Notfall & Hausarztmedizin 2007; 33(3): 146-151
DOI: 10.1055/s-2007-977653
Schwerpunkt

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Diagnostik und Therapie des diabetischen Fußsyndroms - Multidisziplinäres Vorgehen ist die Grundlage für ein zufriedenstellendes Ergebnis

Alexandra Müller-Öffner1 , Petra-Maria Schumm-Draeger1
  • 1Städtisches Klinikum München GmbH, Klinikum Bogenhausen, München (Chefärztin: Prof. Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger)
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Publication Date:
05 April 2007 (online)

Das diabetische Fußsyndrom (DFS) ist eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus, das durch die hohe Amputationshäufigkeit den einzelnen Patienten und das Gesundheitssystem belastet. Die wichtigsten Faktoren, die zur Entstehung des Diabetischen Fußsyndroms beitragen, sind die diabetische Neuropathie und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Zur Diagnostik gehört die Inspektion der Füße, die gezielte Anamnese und die klinische Untersuchung einschließlich Neuropathietestung, pAVK-Screening und klinische Abschätzung einer Infektion. Die lokale Wundbehandlung mit regelmäßigem Debridement und passenden Wundauflagen, die Druckentlastung, die Revaskularisation und die Infekttherapie sind wesentliche Bestandteile der Behandlung. Die diabetologische Basistherapie und die gemeinsame Betreuung durch ein multidisziplinäres Team sind die Grundlage für ein zufriedenstellendes Ergebnis. Zur Prävention zählt die regelmäßige Untersuchung der Füße, die Schulung aller Beteiligten, die Identifizierung von Hochrisikopatienten, das geeignete Schuhwerk und die podologische Behandlung. Netzwerke zwischen den beteiligten ambulanten und stationären Fachkräften soll die Betreuung weiter verbessern.

Das diabetische Fußsyndrom (DFS) ist eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus, das durch die hohe Amputationshäufigkeit sowohl den einzelnen Patienten als auch das Gesundheitssystem belastet. Die Inzidenz des Fußulcus beträgt bei diabetischen Patienten 2-6 %, die Prävalenz 2-10 %. 70 % aller Amputationen werden an Diabetikern durchgeführt. In Deutschland wurden gemäß der Daten des §21 KHEntgeltG im Jahr 2002 55367 und im Jahr 2003 60937 Amputationen durchgeführt [7]. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern reduzierte sich in Deutschland in den letzten Jahren die Amputationsrate nicht und liegt im oberen Bereich [20]. Die Mortalitätsrate liegt bei Diabetikern gemäß einer australischen Untersuchung 30 Tage nach einer Amputation bei 16 %, ein Jahr nach der Amputation bei 47 %, zwei Jahre danach bei 62 % und drei Jahre danach bei 78 % [12]. Die Beeinflussung der Lebensqualität nach einer Majoramputation ist so ausgeprägt, dass 77 % aller über 70-jährigen Diabetiker nach einer Majoramputation nicht mehr zu Hause leben können [11]. Die Kosten für die Primärheilung eines Ulkus am Fuß werden im Wagner-Stadium 1 auf 1892 US-Dollar, im Wagner Stadium 2 auf 4345 Dollar, im Wagner-Stadium 3 auf 12255 Dollar und im Wagner Stadium 4/5 auf 27721 Dollar geschätzt [18]. Im Fall einer Amputation verdoppeln sich die durchschnittlichen Therapiekosten des Diabetischen Fußsyndroms. Eine prospektive schwedische Studie setzte die Heilungskosten nach einer Majoramputation auf 65000 Dollar. Hier entfielen 70 % der weiteren Kosten auf stationäre und ambulante Weiterbehandlung nach der Amputation [1]. Somit entfallen 25 % der durch den Diabetes mellitus bedingten Kosten auf das diabetische Fußsyndrom.

Literatur

Korrespondenz

Dr. med. Alexandra Müller-Öffner

Städtisches Klinikum München GmbH, Klinikum Bogenhausen, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Angiologie

Englschalkinger Straße 77

81925 München

Fax: 089/9270-2885

Email: Alexandra.Oeffner@kh-bogenhausen.de

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