Ultraschall in Med 2007; 28 - P_1_13
DOI: 10.1055/s-2007-988890

Die Nebenmilz – eine Nebensache?

A Jung 1, I Schade 1, D Nürnberg 1
  • 1Ruppiner Kliniken GmbH, Medizinische Klinik B, Neuruppin, Germany

Einleitung: Nebenmilzen stellen eine Heterotopie von Milzgewebe im Abdominalraum dar und werden in bis zu 15% der Patienten meist als Zufallsbefund gefunden. Sollten diese bei der Untersuchung Beachtung finden oder kann man sie bei der Befundung vernachlässigen? In welcher Situation ist eine Nebenmilz von Bedeutung für den Patienten und wann stellt sie tatsächlich lediglich eine „Nebensache“ dar.

Methodik: An diversen Beispielen wird das sonographische Bild der Nebenmilz demonstriert. Typischerweise wird sie perilienal meist im Hilusbereich oder am caudalen Pol als ca. 2–3cm große glattkonturierte der Milz isoechogene Raumforderung beschrieben. Weitere Lokalisationen können sein: die Umgebung des oberer Nierenpols, des Pankreasschwanzes, das Lig. colicolienale, das Lig. gastrocolicum oder das Mesocolon transversum.

Ergebnisse: Relativ häufig (bis 10%) kommen mehrere Nebenmilzen (2–4) vor. Entsprechende Fälle werden demonstriert. Die milzfernen Nebenmilzen entgehen normalerweise der sonografischen Darstellung und sind bei therapeutischer Relevanz nur szintigrafisch zu orten. Besondere Bedeutung haben die Beschreibung und Ortung der zusätzlichen Milzen bei Patienten mit hämatologischen, onkologischen oder anderen systemischen Grunderkrankungen (z.B. Immunthrombozytopenie, immunthrombozytopenischer Purpura, Sphärozytose, Lymphogranulomatose, Lymphosarkom, Milzneoplasien) sowie bei Patienten nach Splenektomie (kompensatorische Hypertrophie). Differentialdiagnostisch sind Nebennieren- oder Nierenraumforderungen, Pankreasschwanztumoren, Metastasen und Lymphknoten abzugrenzen. Die Möglichkeit der weiteren Abklärung besteht im Einsatz der Szintigraphie aber auch der Kontrastmittelsonographie.

Schlussfolgerung: Die Dokumentation von Nebenmilzen im Rahmen der Diagnostik und bei Verlaufskontrollen hat einen klinischen Stellenwert. Von Relevanz sind verbleibende Nebenmilzen z.B. nach notwendiger Splenektomie bei hämatologischen bzw. autohämolytischen Erkrankungen. Eine spätere zweite Splenektomie kann erforderlich werden. Insofern ist eine exakte Dokumentation und Suche im Vorfeld zu fordern.