Dtsch med Wochenschr 2005; 130(39): 2209-2212
DOI: 10.1055/s-2005-916366
Aktuelle Diagnostik & Therapie
Kardiologie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Perioperative/peri-interventionelle Antikoagulation[1]

Perioperative / peri-interventional anticoagulationR. Voss1 , M. Grebe1
  • 1Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Gießen
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Publication Date:
27 September 2005 (online)

Die Verwendung antithrombotisch wirksamer Pharmaka ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapie. Insbesondere in der Kardiologie und Angiologie erhält nahezu jeder Patient in der Akutbehandlung oder als Dauertherapie ein antithrombotisch wirksames Medikament. Ursache für die Verwendung antithrombotischer Pharmaka sind die hohen Inzidenzen thromboembolischer Ereignisse bei kardiologischen und angiologischen Patienten. In Tab. [1] sind die jährlichen Raten thromboembolischer Komplikationen bei einigen Patientengruppen mit kardiovaskulären Erkrankungen aufgelistet (nach 1).

Tab. 1 Jährliches Risiko thromboembolischer Komplikationen ohne antithrombotische Therapie 1. Grundkrankheit Thromboembolierisiko (% pro Jahr) Alleiniges Vorhofflimmern 1 Vorhofflimmern mit mittlerem Risiko 5 Hochrisiko-Vorhofflimmern 12 Zweiflügel-Prothese (St. Jude) in Aortenposition 10-12 Kippscheibenprothese (Björk-Shiley ) in Aortenposition 23 Zweiflügelprothese (St. Jude) in Mitralposition 22 Mehrere St. Jude-Prothesen 91

Ansatzpunkte der Antithrombotika sind die Hemmung der Thrombozytenfunktion (Acetylsalicylsäure = ASS, Clopidogrel, Glykoprotein IIb/IIIa-Antagonisten), die Hemmung der plasmatischen Gerinnung (unfraktioniertes Heparin = UF-Heparin, niedermolekulare Heparine = LMW-Heparine, Hirudine, orale Thrombininhibitoren, Vitamin-K-Antagonisten) und die Aktivierung der Fibrinolyse (Plasminogenaktivatoren). Zur Intensivierung der antithrombotischen Wirksamkeit werden diese Pharmaka insbesondere in Akutsituationen in unterschiedlichen Kombinationen eingesetzt. Während GP IIb/IIIa-Antagonisten, UF-Heparin, Hirudine und Plasminogenaktivatoren in Akutsituationen eingesetzt werden, finden ASS, Clopidogrel, LMW-Heparine und Vitamin-K-Antagonisten sowohl in Akutsituationen als auch als Dauertherapie ihren Einsatz. Auch in der Dauertherapie werden zunehmend Kombinationen mehrerer Antithrombotika eingesetzt (ASS + Clopidogrel; Vitamin K-Antagonisten + ASS).

Dauertherapien mit antithrombotischen Pharmaka, sei es als Monotherapie oder als Kombinationstherapie, erfordern bei operativen und interventionellen Eingriffen die Überlegung, welche Therapie zu welchem Zeitpunkt abgesetzt werden muss, um Blutungsprobleme zu vermeiden, und welche Therapie weitergeführt werden sollte, um perioperative thromboembolische Ereignisse zu vermeiden. Die folgende Übersicht konzentriert sich auf die Verwendung von Vitamin-K-Antagonisten und Heparin. Nach einer Darstellung der empfohlenen Indikationen, Intensitäten und zeitlichen Dauer der Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten wird auf das Vorgehen bei der Überbrückung operativer Eingriffe eingegangen.

1 Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. H.-G. Lasch zum 80. Geburtstag gewidmet

Literatur

1 Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. H.-G. Lasch zum 80. Geburtstag gewidmet

Prof. Dr. Reinhard Voss

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