Klin Padiatr 2000; 212(3): 117-120
DOI: 10.1055/s-2000-9663
KASUISTIK

Georg Thieme Verlag Stuttgart ·New York

Prolaps einer verkalkten Bandscheibe als Ursache eines drohenden Querschnittssyndroms bei einem jungen Mädchen

Herniation of intervertebral disc calcification as a reason for spinal cord compression in a young girl:M.  Knüpfer1 , K.  Rieske1 , F.  Pulzer1 , C.  Trantakis2 , J.  Dietrich3 , W.  Handrick1
  • 1Kinderklinik,
  • 2Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie,
  • 3Klinik für diagnostische Radiologie der Universität Leipzig
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
31. Dezember 2000 (online)

Zusammenfassung:

Bandscheibenverkalkungen im Kindesalter sind selten. Sie werden entweder als Zufallsbefund bei symptomlosen Kindern entdeckt oder äußern sich in Schmerzen mit mehr oder weniger ausgeprägten neurologischen Symptomen. Die Prognose ist auch bei abwartendem Verhalten in der Regel gut. Wir berichten über ein 11-jähriges Mädchen, das mit Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich sowie progredienten Sensibilitätsstörungen im linken Arm und Bein stationär aufgenommen wurde. Im Röntgenbild zeigten sich Bandscheibenverkalkungen im unteren Hals- und oberen Brustwirbelkörperbereich. Paraklinisch fiel lediglich eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit auf. Das Kind wurde zunächst nur analgetisch behandelt und beobachtet. Nach 12 Tagen kam es zu einer akuten Verschlechterung mit starken Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule. Das MRT zeigte eine posteriore Luxation einer verkalkten Bandscheibe mit deutlicher Rückenmarkskompression im Bereich der unteren Halswirbelsäule. Bei progredienter Symptomatik mit drohendem Querschnittssyndrom erfolgten die Diskektomie und Dekompression. Postoperativ wurde das Kind beschwerdefrei. Eine Röntgenkontrolle nach 14 Monaten zeigte bei dem weiterhin asymptomatischen Kind nur noch eine fortbestehende Bandscheibenverkalkung zwischen den Halswirbelkörpern 6 und 7.

Intervertebral disc calcification in childhood is rare. Calcifications are discovered by occasion during routine examinations of healthy children or evoke symptoms like neck and shoulder pain or discrete neurological symptoms. The prognosis of nearly all patients is excellent.

We report on a 11-year-old girl, who suffered from acute pain in the neck and the left shoulder with increasing paresthesias of her left extremities which led to hospitalisation. Intervertebral disc calcifications were found between several cervical and thoracic vertebra. The only paraclinical finding was an elevated erythrocyte sedimentation rate. After 12 days of conservative and analgetic treatment the clinical condition deteriorated with acute worsening of the neck pain. The MRI revealed a posterior herniation of a calcified disc between the lower cervical spine with spinal cord compression. Immediate neurosurgical intervention led to decompression and disappearance of the symptoms. After 14 months the clinically healthy child only showed the persistence of one intervertebral disc calcification and a complete resolution of the former findings.

Literatur

Dr. Matthias Knüpfer

Universitätskinderklinik Abteilung Neonatologie Station KKA2

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