen Behandlungserfolg. Dies liegt ihrer Einschätzung nach an einer gestörten Endometriumrezeptivität. Weitere Studien müssen diese Ergebnisse bestätigen und klären, ob bei einer Kortikosteroidtherapie die Implantationschancen steigen.

Dr. med. Judith Lorenz, Künzell


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Bei Frauen mit rheumatoider Arthritis führt eine Kinderwunschbehandlung häufig nicht zum Erfolg. Quelle: ©puhhha - stock.adobe.com