ZFA (Stuttgart) 2007; 83(9): 373-386
DOI: 10.1055/s-2007-985834
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Schwindel - Diagnostik und Therapie

Vertigo - diagnostics and therapyH.-H. Abholz 1
  • 1Abt. Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Düsseldorf
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eingereicht: 23.07.2007

akzeptiert: 31.07.2007

Publication Date:
12 September 2007 (online)

Zusammenfassung

Schwindel wird hier verstanden als „Unsicherheit im Raum”. Diese Definition

Unter Schwindel versteht man „Unsicherheit im Raum”.

klingt formal und somit „akademisch”, umschreibt aber am besten das, was Patienten mit Schwindel bezeichnen. Unsere Orientierung im Raum wird durch unterschiedliche Systeme gesteuert, die dann zentral noch in „Abstimmung”, die Einzelinformationen integrieren. So kann jede Störung der Einzelsysteme (Augen, Ohren mit Hören, Gleichgewichtsorgan, Muskelspindeln) als auch eine zentrale Störung (direkt oder unter Einfluss von Zirkulationsstörungen) zum Schwindel führen. Zudem ist zu bedenken, dass derartige Integrationen auch psychisch modelliert werden kann, also psychogen - im Sinne funktioneller Störung - Schwindel auftreten kann.
Es gibt unterschiedliche Einteilungen der Schwindelformen und der Schwindelursachen. In Deutschland wird häufig eine Zuordnung nach Fachgebieten bzw. „Organzuteilung”- Neurologie, HNO, Psychiatrie/Psychotherapie, Kardiologie, Augenheilkunde und teilweise auch Orthopädie - vorgenommen. Dieses Vorgehen wird hier nicht gewählt, weil ein anderes differentialdiagnostisches Vorgehen sich als in der Praxis sehr viel effizienter, weil leichter zu handhaben, erwiesen hat, nämlich primär nach Art der Symptomatik zu unterscheiden. Diese aus Amerika stammende Einteilung

Die Zuordnung nach Symptomatik statt nach Fachgebieten ist sinnvoll.

[1] [9] lässt den Schwindel, der häufig in seinen Ursachen und Zuteilungen unübersichtlich erscheint, weitaus leichter „sortieren”. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass ein deutscher Experte [2] des Schwindels gezeigt hat, dass mit 6 Ursachen 75% der Schwindel - selbst in Spezialsprechstunden - erklärbar sind, dann wird verständlich, warum berechtigt gesagt werden kann: In der Praxis lässt sich Schwindel fast immer unproblematisch differentialdiagnostisch einordnen.

Literatur

  • 1 Baloh RW. Vertigo.  Lancet. 1998;  352 1841-1846
  • 2 Brandt T, Dieterich M, Strupp M. Vertigo - Leitsymptom Schwindel.  , Steinkopf, Darmstadt 2004; 
  • 3 Hilton M, Pinder D. The Epley manoeuvre for benign paroxysmal positional vertigo.  , Cochrane database Systematic Reviews 2002; 
  • 4 Kroenke K, Mangelsdorf AD. Common symptoms in ambulatory care.  Amer J Med. 1989;  86 262-266
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  • 7 Leopardi G, Chiarella G, Serafini G. et al . Paroxysmal positional vertigo: a short and long term clinical and methodological analysis in 794 patients.  Acta Otorhinolaryngol Ital. 2003;  23 155-160
  • 8 Meyer B, Dreykluft H-R, Abholz H-H. Schwindel in der hausärztlichen Praxis.  Zeitschr f Allg Med. 1993;  69 622-626
  • 9 Philip DS. Evaluation and management of dizziness in the older patient.  Clinics in geriatric medicine. 1996;  12 785-801
  • 10 Schneider BP, Weiser KM. Treatment of vertigo with a homeopathic complex remedy compared with usual treatments - a meta-analysis of clinical trials.  Arzneim -Forsch/Drug Res. 2005;  55 23-29
  • 11 Warner EA, Wallach PM, Adelman HM. et al . Dizziness in primary care patients.  J Gen Intern Med. 1992;  7 454-463
  • 12 Yardley L, Owen I, Nazareth. et al . Prevalence and presentation of dizziness in a general practice community sample of working age people.  Brit J Gen Pract. 1998;  48 1131-1135

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. H.-H. Abholz

Universitätsklinikum Düsseldorf

Abt. Allgemeinmedizin, Geb. 14.97

Moorenstr. 5

40225 Düsseldorf

Email: abholz@med.uni-duesseldorf.de