Subscribe to RSS
DOI: 10.1055/s-2006-953012
Stürze im Alter korrelieren mit frontal and periventrikulär lokalisierten mikroangiopathischen Veränderungen der weissen Hirnsubstanz – Querschnittsergebnisse der LADIS-Studie
(Leukoariosis And DISability) Studiengruppe
Hintergrund: Stürze im Alter sind ein zunehmendes medizinisches und sozioökonomisches Problem, vielfältige Risikofaktoren für Stürze sind bekannt. In mehreren Studien konnte ein Zusammenhang zwischen zerebraler Mikroangiopathie und Gang- und Gleichgewichtsstörungen gezeigt werden. Die Assoziation von Stürzen mit altersabhängigen mikroangiopathischen Veränderungen der weissen Hirnsubstanz (ARWMC) sowie die Korrelation der motorischen Leistungsfähigkeit mit der anatomischen Verteilung der ARWMC wurde bislang noch nicht in größeren Studien untersucht.
Methodik: Ziel der LADIS-Studie (Leukoariosis And DISability) ist es, prospektiv die Rolle der ARWMC als einen unabhängigen Risikofaktor für die Entwicklung einer Behinderung bei älteren Personen (Alter 65–84 Jahre) zu untersuchen. In einer Kooperation elf europäischer Kliniken wurden 639 nicht behinderte Personen mit ARWMC (mittleres Alter 74.1±5.0 Jahre, 54,9% Frauen) rekrutiert und jährlich über einen Zeitraum von drei Jahre unter Verwendung verschiedener klinischer Fragebögen und Tests inklusive einer quantitativen motorischen Testung untersucht. Zu Beginn und am Ende der Studie wurde eine zerebrale MR-Tomographie zur Quantifizierung und anatomischen Lokalisierung der ARWMC durchgeführt.
Ergebnisse: Die Studienpopulation wurde nach der Fazekas-Skala in drei Schweregrade der ARWMC unterteilt. In der Querschnittsanalyse zeigt sich eine signifikante Korrelation der Sturzereignisse im Jahr vor Studieneinschluss mit dem Schweregrad der ARWMC (23,5% Stürze bei milden, 30,6% bei moderaten und 36,7% bei schweren ARWMC; p=0,0117). Frontale (p<0,001), periventrikuläre (p<0,05) und mesenzephale (p<0.05) ARWMC sind positiv mit einer Sturzanamnese assoziiert, okzipetale, pontine und in den Basalganglien lokalisierte ARWMC zeigen dagegen keine Korrelation. Die Einbeinstandzeit als ein einfacher Gleichgewichtstest ist bei Personen mit schweren frontalen ARWMC im Vergleich zu fehlenden frontalen ARWMC signifikant reduziert (12,1s±11,0s vs. 21,7s±10,6s; p<0,01).
Diskussion: Diese Ergebnisse der Querschnittsanalyse der LADIS Studie zeigen eine signifikante Korrelation insbesondere frontaler ARWMC mit der Anamnese von Stürzen. Dies unterstützt die Hypothese, dass die Dysfunktion frontaler subkortikaler motorischer Bahnen, welche zu Störungen des Gleichgewichts führt, die wahrscheinlichste Ursache für Sturzereignisse bei ARWMC darstellt, die Störung absteigender motorischer Bahnen dagegen nur von sekundärer Bedeutung ist.