Notfall & Hausarztmedizin (Hausarztmedizin) 2004; 30(6): B 332
DOI: 10.1055/s-2004-830984
Praxismanagement

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Empfehlung der STIKO zur Pneumokokken-Impfung

Lieferengpass
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Publication Date:
29 July 2004 (online)

Aufgrund technischer Probleme kommt es zu einem weltweiten Engpass des einzigen Pneumokokken-Konjugat-Impfstoffes Prevenar®, der bis zum Sommer 2004 andauern wird. Aufgrund dessen kann nicht garantiert werden, dass alle Kinder, für die die Impfung von der STIKO empfohlen ist, tatsächlich auch geimpft werden können. Daher haben Behörden und Fachgesellschaften weltweit Empfehlungen ausgesprochen, wie der verfügbare Impfstoff in dieser Situation möglichst optimal genutzt werden kann. Die EMEA[1] empfiehlt, dass alle Kinder der Hochrisikogruppen für Pneumokokken-Erkrankungen (z.B. Kinder mit organischer und funktioneller Asplenie, Kinder mit angeborener oder erworbener Immundefizienz und Kinder mit chronischen Erkrankungen) weiterhin nach dem für Säuglinge zugelassenen 4-Dosen-Schema geimpft werden sollen. Andere Kinder mit Impfindikationen aufgrund der regional gültigen Empfehlungen sollen mit zunächst zwei Dosen im Alter von zwei und vier Monaten gegen Pneumokokken geimpft werden, dabei ist dieses Impfschema genau einzuhalten. Da das 2-Dosen-Schema bezüglich seiner Effektivität noch nicht ausreichend validiert ist - obwohl vorläufige Daten für einen Schutz sprechen -, sollten diese Kinder die dritte und vierte Dosis erhalten, sobald der Lieferengpass beendet ist.

In Deutschland besteht eine Impfempfehlung der STIKO nur für Kinder unter zwei Jahren, die durch eine Pneumokokken-Erkrankung besonders gefährdet sind, weil sie bestimmten Risikogruppen angehören. In Übereinstimmung mit den Vorgaben der EMEA empfiehlt die STIKO für Deutschland die Impfindikationen individuell zu prüfen. So sollen Säuglinge im ersten Lebensjahr, die Risikogruppen angehören, unverändert nach einem 4-Dosen-Schema geschützt werden.

Kinder mit weiteren von der STIKO definierten Indikationen (Frühgeborene vor vollendeter 37. SSW, Säuglinge und Kinder mit Gedeihstörungen oder neurologischen Krankheiten) können bis zur Behebung des Lieferengpasses entsprechend den EMEA-Vorgaben zunächst mit zwei Dosen im Alter von zwei und vier Monaten geimpft werden (dieses Impfschema ist genau einzuhalten) und erhalten die ausstehenden zwei Dosen nach Beendigung des Lieferengpasses.

Für die Impfung von Kindern nach dem vollendeten sechsten Lebensmonat bleiben die empfohlenen Impfschemata weiterhin gültig.

Quellen:

  • 1 Presseinformation der Wyeth Pharma GmbH.  Münster.
  • 2 Robert Koch Institut.  Epidemiologisches Bulletin. 2004;  14

1 European Agency for the Evaluation of Medicinal Products

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