Zusammenfassung
Im April 1997 wurde Tiagabin in Deutschland als Zusatztherapeutikum für die Behandlung
partieller Anfälle ab dem 12. Lebensjahr zugelassen. Als Wirkmechanismus wurde eine
Erhöhung von γ-Aminobuttersäure (CABA) im synaptischen Spalt durch Hemmung der Wiederaufnahme
in Neurone und Gliazellen nachgewiesen. Die Substanz hat sich als Zu-satz-Therapeutikum
bei Patienten mit Epilepsien fokalen Ursprungs im Dosisbereich von 12 bis 64 mg/Tag
als wirksam erwiesen. Bei durchschnittlich 23% der Patienten konnte die mittlere Anfallsfrequenz
um mehr als 50% gesenkt werden. Im Hinblick auf den Anfallstyp lag die Responderrate
bei 27% für komplex-partielle Anfälle, 30% für einfach-partielle Anfälle und 40% für
sekundär generalisierte Anfälle, jeweils signifikant über Plazebo. Ein klares Dosis-Wirkungsprinzip
konnte etabliert werden. Im obersten Dosisbereich (48 bis 64 mg/Tag) lag die mittlere
Responderrate bei 42% der Patienten. Bisherige Langzeiterfahrungen weisen auf eine
nachhaltige Wirksamkeit hin. Ausreichende Erfahrungen im Kindesalter, bei der Anwendung
als Monotherapeutikum oder bei der Behandlung idiopathisch generalisierter Anfälle
liegen bis dato nicht vor. Als häufigste Nebenwirkungen traten Schwindel, Müdigkeit,
Nervosität und Tremor auf. Schwere oder irreversible Nebenwirkungen wurden bisher
nicht beobachtet. Tiagabin sollte als Zusatz-Therapeutikum bei der Behandlung von
Epilepsien fokalen Ursprungs eingesetzt werden. Beginnend mit einer Dosis von 2x5
mg sollte in Abhängigkeit von der individuellen Verträglichkeit wöchentlich um 5 bis
10 mg erhöht werden, bis eine Enddosierung von 30 bis 70 mg verteilt auf 3-4 Tagesdosen
erreicht ist.
Summary
Tiagabine is a new anticonvulsant agent, that has become available in Germany for
general public use since April 1997 for add-on treatment of partial and secondarily
generalized seizures in adolescents (12 years or older) and adults. Tiagabine selectively
inhibits gamma-amino-butyricacid (GABA) uptake from the synaptic gap into neurons
and glial cells thereby enhancing its inhibitory effects. Controlled clinical experience
using doses from 12 to 64mg/d have demonstrated reduction by at least 50% of the pre-existing
seizure frequency in an average of 23% of patients. When divided by type of seizure,
the responder rates were 27% for complex partial seizures, 30% for simple partial
seizures and 40% for secondarily generalised seizures. A clear dose-response relationship
could be established. At the highest dose range (48-64 mg/d) the overall fraction
of responders was 42%. Preliminary long-term experiences indicate sustained anticonvulsant
effects. At present, experience in children and in monotherapy as well as in treatment
of primarily generalised epilepsy is too limited to allow clear-cut conclusions. Dizziness,
asthenia, nervousness and tremor were the most frequently encountered adverse effects.
No serious or irreversible adverse effects have become known so far. Tiagabine should
be applied as an add-on anticonvulsant agent in patients with seizures of focal origin.
The initial dose should be 5 or 10 mg which may then be increased weekly in steps
of 5-10mg/week until seizure control or an upper dose limit of 70 mg/d at 3-4 doses/d
is achieved.