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Ätiologie, Diagnostik und Therapie von HITZEMUSTERN IN DER TCM
Martina Bögel
IN DER TCM finden sich Hitzemuster in vielen Funktionskreisen und Organen. Sie können in Form
von akuten oder chronischen Erkrankungen, also als äußeres und inneres Muster, auftreten
und in ihrem Ausmaß der pathologischen Wärme von Hitze bis zu Feuer variieren. Manifestationen
von Hitze zeigen sich diagnostisch insbesondere als Hitzegefühl, rotes Gesicht, rote
Zunge, überflutender, schneller Puls und psychische Unruhe. In Abhängigkeit von Fülle-
und Leere-Zuständen und dem beteiligten Organ können weitere klinische Zeichen auftreten.
Bestimmte Organe zeigen eine besondere Anfälligkeit für den pathogenen Faktor Hitze.
Hierzu gehören unter anderem die Leber, das Herz und die Lunge.
Innerhalb der Ba Gang – den diagnostischen Leitkriterien der TCM – bilden Hitze und
Kälte die zwei Gegensatzpartner. Hitze besitzt Yang-Charakter und erzeugt pathologische
Wärme und Trockenheit. Dies kann die Körperflüssigkeiten und das Yin schädigen. Generell
werden die Kategorien Leere-Hitze und Fülle- Hitze sowie Blut-Hitze und Stagnations-Hitze
unterschieden. Bei der Leere-Hitze handelt es sich um einen relativen Yin-Mangel.
Das Yang befindet sich relativ im Überschuss. Dadurch entstehen Hitzezeichen. Beispiele
hierfür sind Herz- und Nieren- Yin-Leere. Eine typische Leere-Hitze zeigt sich auch
bei vielen Frauen im Klimakterium.
Bei der Fülle-Hitze herrscht ein Überschuss an Yang vor. Sie kann sich auf der Basis
von Druck und Stress bilden. Die hierbei entstehende gestaute Energie kann sich über
die damit einhergehende Qi-Stagnation in Stagnations-Hitze verwandeln. Diese findet
sich oftmals im Funktionskreis der Leber. Bei der Entstehung von Blut-Hitze hat die
seelische Belastung einen Einfluss auf die Wärmeentwicklung des Blutes. Dies macht
sich in Form von Hypermenorrhö oder roten Hauteffloreszenzen bemerkbar. Eine weitere
Fülle-Hitze entsteht durch das Eindringen von pathogenen Faktoren, zum Beispiel bei
einer Erkältung.
Wind-Hitze-Zeichen: Halsschmerzen, Fieber, Kältescheu
Ein Beispiel für ein akutes Hitzemuster ist die Wind-Hitze [[2]], der grippale Infekt mit Fieber. Es handelt sich um eine äußere Fülle. Der pathogene
Faktor Wind-Hitze dringt hierbei in die Körperoberfläche ein und kämpft nach dem Vier-Schichten-
Modell des Wen Bing Lun (siehe Tabelle 2) mit dem Wei- (Abwehr-)Qi. Hierbei tritt
meist Fieber auf. Die Lunge ist in ihrer absenkenden Funktion und Verteilung der Flüssigkeiten
behindert. Sie kann somit weniger Luft-Qi aufnehmen und ableiten (übersetzt: Sauerstoff
dem Stoffwechsel nutzbar machen) und den Organismus (zum Beispiel die Schleimhäute)
nicht ausreichend mit klaren Flüssigkeiten befeuchten. Dies kann sich als Husten bemerkbar
machen. Die Zungenfarbe ist meist normal, wobei im Lungenareal leichte Rötungen auftreten
können. Eventuell ist ein dünner weißer oder bereits gelber Belag als Hitzezeichen
zu erkennen. Der Puls ist schnell und oberflächlich. Die Patienten entwickeln als
Leitsymptom Halsschmerzen mit Fieber und eine Abneigung gegen Kälte.
Funktioneller Aufbau einer chinesischen Rezeptur
In der Regel ist eine chinesische Rezeptur aus drei bis vier der folgenden funktionellen
Bestandteile aufgebaut [[5]], [[7]]:
-
Kaiserkraut: Es gilt als der wichtigste Bestandteil der Rezeptur und besitzt den größten
Teil der Wirkung.
-
Ministerkraut: Es unterstützt das Kaiserkraut in seiner Wirkung.
-
Polizeikraut, auch Helferkraut genannt: Es unterstützt das Kaiser- und Ministerkraut
in seiner Wirkung, vermindert die Toxizität dieser Kräuter und reduziert somit mögliche
Nebenwirkungen.
