Endoskopie heute 2002; 15(3): 137-143
DOI: 10.1055/s-2002-37137
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© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Derzeitige klinische Indikationen der Kapsel-Endoskopie

Positionspapier der Sektion Endoskopie der DGVS, Stand 1.11.2002Topical Clinical Indications for Capsule EndoscopyPosition Paper by the Endoscopy Section of DGVS as of 1.11.2002T. Rösch1 , C. Ell2
  • 1II. Medizinische Klinik rechts der Isar, Der Technischen Universität München
  • 2Zentrum für Innere Medizin, Innere Medizin II · HSK Dr. Horst-Schmidt-Kliniken
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Publication Date:
12 February 2003 (online)

Die Kapsel-Endoskopie (KE) bedient sich einer 26 × 11 mm großen plastiküberzogenen Kapsel mit eingebauter Kamera, die für etwa 6-10 Stunden Bilder aufnimmt, die auf einen Datenrekorder gesendet werden; diese Daten werden auf dem Rekorder aufgezeichnet und nach Beendigung der Aufnahmezeit auf einen PC überspielt, wo sie anschließend innerhalb von 2-3 Stunden ausgewertet werden können. Hierbei wird vorwiegend die Zeit zwischen Pylorus-Passage und Eintreten über die Valvula Bauhini ins Zökum ausgewertet. Die Datenlage besteht bislang aus einer initialen Kommunikation in der Zeitschrift „Nature” [1], einer tierexperimentellen Studie [2], drei klinischen peer-reviewten Originalarbeiten [3] [4] [5], einer Serie im Deutschen Ärzteblatt [6] sowie zahlreichen Abstracts [4] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [24] [25] [26] [27] [28] [29] [30] [31] [32] [33] [34] [35] [36] [37] [38] [39] [40] [41] [42] [43] [44] [45] [46] [47] [48] [49] [50] [51] [52] [53] [54] [55] [56] [57] [58] [59] [60] [61] [62] [63], die Methode hat darüber hinaus eine hohe Publizität in den Massenmedien erreicht.

Aus diesem Grund sieht sich die Sektion Endoskopie der DGVS veranlasst, die bisherige Datenlage zu sichten und zu werten und Vorschläge für mögliche Indikationen zu entwickeln. Dass eine Evidenz, die sich fast ausschließlich auf Abstracts stützt, notwendigerweise begrenzt bleiben muss und bei Erscheinen neuer Originalarbeiten vermutlich zu modifizieren ist, soll hier ausdrücklich betont werden. In der unterstützenden Literaturübersicht werden neben den Originalarbeiten aus Aktualitäts- und Relevanzgründen nur begutachtete und angenommene Abstracts von der amerikanischen Digestive Disease Week (DDW) 2002 und der DGVS-Tagung 2002 und der Europäischen Gastroenterologie-Woche UEGW 2002, dagegen keine älteren Abstracts und solche anderer Veranstaltungen berücksichtigt.

Literatur

ANHANG zum Literaturverzeichnis

Vollständige Daten aus der oralen Präsentation zweier Multizenterstudien der Kapselendoskopie bei unklaren Blutungen (DDW/UEGW 2002, Daten von Dr. Pennazio und Dr. Gay autorisiert)

Zur Literaturstelle [20]

Delvaux M, et al.
Comparison of wireless endoscopic capsule and push-enteroscopy in patients with obscure occult/overt digestive bleeding: Results of a prospective, blinded, multicenter trial. (eingereicht)

  • 60 Patienten, alle mit KE und PE, 32 okkult, 28 overt, 2 technische Kapsel-Versager, deswegen nur Daten von 58 Patienten; mittlerer Hb 9,4 ± 2,5 g /dL. Blinde und unabhängige Befundung (bei der KE durch zwei Untersucher). Keine Komplikationen

  • Wichtige Einteilung in Relevanz der Läsionen: P0 (vermutlich irrelevant: venöse Ektasie, Divertikel, Knötchen); P1 (fraglich relevant: rote Flecken, kleine Ulzera); P2 (vermutlich relevant: angiome, Tumoren, Ulzera, portale Hypertension)

  • Von 58 Pat. 15 negativ mit KE und PE, 19 positiv mit KE und PE, 21 pos. KE, aber neg. PE, 3 pos. PE, aber negativ KE

  • Interobserver-Übereinstimmung: 59 % bei P0, 51 % bei P1 und 76 % bei P2

Zu den Literaturstellen [19] [45]*

Pennazio M, et al.
Title: Capsule endoscopy in patients with obscure gastrointestinal bleeding: diagnostic yield, comparison with push enteroscopy, and effect on clinical outcome (Manuskript in Vorbereitung)

  • 100 Patienten mit Kapsel-Endoskopie (KE) untersucht, davon 51 auch mit Push-Enteroskopie (PE). Im Gesamtkollektiv (n=100) Blutungsintensität: 62 overt, 39 okkult, 4,7 Episoden, 4,5 Transufusionen, Dauer im Mittel 32 Monate, mittlerer Hb 7,2 (4,5-11). Kapselzeiten Magen 43 min (1-240), Dünndarm 250 min (101-410), in 24 % Zökum nicht erreicht, davon bei 5 Patienten mit Strikturen (2 Crohn, 2 unklar, 1 Tumor) musste die Kapsel endoskopisch (n=1) oder operativ (n=4, alle elektiv) entfernt werden; bei allen 5 Patienten bestanden keine klinischen Hinweise auf eine Obstruktion und bei allen war das Dünndarm- Röntgen normal gewesen.

  • Treffsicherheit in der Gesamtgruppe (n=100): 47/100 (26/62 overt, 18/38 okkult), 5 unentdeckte Crohn-Fälle, 3 Tumoren

  • Im Vergleichskollektiv (n=51) Treffsicherheit KE 59 %, PE 29 %, in 24 % beide pos.; KE in 18/36 der neg. PE-Fälle pos, PE in 3/21 der neg. KE-Fälle positiv

  • Outcome (Daten von n=86; aber nur kurzer follow-up von 11 Monaten): In der KE-pos. Gruppe keine Blutung mehr bei 81 %, in der KE-negativen Gruppe 58 %. Management: KE-pos. Gruppe 42 % medizinisch, 31 % endoskopisch, 22 % operativ; KE-neg. Gruppe 70 % medizinisch, 10 % endoskopisch, 8 % operativ

Gegenüber der DDW-Präsentation mit 57 Patienten (ref. [19]) wurden bei der UEGW 89 Patienten vorgestellt (ref. [45]).

1 * Bezeichnung der Evidenzgrade nach: Preventive Service Task Force. Guide to clinical preventive services: Report of the US Preventive Service Task Force. 2nd edition edition. Baltimore: Williams and Wilkins 1996

Prof. Dr. Thomas Rösch

II. Medizinische Klinik rechts der Isar, Der Technischen Universität München

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