Zusammenfassung
Hintergrund: Ein großer Teil der Patienten ist nur unzureichend über die eigene Medikation informiert
und hat Bedarf an Arzneimittelinformation. Im Folgenden werden Daten aus 3 Jahren
Laufzeit eines Arzneitherapieinformationsdienstes vorgestellt. Insbesondere werden
die Ergebnisse hinsichtlich eines Nutzens für Therapieerfolg, Patientensouveränität
und Compliance evaluiert.
Patienten und Methodik: Im Rahmen des ersten unabhängigen Arzneitherapieberatungsdienstes für Patienten in
Deutschland wurden alle Anfragen in 36 Monaten Projektlaufzeit analysiert. Jedem Patienten
wurde nach dem Beratungsgespräch ein Fragebogen zur Evaluation der Beratung zugesandt.
Die Daten wurden dokumentiert und mittels einer relationalen Datenbank ausgewertet.
Ergebnisse: Während der Projektlaufzeit wurden 3316 Anfragen registriert. Von den Anfragenden
waren 66,2 % weiblich, 33,8 % männlich und die Mehrheit (64,5 %) über 65 Jahre. Die
Fragen bezogen sich hauptsächlich auf Neben- und Wechselwirkungen von Arzneimitteln
(26,6 %) sowie auf Informationen zum Nutzen und zur Durchführung einer spezifischen
Therapie (27,2 %). Bei 81,0 % der Patienten wurde die Unsicherheit hinsichtlich der
eigenen Medikation durch die Beratung verringert, 37,9 % diskutierten den Rat mit
ihrem behandelnden Arzt und 18,3 % berichteten über eine Abnahme an Arztbesuchen aufgrund
der Beratung. Das Verhältnis zwischen Arzt und Patient blieb nach der Beratung in
70,6 % unbeeinflusst. Eine verbesserte Compliance wurde bei mehr als der Hälfte der
Patienten beobachtet, die angaben, ihre Medikamente nicht nach Vorschrift einzunehmen.
Schlussfolgerungen: Der Beratungsservice ist für Patienten in der Vermittlung von medizinischem Fachwissen
zur eigenen Medikation sowie in der Vermittlung von Kompetenz für das Gespräch mit
dem behandelnden Arzt effektiv. Wir beobachteten bei den Patienten ein indikationsübergreifendes
Defizit an Arzneimittelinformation. Ein qualifiziertes pharmakotherapeutisches Beratungsangebot
kann durch Informationsdefizite bedingte medizinische Folgeprobleme reduzieren und
den Gebrauch von ambulant erbrachten Gesundheitsleistungen vermeiden. Beim individuellen
Patienten wird das Vertrauen in die eigene Arzneimitteltherapie erhöht und dadurch
die Compliance gefördert.
Summary
Background: Many German patients are only insufficiently informed on their own drug therapy.
Therefore, they have unmet drug information needs. We report the three-year experiences
with the first drug information service for patients in Germany. We evaluate the impact
of the advice on outcomes, patient sovereignty and Compliance.
Methods: All inquiries to the project within 36 months were analysed. Every patient calling
within the first 24 months got a questionnaire for evaluation after the advice. The
data were documented and analysed using a relational database.
Results: We registered 3316 inquiries. 66.2 % of the callers were female and 33,8 % male.
The majority (64.5 %) was older than 65 years. The questions were mainly related to
adverse drug reactions and interactions (26.6 %) as well as to information on efficacy
of specific therapies (27.2 %). In 81,0 % of the patients, uncertainties regarding
their medication were reduced by the advice. 37,9 % of the callers discussed the advice
with their physician and 18,3 % reported a decreased consultation frequency after
the advice. The patient-physician-relationship was mainly unaffected after using the
service. A better compliance was reported by more than the half of the callers affected
by non-compliance at the time of the advice.
Conclusions: The drug information service for patients is effective in providing medical expert
information to the patients regarding their own medication. Additionally, the interaction
competence of the patients was strengthened. We observed a general drug information
deficit. A qualified advice may reduce medical problems caused by information deficits
and reduce the use of ambulatory care. At the individual patient, the trust in its
pharmacotherapy was strengthened and the compliance improved.