-
Botenkraut: Es leitet die Wirkung zu bestimmten Meridianen oder Körperregionen.
Die Polizei- und Botenkräuter sind nicht zwingend erforderlich und können daher gelegentlich
in den Rezepturen fehlen.
-
Hitzemuster stellen einen zentralen pathogenen Faktor in der Chinesischen Medizin
dar und finden sich bei diversen Erkrankungen, wie die Beispiele Infektionen, Stress
und Wechseljahresbeschwerden zeigen.
-
Für eine gezielte Behandlung muss der Therapeut unter anderem das betreffende Organ,
die Wandlungsphase (zum Beispiel Feuer), und die Schicht (nach dem Vier-Schichten-Modell)
identifizieren.
-
Abhängig davon, ob es sich um Leere- oder Füllezustände, äußere oder innere Muster
handelt, haben sich spezifische Akupunkturpunkte und Arzneirezepturen bewährt.
Akupunktur und chinesische Arzneimittel bei Wind-Hitze
Das Therapieprinzip liegt darin, die Oberfläche zu öffnen, um den pathogenen Faktor
Wind-Hitze zu vertreiben. Oftmals ist es auch erforderlich, die Lunge in ihrer Qi-Verteilungs-
und Absenkungsfunktion zu stärken und damit den Husten zu beenden. Als therapeutische
Methoden der TCM kommen insbesondere die Akupunktur und die chinesische Arzneimittellehre
infrage.
Zu den Akupunkturpunkten bei Wind-Hitze zählen (Auswahl) [[3]]:
-
Lu 11 (Shaoshang): vertreibt Wind-Hitze aus dem Lungenmeridian
-
Du 14 (Dazhui): vertreibt Wind und Wind-Hitze Di 4 (Hegu): vertreibt äußere pathogene
Faktoren wie Wind-Hitze
-
Lu 5 (Chize): kühlt Hitze (vertreibt Wind-Hitze) Lu 7 (Lieque): stärkt die Absenkungs-
und Verteilungsfunktion der Lunge, vertreibt Wind
-
SJ 5 (Waiguan): vertreibt äußere pathogene Faktoren, vor allem Wind-Hitze
-
GB 20 (Fengchi): vertreibt äußere pathogene Faktoren, lindert Kopfschmerzen und befreit
die Nase
-
Di 20 (Yingxiang): befreit die Nase
Bekannte chinesische Arzneimittel, die das Äußere von Wind- Hitze befreien, sind zum
Beispiel Bo He (Menthae haplocalycis herba), Sang Ye (Mori folium) und Ju Hua (Chrysanthemi
flos). Zu den gebräuchlichen Wind-Hitze-Rezepturen zählen [[4]], [[5]]:
-
Yin Qiao San (Lonicera-flos- und Forsythiae-fructus-Pulver), wenn Halsschmerzen vorherrschen.
Diese Rezeptur entlastet das Äußere mit scharfen und kalten Arzneien, klärt Hitze
und eliminiert Toxine. Klinisch wird sie zum Beispiel bei Erkältung, Influenza, Tonsillitis
und Parotitis eingesetzt.
-
Sang Yu Yin (Mori-folium- und Chrysanthemi-flos-Dekokt), wenn Husten vorherrscht.
Die Rezeptur vertreibt Wind, klärt Hitze, stimuliert die Lungenfunktion und stoppt
Husten. In der klinischen Anwendung kommt sie bei Erkältung, Influenza und akuter
Bronchitis zum Einsatz.
