Endoskopie heute 2003; 16(3): 143-150
DOI: 10.1055/s-2003-44278
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Sonographisch gestützte Punktionen raumfordernder Prozesse - Diagnostischer Stellenwert und Bedeutung für das therapeutische Vorgehen

US Guided Biopsy of Tumors - Diagnostic Value and Therapeutic RoleK. Möller1 , H. Martin2 , P. Reitzig1 , T. Schade1 , G. Fondis1 , H. J. Schulz1
  • 1Klinik für Innere Medizin, Abteilung Gastroenterologie, Oskar-Ziethen-Krankenhaus, Berlin
  • 2Pathologisches Institut, Oskar-Ziethen-Krankenhaus, Berlin
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Publication Date:
17 November 2003 (online)

Zusammenfassung

In einer retrospektiven Analyse erfolgte die Bestimmung des diagnostischen Stellenwertes der sonographischen Punktion für die weiterführende Behandlungsstrategie unter den Bedingungen einer gastroenterologischen Schwerpunktabteilung.
Patienten und Methode: Bei 159 Patienten erfolgte die sonographisch gestützte Punktion von 161 Läsionen am HDI 3000 der Fa. ATL mit einer 18-Gauge-Schneidbiopsiekanüle vom Menghini-Typ. Dabei handelte es sich um 6 Gruppen: solitäre Leberraumforderungen, Leberherde bei unklarem Primärtumor, Leberherde bei mehreren Tumoren aktuell und/oder anamnestisch, Leberherde bei Befund eines Pankreastumors in den bildgebenden Verfahren, inoperabler Pankreastumor bildgebend oder Pankreastumor sonographisch ohne Bestätigung in den übrigen bildgebenden Verfahren, sonstige Raumforderungen im Abdomen, Thorax und Halsbereich.
Resultate: 145 punktierte Läsionen (90,1 %) waren maligne, 13 Läsionen (8,1 %) benigne; weitere 3 Läsionen wurden fälschlicherweise einem benignen Befund zugeordnet und waren somit falsch negativ. Daraus ergeben sich eine Sensitivität von 97,97 % und Spezifität von 86,7 %. Die Ergebnisse waren unabhängig von der Größe der Herde. Bei den Herden von ≤ 20 mm (n = 26/16,4 %) lagen Sensitivität und Spezifität bei 100 %. Bei den Lebermetastasen konnte in 67,9 % durch die Histologie und Immunhistologie der Primärtumor einem einzigen Organ zugeordnet werden. In der Gruppe der Tumoren mit einem oder mehreren Tumoren akutell oder anamnestisch konnte diese sichere Zuordnung sogar in 90,5 % der Fälle getroffen werden und war somit therapeutisch entscheidend. Das weitere therapeutische Vorgehen wurde bei 87,4 % aller Patienten durch das Ergebnis der Punktion bestimmt. Bei 92 Patienten (63,4 %) mit malignen Läsionen wurde im Ergebnis der Histologie unter Berücksichtigung der Gesamtkonstellation eine palliative Therapie begonnen (Chemotherapie, Sandostatintherapie, Leberteilresektion und sonstige operative Eingriffe, Chemoembolisation, perkutane Äthanolinjektion, Radiatio). Nur im Einzelfall war das Behandlungsziel kurativ. 4 weitere Patienten (2,75 %) wurden in spezialisierte Abteilungen verlegt. Bei den übrigen 49 Patienten (33,8 %) erfolgte nur eine symptombezogene Behandlung (einschließlich der Gallenwegsdränagen).
Schlussfolgerungen: Durch die vorliegenden Ergebnisse wird der hohe Stellenwert der sonographisch gestützten Punktion aufgezeigt. Dabei sollte jedoch vor Indikationsstellung beachtet werden, ob für den einzelnen Patienten eine gezielte Behandlung überhaupt in Betracht käme. Andererseits sollte überdacht werden, ob bei zuverlässiger Darstellung raumfordernder Befunde im Sonogramm die Fülle weiterer möglicher diagnostischer bildgebender Verfahren nicht ausgelassen wird zugunsten der histologischen Sicherung durch eine sonographisch gestützte Punktion.

Abstract

The purpose of the present retrospective study was to determine the diagnostic value and clinical usefullness of US-guided biopsy of tumors.
Patients and method: In 161 cases (159 patients) with lesions of liver, pancreas or other organs was provided the US-guided biopsy. We used the ultrasound system HDI 3000/ATL and 19 gauge biopsy needles/(Pflugbeil). The patients were classified in 6 groups: Single lesions of the liver; multiple liver lesions and unknown primary tumour; liver lesions and malignant tumours in the present and/or past; liver lesions and tumour of the pancreas; tumours of the pancreas; other tumours in the abdomen, chest or neck.
Results: 145 of the lesions (90.1 %) were malignomas; 13 lesions were benigne (8.1 %). 3 lesions were false-negative. The overall sensitivity was 97.97 %, the specifity was 86.7 %. The results were undepended from the diameter of the lesions. Sensitivity and specificity of US-guided biopsy of lesions with diameters ≤ 20 mm were 100 % in this study. In 67.9 % the liver metastasis were related to malignoma of one organ by histology and immunhistology. In the group of patients with malignomas in the present and past the assignment to one primary malignoma occurred in 90.5 % and was decisive for the therapy. The therapy was influenced by US-guided biopsy in 87.4 % of our patients. In 63.4 % of the cases with malignant lesions (92 patients) was started the palliative therapy (Chemotherapy; treatment with sandostatine; surgical resection of segments of the liver; chemoembolisation; ethanol injections therapy; radiation). In 49 cases was provided symptomatical therapy (including drainages of the biliary system). Only in 4 cases with malignant lesions the aim of treatment was curative.
Conclusions: The importance of US-guided biopsy is highly significant. Instead of a lot of radiological investigations could be provided US-guided biopsy to get a histological diagnosis.

Literatur

Dr. med. K Möller

Oskar-Ziethen-Krankenhaus

Klinik für Innere Medizin

Abteilung für Gastroenterologie

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