Klin Monbl Augenheilkd 2008; 225(8): 731-734
DOI: 10.1055/s-2008-1027477
Kasuistik

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ungewöhnliche Kopfzwangshaltung bei Brown-Syndrom

Abnormal Head Turn in a Patient with Brown’s SyndromeM. van Waveren1 , T. Krzizok2 , D. Besch1
  • 1Sektion für Motilitätsstörungen, periokuläre Chirurgie und Kinderophthalmologie, Universitäts-Augenklinik Tübingen
  • 2Augenpraxisklinik, Esslingen
Further Information

Publication History

Eingegangen: 21.12.2007

Angenommen: 7.3.2008

Publication Date:
19 August 2008 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Wir berichten über einen 8-jährigen Jungen, der uns wegen Kopfzwangshaltung vorgestellt wurde. In diesem Fall war und ist die Ursache der Kopfzwangshaltung (okulär oder allgemein) nicht eindeutig zu erklären. Nur mithilfe eines ausführlichen Prismentrageversuches konnte der okuläre Charakter der Kopfzwangshaltung nachgewiesen werden. Kasuistik: Ein achtjähriger Junge stellte sich wegen einer Kopflinksneigung bei bekanntem Brown-Syndrom vor. Eine Augenmuskeloperation in Form einer M. obl. superior Rücklagerung am rechten Auge war extern sechs Monate zuvor durchgeführt worden. Eine Besserung der Linksneigung war anamnestisch zu keiner Zeit postoperativ zu beobachten. Zusätzlich manifestierte sich postoperativ eine intermittierende Exotropie. Unter der 3-tägigen diagnostischen Okklusion wurde die Kopfhaltung nicht aufgegeben und auch die Schielwinkel zeigten keine okuläre Ursache der Kopfzwangshaltung. Eine weiterführende Abklärung des Torticollis beim Orthopäden und Kinderarzt war unauffällig. Unter einem Prismenausgleich von 20 cm/m Basis innen und 10 cm/m Basis gegen die positive Vertikaldeviation wurde jedoch die Kopflinksneigung aufgegeben, sodass ein zweiter Eingriff durchgeführt wurde. Postoperativ wurde bis zur Verlaufskontrolle (nach 1 Jahr) keine Kopflinksneigung eingenommen. Schlussfolgerung: Obwohl der Befund anfänglich eine okuläre Ursache der Kopflinksneigung ausschloss, konnte doch mithilfe des Prismentrageversuchs eine Besserung der Kopfzwangshaltung erreicht werden. Dieses Beispiel zeigt, dass ein mehrtägiger Prismentrageversuch (ambulant oder stationär) sinnvoll sein kann, um eine okuläre Ursache einer Kopfzwangshaltung nachzuweisen und die korrekte Operationsindikation festzulegen.

Abstract

Background: We report on an eight-year-old boy, who was presented in our clinic because of head turn. The cause of the tortecollis (ocular or general) in this case was and still cannot be explained. Only by applying extensive prism adaptation tests it was possible to prove the ocular character of the head turn. Case Report: An eight-year-old boy with Brown’s syndrome was referred to us because of a head tilt to the left side. Six months previously surgery on the M. obl. superior of the right eye was perfomed in another clinic. No improvement of the head tilt could be observed after the operation. In addition, an exotropia became decompensated. Under a 3-day occlusion of one eye, no change of the head turn and the squint could be measured. No other cause of the head turn could be found by an orthopaedist and a paediatrist. Under a prism of 20 cm/m basis in and 10 cm/m basis against the positive vertical deviation, the head tilt decreased, so that we decided to do a second surgery. The head tilting had not resumed at one year after the surgery. Conclusions: Although the initial diagnostic findings ruled out an ocular cause, it was possible to lessen the head tilting with the aid of the prism adaptation test. This case study emphasises the usefulness of a prism adaptation test of several days duration in order to validate an ocular cause of head turn and to determine an adequate indication for surgery.

Literatur

Dr. Dorothea Besch

Sektion für Motilitätsstörungen, periokuläre Chirurgie und Kinderophtalmologie, Universitäts-Augenklinik

Schleichstr. 12

72076 Tübingen

Phone: ++ 49/70 71/2 98 37 49

Fax: ++ 49/70 71/29 37 49

Email: [email protected]