Tabelle 1
Wind-Hitze-Rezeptur mit westlichen Kräutern [[6]]
Name (botanisch)
|
Name (deutsch)
|
Anteil
|
Funktion
|
Wirkung
|
Menthae herba
|
Pfefferminze, Kraut
|
7 g
|
Kaiserkraut
|
scharf, thermisch kühlend, vertreibt äußere Windhitze, klärend im Augen- und Kopfbereich,
befreit blockiertes Leber-Qi, öffnet die Oberfläche
|
Tiliae flos
|
Lindenblüten
|
8 g
|
Kaiserkraut
|
scharf, thermisch kühlend, vertreibt äußere Windhitze, fiebersenkend, Geist beruhigend,
wirkt der Schleim-Hitze in der Lunge entgegen
|
Chrysanthemi flos
|
Chrysanthemenblüten
|
6 g
|
Ministerkraut
|
vertreibt Wind-Hitze, klärend im Augenbereich, wirkt aufsteigendem Leber-Yang entgegen
|
Echinaceae radix
|
Sonnenhut, Wurzel
|
4 g
|
Ministerkraut
|
scharf, salzig, thermisch kühlend
|
Plantaginis folium
|
Spitzwegerich, Blätter
|
2 g
|
Ministerkraut
|
Bezug zur Lunge, entschleimt die Lunge, löst Blutstagnation auf, kühlt Hitze im Bereich
der Blutschicht
|
Pulmonariae herba
|
Lungenkraut
|
3 g
|
Polizeikraut
|
Bezug zur Lunge, wirkt schweißtreibend, aber nährt das Yin und sorgt somit dafür,
dass die Körpersäfte nicht zu sehr geschädigt werden
|
Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, westliche Kräuter nach TCM-Prinzipien
gegen äußere Wind-Hitze zusammenzustellen (siehe Tabelle 1). Diese Rezepturen eignen
sich auch gut zum Einsatz bei Kindern.
Manchen Patienten ist nicht bewusst, dass sie bei einem Anflug eines grippalen Infekts
(Wind-Hitze) möglichst frühzeitig eine chinesische Arzneimittelrezeptur benötigen,
um den pathogenen Faktor schnell auszuleiten und die Symptomatik einzudämmen. Für
den Therapeuten kann es daher sinnvoll sein, vor Auftreten einer Infektion auf diesen
Sachverhalt hinzuweisen, damit die Patienten sich bereits bei den ersten Anzeichen
in der Praxis melden.
Von der Oberfläche in die Tiefe: das Vier-Schichten-Modell
Beim Wen Bing Lun oder Vier-Schichten-Modell (siehe Tabelle 2) handelt es sich um
eine berühmte historische Abhandlung zum Thema Wärmeerkrankungen. Sie entwickelte
sich in der Qing-Dynastie (1644–1900). Das Modell beschreibt den Verlauf von epidemischen
febrilen Erkrankungen, die von der Oberfläche in die Tiefe eindringen und sich damit
von leichten zu schweren Stadien entwickeln (siehe Tabelle 2). Die Ursachen liegen
in äußeren pathogenen Faktoren (PF) mit Wärme- beziehungsweise Hitze-Eigenschaften.
Sie gelangen entweder durch Mund und Nase (zum Beispiel Wind-Hitze) oder durch Haut
und Muskulatur (zum Beispiel Sommer-Hitze) in den Körper. Typisch hierfür sind der
plötzliche Beginn und die vorherrschenden Hitzesymptome. Im Verlauf werden leicht
die Körpersäfte und das Blut geschädigt, da der pathogene Faktor immer tiefer in die
Schichten dringt. Das Therapieprinzip besteht darin, ihn wieder nach außen zu leiten.
Hitze und westlicher Lebensstil
Bestimmte Hitzeerkrankungen entwickeln sich bevorzugt in Zusammenhang mit westlichem
Lebensstil, der mit Überfluss, Reizüberflutung und unausgewogener Work-Life-Balance
einhergeht. Sie werden in der Regel von Fülle-Syndromen verursacht. Auffällig ist
die häufige Beteiligung des Zang „Leber“. Nach dem Modell der Wandlungsphasen besteht
hier das Risiko, dass Holz (Funktionskreis Leber und Gallenblase) die Erde angreift
(Funktionskreis Milz und Magen). Als Folge davon können zum Beispiel Magenbeschwerden
oder Reflux auftreten.
Hitze-Fülle-Syndrom durch Stress: Stagnierendes Leber-Qi
An der Ätiologie der Leber-Qi-Stagnation (siebe Abb. 1) ist häufig emotionaler Stress,
zum Beispiel Depression, beteiligt.
Nach den Ba Gang handelt es sich um ein Innen-Fülle-Syndrom. Dieses entwickelt sich
oftmals über Jahre und zeigt eher einen chronischen Verlauf, vor allem bei unverändertem
Stressverhalten. Die Patienten sind oftmals reizbar, zeigen Stimmungsschwankungen,
Zornausbrüche und Hitzegefühle. Das Gesicht ist oft deutlich gerötet. Es können Spannungsgefühle
im Hypochondrium (Bauchregion beidseitig des Epigastriums) auftreten. Die Zunge ist
meist normal oder zeigt gerötete Zungenränder, der Puls ist saitenförmig und gegebenenfalls
schnell. Aus der Leber-Qi-Stagnation kann sich Hitze (Leber- Feuer) oder aufsteigendes
Leber-Yang entwickeln. Typische Symptome hierbei sind Kopfschmerzen, Migräne und Schlafstörungen.
