Endoskopie heute 2005; 18 - P12
DOI: 10.1055/s-2005-864996

Transfusionspflichtige obere gastrointestinale Blutung aus einem großen hyperplastischen Jejunalpolypen – Therapie mittels enteroskopischer Schlingenresektion

JH Hofer 1, HP Behrenbeck 1, CA Benz 1
  • 1Innere Medizin – Schwerpunkt Gastroenterologie, Evangelisches Krankenhaus Weyertal

Einleitung: Transfusionspflichtige obere gastrointestinale Blutungen aus Jejunalpolypen sind sehr selten. Mit dieser Kasuistik sollen Diagnostik und endoskopische Therapie dieser Entität dargestellt werden.

Fallbericht: Klinische Symptomatik: 41-jähriger Mann mit seit 3 Tagen bestehenden Teerstühlen, Kollapsneigung, Müdigkeit und Übelkeit ohne Erbrechen bei zuvor Beschwerdefreiheit. In der Anamnese sind keine Vorerkrankungen bekannt, keine regelmässige Medikamenteneinnahme. Klinische Untersuchung: RR 100/60, Blässe, rektal Teerstuhl. Hb initial 11,5g/dl (minimal 9,5g/dl, vor Entlassung nach 2 EK 10,5g/dl), restliches Labor unauffällig. ÖGD: unauffälliger Befund. Ileokoloskopie: Teerstuhl im Kolon und terminalen Ileum ohne aktuelle Blutungsstigmata. Proktoskopie: Hämorrhoiden Grad I ohne Blutungszeichen. Push-Enteroskopie: Gestielter ca. 5cm messender Jejunumtumor mit eindeutigen Blutungsstigmata bei 90cm post pylori. Kapselendoskopie: keine weiteren Läsionen sichtbar (eingeschränkte Beurteilbarkeit bei endoluminal frischen und älteren Blutresten). Endoskopische Polypektomie mittels Push-Enteroskop: komplette Schlingenabtragung; direkt postinterventionell arterielle Sickerblutung, welche mit 10ml Suprarenin (1:10000) und anschließender APC-Beamerkoagulation gestillt wird. Histologie: hyperplastischer Dünndarmpolyp ohne Anhalt für Malignität oder Adenomanteile. Verlauf: Komplikationslos, 4 Wochen später Hb 13,4g/dl, Läsion endoskopisch abgeheilt.

Diskussion: Es soll auf Jejunalpolypen als Differentialdiagnose potenzieller Blutungsquellen im oberen Gastrointestinaltrakt bei negativer bidirektionaler Endoskopie aufmerksam gemacht werden. Diese können u.U. enteroskopisch detektiert, interventionell definitiv behandelt und so ein chirurgischer Eingriff vermieden werden.