Gesundheitswesen 2005; 67(3): 183-188
DOI: 10.1055/s-2005-857990
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Frühe Einflussfaktoren auf das Körpergewicht und die Prävalenz von Übergewicht zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchung bei 4610 Kindern im Raum Erlangen/Nordbayern

Early Factors Influencing Body Weight and Prevalence of Overweight in 4610 Children Prior to School Entry in the Erlangen District (Northern Bavaria)I. Knerr1 , H. G. Topf1 , B. Hablawetz2 , W. Stöhr1 , J. Dötsch1 , W. Rascher1 , P. Lederer3
  • 1Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • 2Klinikum Coburg und Radiologische Gemeinschaftspraxis Coburg, Coburg
  • 3Gesundheitsamt Erlangen-Höchstadt, Erlangen
Wir danken den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gesundheitsamts Erlangen-Höchstadt für ihr Engagement bei der Datenerhebung sowie Frau W. Meixner für ihre hervorragende Unterstützung bei der Dateneingabe. Außerdem danken wir Frau C. Matschl sowie der Bayerischen Staatsregierung (Gesundheitsinitiative „Bayern aktiv”) für die großzügige Unterstützung und Förderung unserer Adipositasforschung.
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Publication Date:
23 March 2005 (online)

Zusammenfassung

Ziel: Die Adipositas im Kindesalter stellt auch in Deutschland ein zunehmendes Problem dar, das Geburtsgewicht gilt hierfür als ein wichtiger Einflussparameter. Ziel dieser Arbeit sind die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen dem Geburtsgewicht und dem Körpergewicht zum Zeitpunkt der Einschulung und die Erfassung weiterer Einflussfaktoren auf die frühe Übergewichtigkeit. Wir testeten zudem die Hypothese, dass bereits innerhalb eines kurzen 5-Jahres-Zeitintervalls die Prävalenz kindlicher Übergewichtigkeit steigt. Material und Methodik: Wir untersuchten retrospektiv die Daten der Schuleingangserhebungen von 4610 Kindern im Raum Nordbayern (Stadt Erlangen und Landkreis Erlangen-Höchstadt), entsprechend den Jahrgängen 1995/96 und 2000/01. Ergebnisse: Es zeigte sich, dass mit zunehmendem Geburtsgewicht auch bei der Einschulung Körpergewicht und Bodymass-Index (BMI) höher lagen (p < 0,0001). Die Gruppe der hypertrophen Neugeborenen fand sich im oberen Bereich der BMI- und Gewichtsperzentilen bei der Schuleingangsuntersuchung. Ein erhöhtes Geburtsgewicht ist somit als ein bedeutsamer Risikofaktor für ein erhöhtes Körpergewicht im Kindesalter anzusehen. Im Gegensatz dazu holen hypotrophe Neugeborene bis zur Einschulung nur bedingt an Gewicht und BMI auf und zeigen noch keinen Trend hin zur Adipositas in unserem Kollektiv. Jungen waren im Mittel signifikant schwerer als Mädchen (p < 0,001). Deutsche Kinder hatten alterskorrigiert ein niedrigeres Einschulungsgewicht und einen geringeren BMI als nichtdeutsche Kinder, die im Mittel 0,07 Jahre älter waren. Außerdem zeigten sich regionale Unterschiede zwischen Stadt und Umland. Vergleicht man die Einschulungsjahre 1995 und 2000 zum Zeitpunkt der jeweiligen Einschulungsuntersuchung, so ist eine signifikante BMI-Zunahme bei den Kindern des späteren Jahrgangs zu verzeichnen (p < 0,0001). Schlussfolgerungen: Die Prävalenz kindlicher Übergewichtigkeit nimmt hoch signifikant zu. Es sind daher bereits frühzeitig präventive Maßnahmen erforderlich, um die Entstehung von Übergewichtigkeit mit seinen Folgekrankheiten bereits im Kindesalter zu verhindern.

Abstract

Objective: Childhood obesity is a growing health problem among German children. Birth weight is considered to have a major influence on the course of postnatal weight. The present study investigates the relation between birth weight and body weight at health examination prior to school entry. We tested other parameters influencing childhood obesity, and hypothesized that within a 5-year interval the prevalence of obesity in children has increased significantly. Methods: Our study is based on the retrospective analysis of the school enrolment health examinations of 4610 children in North Bavaria, e. g. the town Erlangen and administrative district Erlangen-Hoechstadt in 1995/96 and 2000/01. Results: A higher birth weight was associated with a higher weight and BMI at school entry examination (p < 0.0001). An increased birth weight is therefore a considerable risk factor for later overweight in childhood. Hypotrophic newborn, however, gain less weight and exhibit a lower BMI in our study group. In general, boys were significantly heavier than girls (p < 0.001). Children of foreign origin were heavier and had a higher BMI corrected for age than German pupils but they were also 0.07 years older. Our regional survey revealed local differences in the prevalence of obesity. Comparing the cohorts 1995/96 and 2000/01 at school entry, a significant increase of BMI in the latter was found (p < 0.0001). Conclusions: A highly significant increase in the prevalence of infantile overweight has to be faced. Early prevention of childhood obesity is therefore mandatory to avoid the complications and higher morbidity.

Literatur

PD Dr. Ina Knerr

Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Loschgestraße15

91054 Erlangen

Email: ina.knerr@kinder.imed.uni-erlangen.de

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