Klin Monatsbl Augenheilkd 2004; 221(4): 253-261
DOI: 10.1055/s-2004-813053
Klinische Studie

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Akuttherapie von Augenverätzungen

Acute Therapy for Chemical or Thermal Eye IrritationsN. F. Schrage1 , R. Rihawi1 , M. Frentz1 , M. Reim1
  • 1Universitätsaugenklinik Aachen
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Publication History

Eingegangen: 8.1.2004

Angenommen: 19.2.2004

Publication Date:
04 May 2004 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Eine Augenspülung ist die unumstrittene Behandlungsmaßnahme bei jeder Art von chemischer oder thermischer Irritation des Auges. Durch diese Maßnahme sollen verschiedene Effekte wie das Entfernen und die Verdünnung oder auch Neutralisation der Ätzsubstanz erreicht werden. Ziel der Studien: Bislang stand vorwiegend die Neutralisation von Ätzsubstanzen im Mittelpunkt der Betrachtungen. Die hier vorgestellten Experimente lassen neue therapeutische Strategien zur Behandlung einer Augenverätzung als hilfreich vermuten. Material und Methoden: Durch Experimente zu Modifikationen der Osmolarität, Pufferkapazität und Neutralisationsreaktionen am Auge sind Optimierungen von Augenspülungen möglich. Diese werden anhand von Schlüsselexperimenten zu Pufferkapazität, In-vitro-Spülung von enukleierten Tieraugen und Permeabilitätsversuchen an Zellkulturen verdeutlicht. Ergebnisse: Die bislang als ausreichend betrachtete Empfehlung von Wasser in der Ersttherapie einer Augenverätzung kann in Experimenten als unzureichend dargestellt werden. Wir fanden keine Pufferkapazität für Wasser und 0,9 %-NaCl-Spülung, schwache Kapazitäten für Ringer-Laktat und Phosphatpuffer im basischen, bessere im sauren und gute Neutralisationskapazität für Diphoterine im sauren und basischen Bereich. Am Tier kann bei der Hornhautspülung die Gleichwertigkeit der intraokularen Pufferung von Phosphat und Diphoterine gezeigt werden. Am enukleierten Tierauge lässt sich unter der Spülung mit Diphoterine eine verbesserte Wirkung auf den intraokularen pH auch nach verzögert einsetzender Spültherapie nachweisen. Die Ionen und Osmolaritäten der Spüllösungen konditionierten die verletzte Hornhaut des Auges. Wasserspülung führt an der unverletzten Zellkultur zu vermehrtem Zellschaden. Schlussfolgerung: Wir empfehlen puffernde Lösungen mit hoher Pufferkapazität in der Ersttherapie der Verätzung. Hohe oder auch erniedrigte Osmolaritäten solcher Lösungen können eine Verbesserung der Entgiftung von Ätzsubstanzen auf der Augenoberfläche bewirken. Eine eindeutige Beurteilung dieses Faktors in der Therapie ist nach heutigem Kenntnisstand noch nicht abschließend möglich und ist Gegenstand unserer Forschung.

Abstract

Background: Eye rinsing is the major therapeutic measure with a decisive impact on prognosis after chemical or thermal eye irritation. Several different major targets are addressed by this measure. Aim of the Study: Up to now emphasis in research was placed mostly on the neutralisation of chemical products. Newer experimental results on the basis of biological experiments interpreted against the background of basic chemical reactions may enhance clinical treatment by introducing new mechanisms of intervention. Materials and Methods: Experiments on the modification of osmolarity, buffering capacity and solubility products show new possibilities of therapy in eye rinsing after eye irritation. These mechanisms are demonstrated by means of key experiments. Results: The official recommendation of rinsing a burnt eye with water seems to be insufficient against the background of actual experimental data. Measurements of pH after eye burns indicate no buffering effects for water, or aqueous saline solution. There was weak buffering for phosphate buffer in alkali burns and a high capacity for neutralisation for diphoterine in alkali and acid burns. Ionic contents and osmolarities of the rinsing solutions have a decisive influence on the ionic composition and osmolarity of the burnt cornea after rinsing. Cellular damage is enhanced in unaffected healthy cell cultures by hyposomolar rinsing. Conclusion: We recommend buffered solutions with high buffer capacities for initial eye rinsing. The advantage or disadvantage of the elevated concentration of ions in the buffered rinsing solutions determining osmolarity cannot be confirmed or refuted up to now. It seems to us to be certain that osmolarity is a decisive future factor in initial rinsing.

Literatur

Prof. Dr. med. Norbert Franz Schrage, Leitender Oberarzt

Augenklinik am Universitätsklinikum Aachen

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