Ultraschall in Med 2007; 28 - V_1_25
DOI: 10.1055/s-2007-988864

Transkapsuläre Kollateralen bei Stenose oder Verschluss der Pfortader – Diagnostik und Besonderheiten im hochauflösenden Ultraschall

M Seeger 1, UR Fölsch 1
  • 1Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für allgemeine Innere Medizin, Sonographie, Kiel, Germany

Einleitung: Ein Pfortaderverschluss durch Thrombose oder mechanische Verlegung der Pfortader ist eine schwerwiegende Komplikation nach Pankreatitiden oder operativen Eingriffen an Pankreas und Leber. Die dabei entstehenden Verwachsungen zwischen Leberkapsel und Mesenterium können Keimzelle für die Entstehung transkapsulärer Kollateralen sein.

Ziele: Die Häufigkeit und Besonderheiten dieses Kollateralsystems sollten an einem selektierten Patientengut analysiert werden.

Methodik: Zehn Patienten mit Pfortaderverschluss nach Pankreatitis, Pankreasresektion oder nach Lebertransplantation wurden auf das Auftreten von transkapsulären Kollateralen untersucht. Der Unterrand der Leber und insbesondere Verwachsungszonen zwischen Leber und Mesenterium wurden im Grauwertbild, im Farbduplex und im Spektraldoppler dargestellt. Die Untersuchungen wurden mit einer Logiq 7 von GE durchgeführt.

Ergebnis: Bei 7 von 10 Patienten waren transkapsuläre Kollateralen nachweisbar. Typischer Befund war in allen Fällen eine echoarme Leberstruktur im Eintrittsareal der Kollateralen, ein auf die Leber gerichteter Blutfluss und eine Flussumkehr in den drainierenden Pfortaderästen. Bei zwei Patienten erfolgte die portalvenöse Versorgung der Leber ausschließlich über transkapsuläre Kollateralen. Bei zwei Patienten waren in Nachbarschaft der Verwachsungen Varizen im Dünndarm nachweisbar; beide Patienten hatten zuvor GI-Blutungen erlitten, die nicht lokalisiert werden konnten.

Schlussfolgerung: Transkapsuläre Kollateralen sind ein spezielles, bisher wenig beachtetes Kollateralsystem bei Pfortaderverschluss oder Pfortaderstenosen. Sie bilden sich vor allem nach Operationen oder Pankreatitiden an Verwachsungen zwischen Mesenterium und Leberkapsel und sind bei gezielter Untersuchungstechnik im Ultraschall häufig nachweisbar. Die Kenntnis dieser Kollateralen ist für die Beurteilung der Leberperfusion nach Pfortaderverschluss von Bedeutung. Die begleitenden Leberstrukturveränderungen können mit Leberstrukturdefekten verwechselt werden.