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DOI: 10.1055/s-0045-1808332
Endotracheale Surfactantgabe unter nicht invasiver Beatmung bei Frühgeborenen>34 Schwangerschaftswochen und reifen Neugeborenen – Erfahrungen aus 18 Jahren Anwendung
Zielsetzung: Bei Frühgeborenen (FG)<34 Schwangerschaftswochen (SSW) ist die Effektivität der Surfactantgabe mittels LISA (less invasive surfactant (SF) application) bei ANS mittlerweile wissenschaftlich erwiesen. Bei Neugeborenen (NG)>34 SSW gibt es diesbezüglich jedoch noch keine wissenschaftliche Evidenz. In Vorbereitung auf die AMV-Studie begannen wir 2006, LISA zunächst bei FG<34 SSW zu etablieren, ab 2007 erfolgte die Anwendung auch bei NG>34 SSW mit primärem oder sekundärem Surfactantmangel.
Anhand unserer Daten führten wir eine Beurteilung der Durchführbarkeit und des Erfolges von Surfactantgaben mittels LISA bei NG>34+0 SSW durch.
Materialien und Methoden: Retrospektive Analyse (Neodat-Daten) von 2007-2024 aller Neugeborenen ab>34+0 SSW mit Respiratorbedarf und Surfactantgaben.
Durchführung: ASSC-exp.Cycle (Stephanie 2012) oder nSiPPV-PSV (Sophie) mit Graseby-Kapsel. Nabelkatheter 5 Charrière wird nasal neben dem PRONG oder unter der Maske vorgeschoben; Platzierung in der Trachea gemäß Tubus-Tiefenschema. Möglichst kurze Unterbrechung der noninvasiven Atemunterstützung (NIV) zum Einführen der Sonde in die Nase und bei endotrachealer Positionierung mit McGill-Zange mittels Videolaryngoskop mit bevorzugt flachem Spatel (Macintosh). Zieldosis 100mg/kg Poractant-alpha. Übliche Prämedikation: Propofol 0,5-1mg/kg, Atropin 0,01mg/kg, Morphin 0,02mg/kg i.v. (antitussiv). Zuvor diaphanoskopische Pneumothoraxprüfung mit Astodia-LED-Kaltlicht. Seit 3 Jahren auch regelmäßig Lungensonographie. Röntgen ggf. vor 2. Gabe. Durchführung durch Assistenzärzte oder Oberärzte. Indikation bei progredienter Verschlechterung von FiO2-Bedarf, tcCO2, Silverman-Score [1] [2] [3] [4] [5] [6].
Ergebnisse/Zusammenfassung: Vom Gesamtkollektiv (326 NG) wurden ca. 10% ausgeschlossen wegen gravierender Fehlbildungen, chirurgischer Interventionen, oder lückenhafter Daten bei outborn patients.
Unter den ausgewerteten Patienten fanden sich NG mit Reifealter>34 SSW mit Atemnotsyndrom (ANS) des Frühgeborenen, nach primärer Sectio, bei Fetopathia diabetica, Pneumothorax, Lungenblutung, Infektion, Mekoniumaspiration und perinataler Azidose.
Bis 2015 zeigte sich eine nahezu kontinuierliche Steigerung der Anwendung von LISA, seit 2015 erhielten im Mittel>80% der NG/Jahr SF mittels LISA, bei<20% davon war>1 Gabe erforderlich, bei<10% eine sekundäre Intubation, Notfall-Intubationen während der Prozedur traten nicht auf. Somit lässt sich die Technik auch bei reifen NG bis 42 SSW und 6,085 kg Geburtsgewicht erfolgreich durchführen. Bei einem Großteil der reiferen NG lässt sich eine Intubation und maschinelle Beatmung mit potentiell negativen Folgen wie Lungenschädigung, Kreislaufdepression, längerfristige Sedierung vermeiden.
Publication History
Article published online:
19 May 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 Herting E, Härtel C. Wolfgang Göpel Less invasive surfactant administration (LISA): chances and limitations. Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed. 2019
- 2 Rigo V. Caroline Lefebvre, Isabelle Broux preterm infants: a systematic review and meta-analysis. Eur J Pediatr. 2016
- 3 Abdel-Latif ME, Davis PG, Wheeler KI, De Paoli AG, Dargaville PA.. Surfactant therapy via thin catheter in preterm infants with or at risk of respiratory distress syndrome. Cochrane Database Syst Rev. 2021
- 4 Jackson W, Taylor G, Bamat NA, Zimmerman K, Clark R, Benjamin DK, Laughon MM, Greenberg RG, Hornik CP.. Outcomes associated with surfactant in more mature and larger premature infants with respiratory distress syndrome. J Perinatol. 2020
- 5 Wirbelauer J, Speer CP. The role of surfactant treatment in preterm infants and term newborns with acute respiratory distress syndrome. J Perinatol. 2009
- 6 Northway WH, Rosan RC, Porter DY.. Porter Pulmonary desease following respirator therapy of hyaline-membrane disease – Bronchopulmonary Dysplasia. NEJM. 1967