Ultraschall in Med 2007; 28 - V_1_14
DOI: 10.1055/s-2007-988853

Komplikationsrate sonographisch gesteuerter Punktionen/Interventionen in der Gastroenterologie – Verlaufsbeobachtung über 5 Jahre

M Frieser 1, A Lindner 1, S Meyer 1, M Westerteicher 1, EG Hahn 1, D Strobel 1
  • 1Department of Medicine I, University Erlangen-Nuremberg, Erlangen, Germany

Einleitung: Im Rahmen einer internen Qualitätssicherung wurden 1913 sonographisch gesteuerte Interventionen analysiert, um deren Komplikationsraten zu erfassen.

Methodik: Von den Interventionen wurden Indikationen, Komplikationen (Hb-relevante Blutungen=>2g/dl Hb-Abfall, Notwendigkeit zur Transfusion oder chirurgischen Intervention) und die histologischen Ergebnisse erfasst. Außerdem fanden eine postinterventionelle Blutungen begünstigende Erkrankung oder Vormedikation Eingang in die Analyse. Es wurden Parenchym, Raumforderungen und Abszesse unterschiedlicher Organe sowie Lymphknoten punktiert bzw. drainiert. Die Mehrzahl der Interventionen erfolgte mit Nadeln >1mm Durchmesser (96,5%), hier überwiegend Nadeldurchmesser 1,3mm (81,6%). Für interventionelle Eingriffe wie Drainagen und Radiofrequenzablationen wurden Nadeln/Drainagen mit einem Durchmesser von 2–3,96mm eingesetzt (11% aller Interventionen).

Ergebnisse: Analysiert wurden 1619 Leberpunktionen (84,6% aller Punktionen, Überschneidungen möglich: Leberparenchym n=1162; Leberraumforderungen diagnostisch n=457, Leberraumforderungen therapeutisch n=181) sowie 121 Pankreaspunktionen (6,3% aller Punktionen). Die restlichen Punktionen wurden an Lymphknoten, Milz und Weichteilgewebe/Retroperitonealtumore durchgeführt. Komplikationen in Form von transfusionsbedürftigen Blutverlusten traten bei 9 Patienten (0,5%) – überwiegend in den ersten 24 Stunden – auf, ein Abfall des Hämoglobins von >2g/dl wurde bei 52 Patienten (2,8%) im Verlauf der Laborbefunde beobachtet. Es ergab sich keine Korrelation der Blutungsereignisse mit der Vormedikation –332 Patienten nahmen für die Interventionen relevant erachtete Arzneien ein (niedermolekulares Heparin n=170, Thrombozytenaggregationshemmer n=106, NSAR n=56). Bei Patienten mit Leberzirrhose und einem Quick-Wert <50% bestand ein deutliches erhöhtes Blutungsrisiko (18,2%) versus Leberzirrhose und Quick 50–70% (3,6%) bzw. Leberzirrhose und Quick >70% (2,4%).

Schlussfolgerung: Zusammenfassend lassen sich sonographische Interventionen unter sorgfältiger Durchführung und Beachtung der Kontraindikationen sicher und komplikationslos vollziehen.