Ultraschall in Med 2007; 28 - V_1_1
DOI: 10.1055/s-2007-988840

Thrombose im terminalen Ductus thoracicus bei Dialyseshunt oder Herzinsuffizienz – anatomische Ursachen und Komplikationen

M Seeger 1, UR Fölsch 1
  • 1Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für allgemeine Innere Medizin, Sonographie, Kiel, Germany

Einleitung: Druckerhöhungen im venösen Kreislauf, durch eine schwere Herzinsuffizienz oder durch einen kaliberstarken Dialyseshunt am linken Arm, können am Venenwinkel zu einem Rückstrom von Blutbestandteilen in den Ductus thoracicus führen mit konsekutiver Thrombose im terminalen Ductus thoracicus.

Ziel: Wie häufig kommt es bei venöser Druckerhöhung zu einem Rückstrom von Blut in den Ductus thoracicus, wie oft sind lokale Thrombosen nachweisbar?

Methodik: Bei 37 Patienten mit Herzinsuffizienz und bei 10 Patienten mit Dialyseshunt wurde der Venenwinkel und die Mündungsregion des Ductus thoracicus mit Linearsonden (7–12MHZ) untersucht. Die Flussrichtung in den Halsvenen, der Durchmesser des Ductus thoracicus im Bogenstück und vor der letzten Lymphklappe wurde ermittelt, der Rückstrom von Blutbestandteilen beim Valsalvamanöver wurde festgehalten. Anatomische Varianten der Mündungsregion wurden dokumentiert.

Ergebnisse: Bei 7 von 47 Patienten (14%) mit Herzinsuffizienz oder Dialyseshunt lag eine Insuffizienz der Mündungsklappe des Ductus thoracicus vor. Bei einem Patienten mit Dialyseshunt war eine Thrombose des Bogenstücks mit fast vollständiger Verlegung darstellbar. Klinisch lagen eine Armschwellung und eine therapierefraktäre Lymphocele nach NTX vor. Bei einem Patienten mit Herzinsuffizienz und multiplen Lungenarterienembolien konnte ein flottiernder Thrombus im Ductus thoracicus nachgewiesen werden.

Schlussfolgerungen: Nur bei Insuffizienz der Mündungsklappe des Ductus thoracicus und bei erhöhten Venendruck im Venenwinkel können Blutbestandteile in den Hauptlymphgang gepresst werden. In diesem Fall können sich lokale Thrombosen bilden, die durch Behinderung des Lymphabflusses oder durch Lungenembolien klinisch in Erscheinung treten können. Bei unklarem Chylothorax oder bei Lungenembolie mit unklarer Emboliequelle sollte eine Untersuchung des terminalen Ductus thoracicus durchgeführt werden.