Die Pathogenese des Barrett-Ösophagus ist unvollständig aufgeklärt. Es wird angenommen,
dass es zur Entwicklung der Barrett-Mukosa eines sauren gastroösophagealen Refluxes
bedarf. Zustände nach proximaler oder totaler Magenresektion bilden ein quasi experimentelles
Modell zur Genese von Metaplasien im Plattenepithel. Hierbei fehlt die Cardia und
scheidet somit als Ausgangspunkt für Metaplasien aus.
Ziel: Nachweis von Zylinderepithel-Metaplasien im residualen Ösophagus nach totaler Gastrektomie
mit Ösophagojejunostomie.
Patienten und Methoden: Prospektiv wurden über 18 Monate wurden Patienten mit Ösophagojejunostomie, die wegen
Refluxsymptomen oder zur Tumornachsorge vorgestellt wurden, endoskopisch und bioptisch
auf das Vorliegen von Metaplasien im unteren residualen Ösophagus überprüft.
Ergebnisse: Bei neun von 11 Patienten war keine Zylinderepithel-Metaplasie im Ösophagus nachweisbar.
In zwei Fällen allerdings fand sich im unteren Ösophagus Zylinderepithel, das in Form
und magnifikationsendoskopischem Bild einem Barrett-Ösophagus entsprach. Die Länge
dieser Segmente betrug 25 bzw. 70mm. Das Zeitintervall nach Operation war mit 20 bzw.
35 Jahren deutlich länger als in den Fällen ohne Metaplasie (1–7 Jahre). Histologisch
zeigte sich ein Bild wie bei Dünndarmschleimhaut mit leichter Zottenatrophie. Gegenüber
üblicher Barrett-Schleimhaut fielen die große Zahl von Becherzellen, eine regelmäßige
Drüsenarchitektur, sowie reichlich Panethzellen auf. Der Ösophagus einer dieser Patienten
musste wegen eines verrukösen Plattenepithel-Karzinoms reseziert werden. Im Präparat
der Zylinderepithel-Metaplasie fand sich eine doppelte Muscularis mucosae.
Schlussfolgerungen: Enteroösophagealer Reflux ohne Magensaft kann auch beim Menschen, nicht nur im Tierversuch,
zu einer Barrett-Schleimhaut im residualen Ösophagus führen. Diese Entwicklung ist
seltener und braucht längere Zeit als bei gastroösophagealem Reflux nach Ösophagogastrostomie.
Dabei ist die Zylinderepithel-Metaplasie im Gegensatz zu Fällen mit saurem Reflux
nicht von einer Dünndarmschleimhaut zu unterscheiden, mit Ausnahme der doppelten Muscularis
mucosae.
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