Aktuelle Neurologie 2007; 34 - P630
DOI: 10.1055/s-2007-987901

Kontinuierliche dopaminerge Stimulation mittels DuoDopa®-Therapie – Praktikabilität, klinischer Benefit und Risiken der duodenalen Applikation

BM Meiler 1, J Andrich 1, T Müller 1, R Gold 1
  • 1Bochum

Einleitung: Die Therapie des fortgeschrittenen Parkinson-Syndroms stellt aufgrund des Auftretens motorischer Fluktuationen und L-Dopa-induzierter Dyskinesien eine besondere Herausforderung dar. Die kontinuierliche dopaminerge Stimulation mittels einer DuoDopa®- Pumpe bietet diesbezüglich eine neue Therapieoption. Bislang existieren keine einheitlichen Empfehlungen zur therapeutischen Umstellung von oralen Dopaminergika auf DuoDopa® sowie zum perioperativen Procedere und Management von Komplikationen.

Methodik: Behandelt wurden 6 Parkinson-Patienten (3 w, 3m, mittleres Alter 70,3±4,7a [MW±SD]) mit fortgeschrittenem Parkinson- Syndrom (H&Y 3,8±0,7) und schweren motorischen Fluktuationen.

Alle Patienten erhielten eine Kombinationstherapie von L-Dopa, COMT-Inhibitoren und Dopaminagonisten. Die Umstellung erfolgte nach Berechnung der jeweiligen L-Dopa-Äquivalenzdosen der Dopaminagonisten und COMT-Inhibitoren direkt auf DuoDopa® in entsprechender Äquivalenzdosis ohne vorherige Umstellung auf eine orale L-Dopa-Monotherapie. 4 Patienten wurden mit perkutaner enteraler Jejunostomie (PEJ), 2 Patienten aufgrund von besonderen anatomischen Bedingungen mit einer Feinnadel-Katheter-Jejunostomie-Sonde (FNKJ) versorgt.

Ergebnisse: Die mittlere Erkrankungsdauer betrug 12,6±5,9a bei einer mittleren Therapiedauer mit L- Dopa von 10,3±5,6a. Die über PEJ/FNKJ verabreichte L-Dopa Tagesdosis betrug im Mittel 1240mg±377,9mg. Die motorische Kapazität der Patienten, gemessen mittels UPDRS Teil III verbesserte sich von durchschnittlich 58,6±7,6 auf 49,8±6,7. Die Dyskinesien beurteilt mittels UPDRS Abschnitt 2 waren im Mittel um 25±14,4%, die Off-Phasen um 29,2±9,3% reduziert.

Bei 2 Patienten, die mit PEJ versorgt wurden, trat eine lokale Peritonitis auf.

Schlussfolgerung: Unter der kontinuierlichen dopaminergen Therapie mit DuoDopa® ließ sich eine signifikante Reduktion von Dyskinesien und Off- Phasen erzielen. Durch die direkte dosisäquivalente Umstellung der gesamten dopaminergen Therapie auf DuoDopa® ohne vorherige Umstellung auf eine L-Dopa-Monotherapie zeigt sich eine deutlich bessere Compliance der Patienten sowie ein geringere Rate motorischer Fluktuationen während der Umstellungsphase. Aufgrund einer erhöhten Rate entzündlicher Komplikationen, die sowohl auf die spezielle Beschaffenheit der Sonden, als auch auf die unmittelbare Medikamentengabe via PEJ nach Anlage zurückzuführen sein kann, ist grundsätzlich eine perioperative prophylaktische Antibiose zu empfehlen.