Ernährung & Medizin 2004; 19(2): 63-68
DOI: 10.1055/s-2004-829491
Heilwässer

© Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Eignen sich Heil- und Mineralwässer zur Mineralstoffsubstitution?

Are medicinal mineral waters suitable for mineral substitution?G. Gundermann1 , Chr. Gutenbrunner1 , 2 , O. Karagülle1
  • 1Institut für Rehabilitationsmedizin und Balneologie Bad Wildungen (Leiter: Univ.-Prof. Dr. med. Chr. Gutenbrunner) und
  • 2Institut für Balneologie und Medizinische Klimatologie (Leiter: Univ.-Prof. Dr. med. Chr. Gutenbrunner) in der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Medizinischen Hochschule Hannover (Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. A. Gehrke)
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Publication Date:
04 December 2006 (online)

Zusammenfassung

Mit Heilwässern können vor allem Calcium und Magnesium in relevanten Mengen zugeführt werden. An Spurenelementen können darüber hinaus Eisen, Iodid und Fluorid mit Heilwässern substituiert werden. Weiterhin sind die Gehalte an Kupfer, Zink und Kobalt von Interesse. Zur Beurteilung der Substitutionseffekte sind Untersuchungen über die Resorbierbarkeit von Inhaltsstoffen von besonderer Bedeutung. So wurde für Calcium eine gute Resorbierbarkeit bis Konzentrationen von ca. 500 mg/l nachgewiesen. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass das Trinken calciumreicher Heilwässer den Verlust an Knochendichte bei postmenopausaler Osteoporose im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Trinkkur signifikant vermindern kann. Auch für Magnesiumwässer ist nachgewiesen, dass eine gute intestinale Resorbierbarkeit besteht. In einer klinischen Studie bei Patienten mit Migräne konnte darüber hinaus gezeigt werden, dass ein Ausgleich des bei diesen Patienten vorhandenen Magnesiumdefizits durch die Zufuhr eines magnesiumhaltigen Heilwassers mit einer Magnesiumkonzentration von 110 mg/l möglich ist. Eisen liegt in Heilwässern in der Regel in zweiwertiger Form vor, sodass eine gute Resorbierbarkeit vorausgesetzt werden kann. Weitere Einsatzgebiete sind der Iodmangel und die Fluoridsupplementation. Insgesamt kann festgestellt werden, dass sich Heil- und Mineralwässer zur Substitution verschiedener Elektrolytmangelzustände eignen. Die Dosierung muss in der Regel individuell erfolgen und auf die Nahrungsgewohnheiten sowie die Stärke des Mangelzustandes abgestimmt werden.

Summary

Mineral waters containing calcium and/or magnesium can be administered to supplement a relevant deficiency of these minerals in men. The same applies to waters containing copper, zink and/or cobalt. Studies of the resorption rate of minerals from natural mineral waters show their substitutional effects. It is proven that calcium is well absorbed up to a concentration of 500 mg/l. At the same time, it was found that the bone denseness of patients with postmenopausal osteoporosis was significantly increased after drinking of calcium-enriched mineral water. A good resorbability of magnesium in mineral waters could be proved. In addition, it could be shown in a clinical study that magnesium deficits of patients suffering from migraine could be compensated by daily intake of mineral water with a magnesium content of 110 mg/l. Iron in mineral waters is usually present in the bivalent form (Fe++) so that its resorbability is assessed to be good. Further fields of application are iodine and fluoride supplementation. It is concluded that mineral waters are suitable for the compensation of several electrolyte deficiencies. As a rule, doses will have to be decided individually, taking account of nutrition habits and the degree of the deficiency.

Literatur

Anschrift für die Verfasser:

Prof. Dr. med. Christoph Gutenbrunner

Institut für Balneologie und Medizinische Klimatologie

Medizinische Hochschule Hannover

Carl-Neuberg-Straße 1

30625 Hannover