Tabelle 2
Das Vier-Schichten-Modell
Schicht (von außen nach innen)
|
Krankheitsprinzip
|
Symptome
|
Zunge
|
Puls
|
Therapieprinzip
|
Wei-(Abwehr)-Schicht
|
überwiegend Fülle-Erkrankungen, zu Beginn einer Erkrankung. Da die äußere Schicht
betroffen ist, sind die zerstreuende Funktion des Ab- wehr-Qi und die absenkende Funktion
des Lungen-Qi beeinträchtigt.
|
Fieber, leichte Kälteaversion, kein oder leichtes Schwitzen, etwas Durst
|
dünner, weißer Belag, rote Zungenspitze
|
beschleunigt, oberflächlich
|
Oberfläche befreien, hierzu kühle, scharfe Kräuter verwenden
|
Qi-Schicht
|
überwiegend Fülle-Erkrankungen, bei geschwächtem Zheng-Qi (aufrechtes-Qi = Widerstandskraft)
oder Xie-Qi (schrägläufiges = schlechtes Qi). Kampf von Zheng-Qi und Xie-Qi führt
zu hohem Fieber (oft nach einer nicht ausgeheilten Erkrankung in der Wei-Schicht).
Häufig betroffene Funktionskreise: Lunge, Dickdarm, Milz, Magen, San Jiao.
|
hohes Fieber (Hitzeaversion), Schwitzen, Durst auf kalte Getränke
|
gelber, trockener Zungenbelag
|
voll, groß, schlüpfrig
|
Hitze im Qi-Stadium klären
|
Ying-(Nähr-)Schicht
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überwiegend Leere-Erkrankungen mit Schädigung der Säfte und Bewusstseinseintrübung
|
ansteigendes Fieber gegen Abend, trockener Mund, kaum Durst, Schlaflosigkeit, Unruhe,
gege-benenfalls Delirium, Ausschläge
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scharlachrot
|
dünn, fein, beschleunigt
|
Klärung der Hitze aus der YingSchicht (in die Qi-Schicht leiten)
|
Xue-(Blut-)Schicht
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überwiegend Mangelerkrankungen mit Erschöpfung des Blutes und gestörtem Blutfluss.
Starke Hitze drängt das Blut aus den Gefäßen, gestörter Blutfluss und Hitze fördern
Schleimbildung.
|
Blutungen aus den Körperöffnungen, Haut-ausschläge, Unruhe, Delirium, Koma
|
tiefrot
|
rau, schnell
|
Kühlen und Beleben des Blutes, Hitze zurück und nach außen leiten
|
Das Therapieprinzip besteht darin, das Qi zu bewegen, die Leber zu besänftigen und
die Hitze zu klären. Die Betroffenen sollten den übermäßigen Genuss von energetisch
heißer Nahrung vermeiden. Denn ein heißes Temperaturverhalten stärkt das Yang noch
und treibt das Qi nach oben. Heiße Lebensmittel, die reduziert werden sollten, sind
zum Beispiel Pfeffer, Chili, trockener Ingwer, Lamm und Alkohol.
Zu den bevorzugten Akupunkturpunkten zählen:
-
Le 14 (Qimen): stärkt die Leber, reguliert das Leber-Qi, bei Spannungsgefühl im Hypochondrium
-
Pe 6 (Neiguan): reguliert das Leber-Qi, insbesondere bei psychischen Problemen, entspannt
den Thorax
-
GB 34 (Yanglingquan): stärkt die Leber, fördert den Qi-Fluss
-
Le 3 (Taichong): befreit die Leber, entfernt Stauung aus der Leber
-
GB 14 (Yangbai): befreit den Kopf
Zu den chinesischen Arzneien, die Leber-Qi-Stagnation lösen, gehören zum Beispiel
Chai Hu (Bupleuri radix), Chuan Lian Zi (Toosendan fructus) und Xiang Fu (Cyperi radix).
Eine bekannte Rezeptur ist Xiao Yao San (Bupleuri radix, Angelicae sinensis radix,
Paeoniae radix alba, Atractylodis macrocephalae, Poria, Glycyrrhizae radix et rhizoma).
Sie ist besonders geeignet, wenn die Leber die Milz attackiert.
