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DOI: 10.1055/s-2006-947413
Erste klinische Ergebnisse der extrakorporalen piezoelektrischen Stoßwellenlithotripsie (EPL) von Nieren- und Harnleitersteinen mit dem Piezolith 3000 und variabler Fokuszone
Der bereits seit Jahren im klinischen Einsatz befindliche Piezolith 3000 mit Double-Layer-Technik zeichnet sich durch eine hohe Desintegrationseffektivität aus. Die Fokuszone F1 ist charakterisiert durch eine feine Fokussierung bei hoher Energiedichte (-6 dB-Zone 2mm, Pmax. 120MPa). Nachteilig ist eine vermehrte Schmerzempfindung bei höheren Energiestufen und die Notwendigkeit einer sehr exakten Lokalisierung bei kleinen Konkrementen, dieses insbesondere unter dem Aspekt der Atemverschieblichkeit der Nieren.
Es stehen jetzt 2 zusätzliche Fokuszonen zur Verfügung: F2 mit 4mm im Durchmesser und einem Maximaldruck von 80 MPa sowie F3 mit 6mm und maximal 40 MPa.
Mit dem variablen Fokus wurden von Juli 2005 bis Januar 2006 71 Patienten mit Harnsteinen behandelt, davon 49 Nierensteine und 24 Harnleitersteine. Es wurden ohne Sedoanalgesie in einer Sitzung 4000 Stoßwellen (SW) appliziert, die ersten 500 SW mit F1, dann Nierensteine weiter mit F3, Harnleitersteine weiter mit F2. Unter der F1-Behandlung wurde bei 20 einstellbaren Energiestufen die Schmerzgrenze für jeden einzelnen Patienten validiert. Die Umschaltung auf F2 bzw. F3 führte in 92% der Fälle zu einer Toleranzverbesserung der Behandlung. Dies wiederum ermöglicht eine Erhöhung der Energiestufen mit F2/F3. In den meisten Fällen konnte die Energie um 2 bis 4 Stufen gesteigert werden. Neben der erfolgreichen Behandlung von multilokulären Steinen und Nierenausgußsteinen mit vielen Einzelsitzungen lag ein Schwerpunkt auf der Behandlung solitärer Steine bis 1,5cm Durchmesser. Bei solitären Nierensteinen <1,5cm lag die Wiederbehandlungsrate bei 1,35, die 3-Monate-Steinfreiheitsrate bei 91%. Harnleitersteine <1,5cm wurden bis zur ausreichenden Desintegration mit dem Fokus F2 und einer Wiederbehandlungsrate von 1,46 behandelt. In 3 Fällen (14%) war postauxiliär eine URS notwendig, um impaktierte Steinreste zu entfernen; es so konnte so eine 3-Monate-Steinfreiheitsrate von 100% erreicht werden.
Keiner der Patienten zeigte nach EPL-Behandlung mit F2 oder F3 schwere Komplikationen im Sinne von peri- oder intrarenalen Haematomen, Urosepsis, Nierenverletzungen oder sogar Organverlust. Die in 68% aufgetretene post EPL-Haematurie war in allen Fällen kurzzeitig (<24h), leichtgradig und nicht behandlungsbedürftig. Die Einlage einer DJ-Harnleiterschiene aufgrund Entwicklung einer Harnstauungsniere mit Koliken war in 6 Fällen (17%) nach Nierenstein-EPL und in 3 Fällen (14%) nach Harnleiterstein-EPL indiziert.