Aktuelle Neurologie 2004; 31 - P420
DOI: 10.1055/s-2004-833282

Genetische Heterogenität des Dystonie-Parkinson-Syndroms mit schnellem Beginn

K Kabakci 1, K Isbruch 1, K Schilling 1, K Hedrich 1, LJ Ozelius 1, PL Kramer 1, MHRM Schwarz 1, C Klein 1
  • 1(Lübeck, Dortmund; Portland, New York, USA)

Hintergrund: Das Dystonie-Parkinson-Syndrom mit schnellem Beginn (Rapid-onset dystonia-parkinsonism, RDP) zeigt einen autosomal-dominanten Erbgang mit reduzierter Penetranz. Die Erkrankung beginnt meist in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter und wird zum Teil durch besondere Belastungssituationen ausgelöst. Die Symptomatik manifestiert sich abrupt über Stunden bis einige Wochen und stabilisiert sich anschließend. RDP ist durch plötzlich einsetzende Dysarthrie, Dysphagie, dystone Spasmen sowie Bradykinese, Rigor und posturale Instabilität gekennzeichnet. Bisher wurden drei RDP-Familien beschrieben, die alle eine Kopplung zu Chromosom 19q13 (DYT12) zeigten. Die für RDP charakteristische kranio-zervikale Dystonie wurde als Leitsymptom bei einigen DYT1- und DYT6-Familien beschrieben.

Patienten und Methoden: Nach Erhalt der Einverständniserklärung wurden alle Familienmitglieder einer ausführlichen neurologischen Untersuchung unterzogen oder die Daten wurden aus den Krankenakten und durch Befragung der Angehörigen erhoben. Die Diagnostik der Indexpatientin beinhaltete die Routinelaborwerte, Kupfer und Coeruloplasmin, EEG und ein MRT des Kopfes, und sie wurde auf die GAG-Deletion im DYT1-Gen getestet. Die Kopplungsanalysen für den DYT12- und DYT6-Genort wurden mit acht bzw. mit sechs Mikrosatelliten-Markern durchgeführt. Der LOD-Score wurde mit dem VITESSE-Programm berechnet.

Ergebnisse: Zwanzig der 37 Familienmitglieder wurden persönlich untersucht und Informationen zu den übrigen 17 wurden durch Befragung der Angehörigen eingeholt. Insgesamt waren acht Personen (4m, 4f) definitiv betroffen (Erkrankungsalter: 4–12 Jahre; Durchschnitt: 7,1±2,7 Jahre), von denen vier bereits verstorben waren. Alle Patienten hatten eine orofaziale Dystonie, die zu Dysarthrie (n=8) und Dysphagie (n=6) führte. Des Weiteren bestand bei fünf Patienten eine schwere Dystonie aller vier Extremitäten und bei drei Patienten eine Dystonie der Hand. Parkinsonzeichen in Form von Hypomimie, Bradykinese und Rigor wurden bei allen Betroffenen beobachtet. Der Erbgang erscheint autosomal-dominant. Die GAG-Deletion im DYT1-Gen wurde nicht detektiert, und eine Kopplung zum DYT12- und DYT6-Genort wurde ausgeschlossen.

Schlussfolgerung: Wir beschreiben hier eine vierte Familie mit klinischem RDP, die jedoch keine Kopplung zum DYT12-Genort zeigt. Diese Befunde legen einen weiteren Genort für RDP nahe.