Aktuelle Dermatologie 2004; 30 - P01
DOI: 10.1055/s-2004-832530

Nebenwirkungsprofil von pegyliertem Interferon alpha-2a unter adjuvanter Therapie bei Hochrisiko-Melanompatienten im Stadium IIa-IV

C Loquai 1, TA Luger 1, S Grabbe 1, D Nashan 1
  • 1Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten, Universitätsklinikum Münster

Die Interferon (IFN)-Pegylierung verspricht eine verbesserte Serumstabilität mit verlängerter Halbwertzeit und ermöglicht somit einmal wöchentliche Gaben. Über das Nebenwirkungsprofil von pegyliertem IFN alpha-2a (Pegasys®) ist bisher nur wenig bekannt.

In unseren Untersuchungen erfassten und werteten wir aufgetretene Nebenwirkungen bei 15 Melanompatienten im Stadium IIa-IV (AJCC 2001) im Alter von 23 bis 72 Jahren. Ziel war eine mindestens 6-monatige adjuvante Therapie mit 180µg pegyliertem IFN alpha-2a 1×/Woche s.c. Vierteljährlich wurden klinische Kontrollen und Laboruntersuchungen in der Klinik durchgeführt und die Nebenwirkungen nach den Common Toxicity Criteria (CTC) des National Cancer Institute klassifiziert.

Zeitlich begrenzt traten die meisten Beschwerden ein bis zwei Tage p.i. auf. 53% der Patienten litten unter einem moderaten Fatigue-Syndrom und zeitweise auftretenden leichten grippalen Nebenwirkungen wie Myalgien (40%), Kopfschmerzen (20%) und Arthralgien (13%). Weitere Symptome beschränkten sich auf gelegentlichen Schwindel (27%), eine gering ausgeprägte Sicca-Symptomatik (27%), milde gastrointestinale Symptome (20%), Haarausfall (13%) und Depressionen (13%). Zwei Patienten klagten über Potenzstörungen. Ein Patient entwickelte unter der IFN-Therapie eine klinisch manifeste Autoimmunthyreoiditis. Eine Hämatotoxizität konnte bei 73%, eine Hepatotoxizität bei 60% der Patienten festgestellt werden, wobei die Werte überwiegend im Bereich von CTC Grad I bis II blieben (CTC Grad III: Hepatotoxizität 3×, Hämatotoxizität 1×). Eine Dosisreduktion auf 135µg pegyliertes IFN alpha-2a 1×/Woche s.c. erfolgte bei 4 Patienten (Hepatotoxizität 3×, subjektive Nebenwirkungen 1×). Bei einem Patienten zwangen rasch ansteigende Transaminasen bereits einen Monat nach Beginn der Behandlung zum vorzeitigen Abbruch der IFN-Therapie.

In Zusammenschau der Befunde wird die Behandlung mit 180µg pegyliertem IFN alpha-2a subjektiv gut vertragen, so dass sich ein Gewinn in der Lebensqualität der therapierten Patienten andeutet. Die Hämato- und Hepatotoxizität ist weiterhin ein bedeutsamer Focus in der Überwachung der ambulant mit IFN-alpha behandelten Patienten.