Notfall & Hausarztmedizin (Hausarztmedizin) 2004; 30(9): 403
DOI: 10.1055/s-2004-837361
Editorial

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Kopfschmerz und Migräne

Hans-Christoph Diener
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Publication Date:
22 December 2004 (online)

Kopfschmerzen sind - wie Sie wissen - ein häufiges Phänomen in der ärztlichen Praxis. Die Differentialdiagnose des akuten erstmaligen Kopfschmerzes spielt eine wichtige Rolle in der Notfallmedizin, da hier die Differentialdiagnosen wie beginnende Meningoenzephalitis, Subarachnoidalblutung oder eine zerebrale Raumforderung von einer erstmaligen Migräneattacke oder einer Medikamentennebenwirkung differenziert werden müssen. Leichter zu diagnostizieren bei entsprechender Anamneseerhebung sind chronisch-rezidivierende Kopfschmerzen. Hier steht die Migräne ganz im Vordergrund. Eine differentialdiagnostische Herausforderung sind wiederum die chronischen Kopfschmerzen, da auch hier Erkrankungen wie der Spannungskopfschmerz, die Hemicrania continua oder der neu aufgetretene tägliche Kopfschmerz sowie der medikamenteninduzierte Dauerkopfschmerz von symptomatischen Kopfschmerzen, metabolischen Erkrankungen und zerebralen Raumforderungen differenziert werden müssen.

Die neue Nomenklatur der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft ist eine große Hilfe, da hier eine ganze Reihe von Kopfschmerzerkrankungen jetzt erstmals auch operational definiert wurden [1]. Hierzu gehört beispielsweise die chronische Migräne mit mehr als 15 Migränetagen im Monat, aber auch Krankheiten wie die Hemicrania continua, bei der es plötzlich beginnend zu einem permanenten halbseitigen Kopfschmerz kommt, oder des neu aufgetretenen täglichen Kopfschmerzes, ein Kopfschmerz, der plötzlich beginnt, holocraniell ausgeprägt ist und chronisch besteht.

In diesem Schwerpunktheft werden die Fortschritte, die in den letzten Jahren bei der Diagnose und Therapie von Kopfschmerzen gemacht wurden, dargestellt. In der Akuttherapie der Migräne spielen die Triptane in der Zwischenzeit die dominierende Rolle. Neues in der Prophylaxe gibt es bezüglich dem Einsatz von Antiepileptika zur Migränevorbeugung. Eine therapeutische Krux ist nach wie vor der chronische Spannungskopfschmerz. Hier wird man nur Erfolg haben, wenn man medikamentöse Maßnahmen wie die Gabe von trizyklischen Antidepressiva mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen wie Entspannungsverfahren, Stressbewältigung und sportlicher Betätigung kombiniert.

Ein differentialdiagnostisch wichtiges Gebiet sind die so genannten trigemino-autonomen Kopfschmerzen, zu denen vor allem der Cluster-Kopfschmerz gehört. Nur wenn hier die richtige Diagnose gestellt wird, kann man dem Patienten auch wirksam helfen.

Die Diagnose von Kopfschmerzen führt wieder zurück zu den klassischen ärztlichen Fähigkeiten, nämlich gut zuhören zu können und die richtigen Fragen zu stellen.

Literatur

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener

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