Notfall & Hausarztmedizin (Hausarztmedizin) 2004; 30(1): 34-40
DOI: 10.1055/s-2004-827095
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© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Dysphagie im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter - Ess-, Schluck- und Nahrungstransportstörungen

Karl H. P. Bentele1
  • 1Universitäts-Kinderklinik Hamburg
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Publication Date:
10 May 2004 (online)

Zusammenfassung

Die akute Dysphagie ist gerade im Kindesalter ein häufiges und bedrohliches Symptom mit vielfältigen Ursachen. Im Kleinkindesalter steht das Schlucken (und Hängenbleiben) von Fremdkörpern oder von ätzenden laugenhaltigen Substanzen an erster Stelle. Bei Neugeborenen mit anders nicht erklärbaren respiratorischen Symptomen und Regurgitation ist immer an angeborene Fehlbildungen zu denken, die entweder nur die Nahrungs- oder die Nahrungs- und Atemwege betreffen. Die Symptomatik wird erst mit zunehmendem Alter der Kinder eindeutiger. Bei Säuglingen und Kleinkindern, die ja ihre Symptome noch nicht schildern können, stehen oft Allgemeinsymptome mit Atemstörungen und Erbrechen und bei Schmerzen Schreien im Vordergrund. Die chronische Dysphagie ist auch im Kindesalter ein häufig viel zu wenig beachtetes oder gar unerkanntes Symptom, das schwere und manchmal irreversible Folgen wie massive Gedeihstörungen (erworbene Dystrophie) nach sich ziehen kann. Die Mehrzahl der Kinder mit chronischer Dysphagie leidet an einer angeborenen oder postnatal erworbenen morphologischen Veränderung der Nahrungsaufnahmeorgane, entweder isoliert oder im Rahmen einer der zahlreichen Grunderkrankungen. Dass eine unerkannte oder nicht richtig diagnostizierte und adäquat behandelte chronische Dysphagie auch zu schweren subjektiven Leiden mit zusätzlichen reaktiven Verhaltensstörungen von Kindern und Jugendlichen führt, die aufgrund ihrer übergeordneten Erkrankung und Behinderung sich oft sprachlich nicht mitteilen können, kann gar nicht genug betont werden. Die diagnostischen Möglichkeiten, insbesondere die Endoskopie, sind heute kindgerecht einsetzbar. Bei schweren persistierenden Schluck- und Essstörungen muss je nach Prognose der Grunderkrankung rechtzeitig eine permanente Sondenernährung (z.B. PEG) erwogen und nach umfassender Aufklärung der Eltern eingesetzt werden. Eine spezielle pädiatrische Betreuung der Kinder mit dieser Ernährungsform ist unabdingbar.

Summary

In childhood in particular, dysphagia is a common and potentially threatening symptom with numerous underlying causes. Heading the list in early childhood is the swallowing (and lodgement) of foreign bodies or of caustic substances. In the case of the newborn with otherwise inexplicable respiratory symptoms and regurgitation, congenital anomalies must always be considered, which may affect only the alimentary or both the alimentary and the respiratory tracts. Symptoms become clearer with increasing age. With regard to babies and young children who cannot yet articulate their symptoms, general symptoms with respiratory disorders and vomiting, and, in the case of pain, crying, predominate. Chronic dysphagia is also commonly met with and is often a largely ignored or unrecognised symptom which can lead to serious, sometimes irreversible, sequelae, such as massively disturbed thriving (congenital dystrophy). Most children with chronic dysphagia suffer from congenital or postnatally acquired morphological changes to the alimentary organs, either in isolation or in combination with on of the numerous underlying diseases. It cannot be emphasized too strongly that an unrecognised or incorrectly diagnosed and inappropriately treated dysphagia can result in severe subjective suffering leading to reactive behavioural disturbances in both children and youths who, due to an overriding disease and disability, are often unable to communicate. Today, available diagnostic options, in particular endoscopy, can also be used in children. In the event of severe persistent swallowing and eating disorders, and depending on the prognosis of the underlying disease, permanent feeding via a tube should be considered and, after providing the parents with comprehensive information, applied. In children with this form of alimentation special paediatric care is indispensable.

Literatur

Anschrift des Verfassers

Prof. Dr. med. Karl H.P. Bentele

Universitäts-Kinderklinik Hamburg-Eppendorf

Univ.-Klinikum Hamburg-Eppendorf

Martinistraße 52

20246 Hamburg

Fax: 040/4 28 03-54 35

Email: bentele@uke.uni-hamburg.de

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