Gesundheitswesen 2005; 67(3): 173-182
DOI: 10.1055/s-2005-857991
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gesundheitszustand der deutschen Bevölkerung: Ergebnisse einer repräsentativen Befragung mit dem EuroQol-Instrument

Health Status of the German Population: Results of a Representative Survey Using the EuroQol QuestionnaireH. H. König1 , 2 , S. Bernert2 , M. C. Angermeyer2
  • 1Stiftungsprofessur für Gesundheitsökonomie, Universität Leipzig
  • 2Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Universität Leipzig
Diese Arbeit wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert (Förderkennzeichen 01ZZ0106). Das ESEMeD-Projekt in Deutschland wurde gefördert durch die Europäische Kommission (QLG5 - 1999 - 01 042) und GlaxoSmithKline.Die ESEMeD Projektmitglieder sind: Jordi Alonso, Matthias Angermeyer, Sebastian Bernert, Ronny Bruffaerts, Traolach S. Brugha, Heather Bryson, Giovanni de Girolamo, Ron de Graaf, Koen Demyttenaere, Isabelle Gasquet, Josep Maria Haro, Steven J. Katz, Ronald C. Kessler, Viviane Kovess, Jean Pierre Lépine, Johan Ormel, Gabriella Polidori, Leo J. Russo und Gemma Vilagut.
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Publication Date:
23 March 2005 (online)

Zusammenfassung

Zielsetzung: Der EuroQol-Fragebogen (EQ-5D) ist ein Instrument zur subjektiven Beschreibung und Bewertung von Gesundheitszuständen. Ziel dieser Studie waren die Messung des Gesundheitszustands der deutschen Bevölkerung mit dem EQ-5D sowie die Analyse von soziodemografischen Einflussfaktoren. Methodik: Im Rahmen der European Study of the Epidemiology of Mental Disorders (ESEMeD) wurde eine repräsentative Stichprobe der nicht institutionalisierten volljährigen Bevölkerung in Deutschland in den Jahren 2002/2003 mittels persönlicher computergestützter Interviews befragt. Neben Fragen, die sich auf die Bestimmung der Prävalenz von psychischen Erkrankungen und deren Einflussfaktoren richteten, wurden von 3552 Personen der Gesundheitszustand mit dem EQ-5D sowie soziodemografische Daten erhoben. In der vorliegenden Studie wurden Häufigkeit und Einflussfaktoren von Problemen in den EuroQol-Dimensionen Beweglichkeit, Selbstversorgung, allgemeine Tätigkeiten, Schmerzen/körperliche Beschwerden, Angst/Niedergeschlagenheit sowie die Bewertung des Gesundheitszustands auf der visuellen Analogskala (VAS) analysiert. Ergebnisse: 36 % der Befragten gaben Probleme in mindestens einer EuroQol-Dimension an; am häufigsten waren Probleme in der Dimension Schmerzen/körperliche Beschwerden (28 %), gefolgt von Beweglichkeit (17 %), allgemeinen Tätigkeiten (10 %), Angst/Niedergeschlagenheit (4 %) und Selbstversorgung (3 %). Der durchschnittliche VAS-Wert lag bei 77,4. Mit Ausnahme der Dimension Angst/Niedergeschlagenheit bestand eine signifikant größere Häufigkeit von Problemen bei höherem Alter und/oder geringem Einkommen. Frauen gaben signifikant höhere Problemhäufigkeiten in den Dimensionen Schmerzen/körperliche Beschwerden und Selbstversorgung an als Männer. Eine Schulausbildungsdauer > 9 Jahre und Erwerbstätigkeit waren mit signifikant geringeren Problemhäufigkeiten in allen EuroQol-Dimensionen verbunden, das Bestehen einer Partnerbeziehung mit geringeren Problemhäufigkeiten in den Dimensionen Selbstversorgung, allgemeine Tätigkeiten und Angst/Niedergeschlagenheit. Multivariate Analysen bestätigten die Effekte von Alter, Schulausbildungsdauer und Erwerbstätigkeit auf die Problemhäufigkeiten, während für das Bestehen einer Partnerbeziehung nur Effekte auf die Dimensionen Selbstversorgung und Angst/Niedergeschlagenheit, für das Geschlecht nur Effekte auf die Dimension Schmerzen/körperliche Beschwerden und für das Einkommen kein Effekt bestätigt werden konnten. Auf den VAS-Wert hatten jüngeres Alter, längere Schulausbildungsdauer, Erwerbstätigkeit und das Bestehen einer Partnerbeziehung einen signifikanten positiven Effekt, während das Geschlecht und das Einkommen keinen signifikanten Einfluss hatten. Schlussfolgerung: Der EQ-5D ist ein einfaches Gesundheitsklassifikationssystem, mit dem Unterschiede im Gesundheitszustand von Bevölkerungsgruppen entdeckt werden können. Die vorliegende Studie liefert EQ-5D-Normwerte für die deutsche Bevölkerung.

Abstract

Purpose: The EuroQol questionnaire (EQ-5D) is an instrument for subjectively describing and valuing health states. The purpose of this study was to measure the health status of the German population using the EQ-5D and to analyse the influence of sociodemographic factors. Methods: As part of the European Study of the Epidemiology of Mental Disorders (ESEMeD) a representative sample of the non-institutionalised population aged 18 and above in Germany was surveyed by personal computer-based interviews in 2002/2003. Besides questions relating to the prevalence of psychiatric disorders and their risk factors, the health status of 3552 respondents was recorded using the EQ-5D. Frequency and factors of influence on problems in the EuroQol items mobility, self-care, usual activities, pain/discomfort, anxiety/depression as well as the valuation of health state on the visual analog scale (VAS) were analysed. Results: 36 % of the respondents report problems in at least one of the EuroQol items; most frequent were problems in the dimension pain/discomfort (28 %), followed by mobility (17 %), everyday activities (10 %), anxiety/depression (4 %) and self-care (3 %). The mean VAS score was 77.4. Except for anxiety/depression the frequency of problems increased significantly with age and decreased with income. Women reported significantly more problems than men with regard to pain/discomfort and self-care. Having received more than 9 years of school education and being employed was associated with significantly fewer problems in all dimensions of the EuroQol. Living with a partner was associated with significantly fewer problems in the dimensions of self-care, usual activities and anxiety/depression. Multivariate analyses confirmed the effect of age, school education and employment on the frequency of problems, whereas for living with a partner only effects on self-care and anxiety/depression, and for gender only effects on pain/discomfort were confirmed. Income had no effect on frequency of problems in multivariate analyses. Young age, more than 9 years of school education, employment and living with a partner had a significantly positive effect on VAS score in multivariate analyses, while gender and income had no effect. Conclusions: The EQ-5D is a simple health state classification system, that can be used to detect variations in the health status of a population. This study provides EQ-5D-norm values for the German population.

Literatur

Prof. Dr. Hans-Helmut König, M.P.H.

Stiftungsprofessur für Gesundheitsökonomie, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Universität Leipzig

Johannisallee 20

04317 Leipzig

Email: hans-helmut.koenig@medizin.uni-leipzig.de

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