Zusammenfassung
Molsidomin bewirkt wie Vasodilatatoren aus der Nitratreihe eine Verminderung der Vorbelastung
des Herzens durch eine Erweiterung der venösen Kapazitätsgefäße. Dadurch wird das
Verhältnis von Sauerstoffangebot zu Sauerstoffverbrauch verbessert. Die Angina-pectoris-Anfälle
werden seltener, und die Belastbarkeit der Patienten nimmt zu. Bei zehn Patienten
mit koronarer Herzkrankheit wurden vor und 45 Minuten nach intravenöser Injektion
von 4 mg Molsidomin die Druck-, Kontraktilitäts-, Volumen- sowie die Arbeits- und
Leistungsparameter des linken Ventrikels über ein Computersystem mit Hilfe der Videometrie
ausgewertet. Es zeigte sich, daß neben der bekannten Abnahme des linksventrikulären
systolischen und enddiastolischen Druckes und der linksventrikulären Volumina die
Wandspannung, die systolische Arbeit und die Leistung sowie die Arbeit und die Leistung
pro Gramm Muskelmasse um 20 bis 30 % abnahmen. Infolgedessen verminderte sich der
Sauerstoffverbrauch und verbesserte sich die energetische Bilanz des Herzens um den
gleichen Betrag. Molsidomin hat den gleichen Angriffspunkt wie die Nitropräparate.
Die hämodynamische Wirkung ist in entsprechender Dosis auch quantitativ gleich. Sie
tritt lediglich etwas später ein, hält dafür aber wahrscheinlich etwas länger an.
Eine Kombinationsbehandlung der chronischen Angina pectoris mit Nitrokörpern und Molsidomin
sollte wegen der Ähnlichkeit ihrer Wirkung zugunsten einer genügend hohen Dosierung
einer der Substanzen oder einer Kombination mit anderen Stoffgruppen wie β-Rezeptorenblockern
oder Calciumantagonisten zurückgestellt werden.
Abstract
Like vasodilators of the nitrate group, molsidomine decreases the pre-load of the
heart by dilating the venous capacity vessels. As a result, the relationship between
oxygen supply and demand is improved. Attacks of angina become less frequent and the
patient's exercise tolerance increases. In ten patients with coronary heart disease
left ventricular pressure, contractility, volume, work and work performance (maximal
and minimal) were measured by a computer system with videometry before and 45 minutes
after intravenous injection of 4 mg molsidomine. In addition to the known decrease
in left ventricular systolic and end-diastolic pressures and left ventricular volume
there occurred a decrease in wall tension, systolic work and performance as well as
work and performance per gram muscle mass by 20-30 %. As a result, oxygen consumption
was decreased and the energy balance of the heart improved by the same amount. Molsidomine
acts in a similar way to nitrate preparations. The haemodynamic effect in corresponding
doses is quantitatively similar. It merely has its onset later, but probably also
lasts somewhat longer. Rather than use nitrate preparations and molsidomine in combination
in the treatment of chronic angina, a sufficiently high dosage of one substance or
in combination with other cardioactive drugs such as beta-receptor blockers or calcium
antagonists should be used.