Geburtshilfe Frauenheilkd 2004; 64(2): 168-177
DOI: 10.1055/s-2004-815741
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Komplikationen bei höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften für Mutter und Kinder

Complications in High Order Multiple PregnanciesM. Ludwig 1 , M. Kohl 2 , A. Krüger 3 , M. Löning 3 , A. Schröder 3 , A. Katalinic, 4 , K. Diedrich 3
  • 1Zentrum für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Endokrinologikum Hamburg, Hamburg
  • 2Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck
  • 3Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck
  • 4Institut für Krebsepidemiologie e. V. und Institut für Sozialmedizin, Universität Lübeck, Lübeck
Further Information

Publication History

Eingang Manuskript: 25. August 2003 Eingang revidiertes Manuskript: 10. Oktober 2003

Akzeptiert: 14. November 2003

Publication Date:
09 February 2004 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung

In der vorliegenden Arbeit werden retrospektiv 43 Schwangerschaften mit höhergradigen Mehrlingen (Drillinge und Vierlinge) analysiert.

Ergebnisse

Bei der Untersuchung der 38 Drillings- und 5 Vierlingsschwangerschaften trat als häufigste Komplikation der Schwangerschaft in 74,4 % aller Fälle eine vorzeitige Wehentätigkeit auf. Die Aufnahme zum stationären Aufenthalt, der bis zur Entbindung andauerte, erfolgte bei nur 14 % der Frauen zur geplanten Entbindung und bei 86 % bereits vor einer geplanten Entbindung aufgrund eines erhöhten Risikos. Zum Zeitpunkt der Aufnahme ließ sich bei 58,1 % der Frauen eine Anämie diagnostizieren. Nach einem stationären Aufenthalt von im Median 15 Tagen erfolgte die Entbindung der Kinder im Median in der 32 + 5 Schwangerschaftswoche (SSW). Alle Kinder waren frühgeboren. 18,6 % der Frauen erhielten peripartal Erythrozytenkonzentrate und bei 72,1 % war postpartal die medikamentöse Therapie einer atonischen Blutung indiziert. Weiterhin mussten postpartal 11,6 % der Mütter intensivmedizinisch versorgt werden, wobei eine Frau im Rahmen eines HELLP-Syndroms verstarb. Das Geburtsgewicht der 114 Drillings- und 20 Vierlingskinder lag im Median bei 1575 g. 121 der 124 überlebenden Kinder wurden postnatal stationär betreut, 118 von ihnen intensivmedizinisch. Bei 47,8 % der Kinder lag ein Atemnotsyndrom vor, in 10,5 % eine Hirnblutung. Bei 51 der 124 überlebenden Kinder konnten Angaben zum Follow-up erhoben werden. Bei 9,8 % der untersuchten Fälle fand sich eine schwere Behinderung. Insgesamt sind 18,6 % aller Familien von mindestens einem Todesfall und/oder einer schweren Behinderung betroffen.

Schlussfolgerung

Die neonatale Morbidität sowie die mütterlichen Daten sind bis auf eine erhöhte Anämierate der Frauen mit den Daten anderer Mehrlingskollektive vergleichbar. Die Daten zum neonatalen Outcome zeigen gegenüber Einlingen erhebliche zusätzliche Risiken. Während sich das Gestationsalter höhergradiger Mehrlinge im Laufe zahlreicher Untersuchungen der letzten Jahrzehnte nicht entscheidend verändert hat, lassen sich erhebliche Erfolge hinsichtlich der perinatalen Mortalität feststellen, die sich auch in unserem Kollektiv bestätigen. Ein wichtiger Ansatz ist die weitest gehende Vermeidung von höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften im Rahmen der Reproduktionsmedizin ohne hierbei die Erfolgsaussichten solcher Therapien erheblich zu schmälern. Entsprechende Strategien werden diskutiert.

Abstract

Purpose

In this retrospective study 43 pregnancies with high order multiples (triplets and quadruplets) were analysed.

Results

The most prevalent complication in this cohort of 38 triplet and 5 quadruplet pregnancies was premature labour (74.4 %). Patients came for delivery to the hospital in only 14 % of pregnancies - in the other 86 % patients were sent to the hospital already days or weeks before delivery because of a higher pregnancy risk. In 58.1 % of cases anemia was diagnosed before delivery. After a median of 15 days children were delivered in the 32 + 5 week of gestation (median). All children were born premature. 18.6 % of patients received transfusions due to anemia, in 72.1 % prostaglandins were administered due to atonia. Furthermore, 11.6 % of patients were transferred to an intensive care unit, one patient died due to severe HELLP syndrome. The mean birth weight of 114 triplet and 20 quadruplet children was 1575 g (median). 118 children were referred to a neonatal intensive care unit. With respect to perinatal complications 47.8 % of children showed respiratory distress syndrome, 10.5 % had intracranial bleeding. Follow-up data could be collected from 51 out of 124 surviving children. In 9.8 % of these cases a severe disability was diagnosed. In total, 18.6 % of all families were affected by at least one dead child or by at least one child with a severe disability.

Conclusion

Neonatal morbidity as well as maternal data are comparable to data from other, similiar cohorts. Data regarding neonatal outcome show additional risks compared to singleton pregnancies. Since the gestational age at delivery of high order multiples did not change during the last decades, good success rates could be achieved regarding perinatal mortality. However, the best and optimal approach is the avoidance of high order multiple pregnancies as well as of multiple pregnancies in all assisted reproductive procedures and all procedures with ovulation induction. Strategies are discussed, which might be helpful to achieve this goal.

Literatur

Priv.-Doz. Dr. med. M. Ludwig

Zentrum für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Endokrinologikum Hamburg

Lornsenstraße 6

22767 Hamburg

Email: Michael.Ludwig@Endokrinologikum.com