Qi Gong kann zudem dazu beitragen, das Qi in den Fluss zu bringen und Verspannungen
abzubauen. Viele Patienten reagieren auch positiv auf Tuina (chinesische Heilmassage):
Denn oftmals liegen massive Verspannungen im Kiefer- und Nackenbereich vor, die durch
die Massage gelöst werden können.
Klimakterische Beschwerden aus Sicht der TCM
Während der Wechseljahre durchläuft die Frau einen natürlichen hormonellen Umstellungsprozess
mit Abfall der Östrogenproduktion. Aus chinesischer Sicht versiegt in dieser Phase
das Himmelswasser (Tian Gui, Menstruation) [[6]]. Damit verliert die Frau die Möglichkeit der Ausleitung über den monatlichen Blutfluss.
Allerdings muss sie nun auch nicht mehr den entsprechenden Blutverlust in Kauf nehmen.
Nach der Chinesischen Medizin stehen ihr nun neue Energiereserven zur Verfügung, die
sie für sich nutzen kann. Die hormonelle Umstellung kann allerdings mit bestimmten
Symptomen einhergehen, von denen sich die Frau beeinträchtigt fühlt. Hierzu gehören
unter anderem Gewichtszunahme, Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Reizbarkeit, Libidoverlust
und Stimmungsschwankungen. Auch Haarausfall, Osteoporose und Bluthochdruck treten
gehäuft auf.
Beispiel Hitze durch Leber-Qi-Stagnation: Frustration als Schlüsselfaktor
Im Sinne der Chinesischen Medizin stehen die Symptome mit dem pathogenen Faktor Hitze
in Verbindung, insbesondere der Leber-Qi-Stagnation mit Hitze. Emotionale Grundlage
dieses Musters ist häufig Frustration oder Enttäuschung über den Verlauf des Lebens
sowie nicht genutzte Möglichkeiten gepaart mit der Wahrnehmung, nicht mehr so belastbar
wie früher zu sein. Das blockierte Leber-Qi erschwert aber eine Weiterentwicklung
auf mentaler, emotionaler oder körperlicher Ebene und verstärkt damit die Symptomatik.
Dies äußert sich in häufigen und starken Hitzewallungen tagsüber mit kalten Händen
und Füßen, Stimmungsschwankungen, Blähungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Verdauungsproblemen,
auch einem Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung. Die Zunge hat meist eine normale
Farbe und gerollte Ränder, die gerötet sein können. Der Puls ist gespannt bis drahtig.
Betroffene Frauen sollten scharfe und zu fettige Nahrungsmittel vermeiden, sich ausreichend
bewegen und einen ausgeglichenen Lebensstil pflegen.
Zu den bewährten Akupunkturpunkten zählen:
-
He 6 (Yinxi): klärt Hitze im Herz, beruhigt den Geist
-
Pe 7 (Daling): klärt Hitze im Herz, beruhigt den Geist, harmonisiert Magen und Darm
-
Ni 7 (Fuliu): reguliert Schwitzen, befreit die Wasserwege
-
Le 2 (Xingjian): klärt Hitze, verteilt das Leber-Qi
-
Gb41 (Zuling qi): verteilt das Leber-Qi, klärt Hitze
Im Rahmen der Arzneimitteltherapie [[8]] eignet sich die Rezeptur Jia Wei Xiao Yao San beziehungsweise Erweitertes Umherstreifen-Pulver
(Atractylodis macrocephalae rhizoma, Bupleuri radix, Angelicae sinensis radix, Poriae
cocos sclerotium, Zingiberis recens rhizoma, Moutan radix/cortex, Gardeniae fructus,
Menthae herba, Glycyrrhizae radix). Sie besänftigt die Leber, behebt die Qi- Stagnation,
stärkt die Milz, nährt das Blut und sediert Hitze und Feuer.
Abb. 1 Entwicklung von Leber-Syndromen. Aus der Leber-Qi-Stagnation kann sich außer
dem aufsteigenden Leber-Yang auch ein Leber-Feuer entwickeln (starkes Hitze-Syndrom).
Es äußert sich besonders durch klinische Symptome, die den Kopf betreffen, da Feuer
einen Yang-Charakter aufweist und aufsteigt. Kennzeichnend sind psychische Unruhe,
Erregtheit und Schlaflosigkeit sowie rote, schmerzende und / oder geschwollene Augen.
