Klin Monbl Augenheilkd 2007; 224(9): 738-739
DOI: 10.1055/s-2007-963374
Der interessante Fall

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ein durch Fentanyl maskiertes beidseitiges, schmerzfreies protrahiertes Winkelblockglaukom

A case of protracted, bilateral angle closure glaukoma, masked by fentanylO. M. Temiz, G. K. Lang
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Publication Date:
10 September 2007 (online)

Das Glaukom ist nach der Katarakt weltweit die zweithäufigste Ursache für Erblindung. Etwa die Hälfte aller Glaukome, die zu einer Erblindung führen, sind Winkelblockglaukome [1].

Beim akuten primären Winkelblockglaukom führt eine plötzliche Abflussblockade zu einer Erhöhung des intraokularen Druckes (IOD) auf das Mehrfache seines Normalwertes. In anatomisch prädisponierten Augen mit flacher Vorderkammer ist der Fluss von Kammerwasser durch die Pupille relativ behindert. Durch diesen Pupillarblock erhöht sich der Druck in der Hinterkammer. Dadurch wird die periphere Iris nach vorne vor das Trabekelwerk gedrängt und es kommt zu einer plötzlichen Abflussblockade (Winkelblock). Der erhöhte IOD löst über die Hornhautnerven (N. ophthalmicus) einen dumpfen Schmerz aus, der sich in Ober-/Unterkiefer, Schläfe und Hinterkopf projiziert. Durch den Vagusreiz werden intestinale Symptome wie Brechreiz, Übelkeit und Unwohlsein ausgelöst. Diese sehr unangenehmen Beschwerden führen die meisten Patienten notfallmäßig zum Arzt [2] [7].

Eine 70-jährige Frau stellte sich im Juni 2005 mit Visusminderung an beiden Augen in der Universitätsaugenklinik Ulm vor. Die Augenanamnese war bis vor 2 Monaten unauffällig gewesen, bis sie plötzlich einen Schleier wahrgenommen hat, der stetig zugenommen hat. Seit heute morgen wäre es auf dem rechten Auge ganz dunkel und auf dem linken Auge würde sie nur noch Schatten erkennen. Außer der Visusminderung klagte die Patientin weder über Schmerzen noch sonstige Beschwerden. Fragen nach Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen wurden verneint. Allgemeinanamnestisch war bis auf eine mit Opioiden (Fentanyl-Pflaster 100 µg/h) behandelte schwere Osteoporose keine weiteren Erkrankungen bekannt.

Literatur

Dr. med. O. M. Temiz

Universitäts-Augenklinik

Prittwitzstr. 43

89075 Ulm