Beispiel Leber- und Herz-Blut-Mangel mit leerer Hitze
Als weiteres Hitzemuster in den Wechseljahren kann Leberund Herz-Blut-Mangel mit leerer
Hitze auftreten. Es handelt sich meist um schlanke Frauen, die sportlich aktiv sind
und sich leicht kräftemäßig überfordern. Häufig kommt erschwerend eine unausgewogene,
unzureichende Ernährung hinzu. Hieraus resultiert ein Blutmangel, der sich verstärkt
in der Menopause bemerkbar macht. Es ist wichtig, einen angemessenen Ernährungsplan
zu entwickeln und das Leber- und Herzblut wieder aufzubauen. Meist liegt ein langer,
schmaler Zungenkörper vor. Der Puls ist schwach.
Bevorzugte Akupunkturpunkte:
-
Ma 36 (Susanli): tonisiert und stärkt die Mitte (Milz und Magen), tonisiert das Qi
und nährt das Blut, klärt Feuer und beruhigt den Geist
-
Pe 6 (Neiguan): klärt Feuer und Hitze, harmonisiert den Magen
-
Le 8 (Ququan): nährt das Leber-Blut, belebt das Blut
-
Di 10 (Shusanli): reguliert Qi und Blut, harmonisiert Magen und Darm
Für die Arzneimitteltherapie eignet sich die Rezeptur Suan Zao Ren Tang (Ziziphi-spinosae-Samen-Dekokt).
Sie nährt das Blut, besänftigt den Geist, klärt Hitze, beseitigt Reizbarkeit und wird
beim Menopausensyndrom empfohlen.
Beispiel Disharmonie von Niere und Herz
Bei Disharmonie von Niere und Herz leiden die Patientinnen vor allem unter nächtlichen
Symptomen wie Palpitationen, innerer Unruhe, Ängstlichkeit und Schweißausbrüchen.
Die Ursache liegt im „schwachen“ Wasser. Dieses vermag das Feuer des Herzens nicht
zu kühlen. Durch das nächtliche Schwitzen droht ein Yin-Verlust. Häufig treten trockene
Stühle auf. Die Zunge zeigt einen roten Zungenkörper, oftmals mit geröteter Zungenspitze.
Der Puls ist schnell, oberflächlich und leer oder rau. Therapieprinzip ist es, das
Yin zu nähren, den Geist zu beruhigen und die leere Hitze zu beseitigen.
Zu den wichtigen Akupunkturpunkten zählen:
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He 6 (Yinxi): stärkt das Herz-Yin und Blut, klärt Hitze im Herz, beruhigt den Geist
-
He 7 (Shenmen): reguliert und tonisiert das Herz, beruhigt den Geist
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Ni 6 (Zahohai): nährt die Nieren, beruhigt den Geist
-
Ni 7 (Fuliu): stärkt die Nieren, reguliert Schwitzen Ni 8 (Jiaoxin): klärt Hitze
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Pe 7 (Daling): beruhigt den Geist, klärt Hitze aus dem Herz, bewahrt das Yin, stärkt
Herzblut, beruhigt den Geist
Für die Arzneimitteltherapie eignet sich Chai Hu Jia Long Gu Mu Li Tang, eine Rezeptur
aus dem Shang Han Lun [[8]]. Sie stellt die Kommunikation zwischen Herz und Niere wieder her und kommt bei
Erschöpfung, Reizbarkeit und Palpitationen (besonders nachts) zur Anwendung.
Einschätzung als Chance oder Bedrohung?
In der Menopause scheint die Einstellung zu dieser physiologischen Umstellung des
Hormonhaushalts und Stoffwechsels eine besondere Rolle zu spielen: In der Regel zeigen
Frauen, die diese Lebensphase als natürlich oder als Chance für einen neuen Lebensabschnitt
ansehen, eine deutlich geringere Symptomatik.
Somit bietet die TCM individuell zugeschnittene therapeutische Lösungen für Patienten
mit Hitzemustern unter Einsatz verschiedener methodischer Möglichkeiten wie Ernährung,
Akupunktur, Arzneimittel, Tuina und Qi Gong.
Abb. 2 Gestörtes Yin-Yang-Gleichgewicht. Bei der Leere-Hitze, die in den Wechseljahren
auftreten kann, befindet sich das Yang im Normbereich, während das Yin geschädigt
beziehungsweise reduziert ist. Das Yang wird durch das Yin nicht mehr ausreichend
gehalten. Es kommt zum Beispiel zu Hitzewallungen, Unruhe und schlechtem Schlaf.
Dieser Artikel ist online zu finden:
http://dx.doi.org/10.1055/a-0861-3457