Akt Neurol 2018; 45(02): 107-116
DOI: 10.1055/s-0043-122221
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ergebnisqualität der Schlaganfallrehabilitation in der BAR-Phase D

Effects and Quality of Stroke Rehabilitation of BAR Phase D
Marie-Luise Bussmann
1  Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität zu Lübeck
,
Hans-Peter Neunzig
2  Waldklinik Jesteburg, Neurologie
,
Joachim Gerber
3  Diana Klinik Bad Bevensen
,
Jochen Steinmetz
4  Klinikum Bad Bramstedt, Klinik für Neurologische Rehabilitation
,
Svenja Jung
1  Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität zu Lübeck
,
Ruth Deck
1  Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität zu Lübeck
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Publication Date:
11 January 2018 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund Der Schlaganfall ist ein Krankheitsbild von hoher epidemiologischer Bedeutung. In Deutschland erleiden jährlich ca. 200 000 Menschen einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist nach Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen die häufigste Todesursache, gleichzeitig ist der Schlaganfall die Hauptursache für erworbene Behinderung im Erwachsenenalter. Rund ein Viertel der Schlaganfallüberlebenden ist 3 Monate nach dem Akutereignis von schweren Einschränkungen in den Aktivitäten des täglichen Lebens betroffen. Die häufigsten Schlaganfallfolgen sind Störungen im sensomotorischen, kognitiven und im emotional-affektiven Bereich. Bei der Bewältigung der Krankheitsfolgen kommt der Schlaganfallrehabilitation eine zentrale Bedeutung zu. Angesichts der großen Anzahl der Betroffenen und der teils gravierenden Folgen stellt sich die Frage, welche Teilhabezugewinne durch die medizinische Rehabilitation erreicht werden können.

Methodik Es wurde eine prospektive, multizentrische Beobachtungsstudie in 6 stationären neurologischen Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland durchgeführt. Eingeschlossen wurden Rehabilitanden nach zerebrovaskulärem Akutereignis, die den Schweregrad der BAR-Phase D aufwiesen. Die Rehabilitanden wurden zu 3 Messzeitpunkten schriftlich befragt: zu Beginn und am Ende der Rehabilitation sowie 4 Monate nach deren Abschluss. Primäres Zielkriterium war Teilhabe, sekundäre Zielgrößen beinhalteten verschiedene Parameter des subjektiven Gesundheitserlebens. Darüber hinaus wurden die Nutzung von Nachsorgeangeboten und die Zufriedenheit mit der Rehabilitationsmaßnahme erfasst.

Ergebnisse Die Patienten weisen zu Beginn der Rehabilitation hohe Teilhabestörungen und deutliche Einschränkungen in allen erfassten sekundären Zielgrößen auf. Am Ende der Rehabilitation zeigen sich in allen Outcomeparametern signifikante Verbesserungen mit kleinem, bei der Teilhabe mit mittlerem Effekt. Zum Katamnesezeitpunkt reduzieren sich diese Effekte wieder, erreichen aber bis auf 2 der betrachteten Zielgrößen nicht die Ausgangswerte vor der Rehabilitation. Die Patienten bewerten sowohl den Reha-Aufenthalt als auch die Reha-Ergebnisse äußerst positiv. Zwei Drittel der Rehabilitanden erhalten eine Nachsorgeempfehlung, die meisten Rehabilitanden (83 %) nehmen eine Form der Nachsorge wahr.

Schlussfolgerungen Die Ergebnisse der Studie sprechen dafür, dass die Schlaganfallrehabilitation zu signifikanten und nachhaltigen Effekten führt. Insbesondere die Teilhabe scheint durch die Rehabilitation positiv beeinflusst zu werden. Der teilweise Rückgang der Effekte im Katamnesezeitraum wirft die Frage nach einer adäquaten Reha-Nachsorge auf.

Abstract

Background Stroke is a disease of tremendous epidemiologic significance. Approximately 200,000 people in Germany suffer a stroke each year. Stroke is the third most common cause of death and the most common cause of acquired disabilities in adults. About one-fourth of stroke survivors report severe restraints in activities of daily living three months after acute stroke. Motor and cognitive dysfunctions as well as affective problems are the most common stroke sequelae. Stroke rehabilitation plays a crucial role in coping with stroke sequelae. The large number of strokes and the partly severe consequences raise the question which increase in participation can be achieved through medical rehabilitation.

Methods A prospective, multi-centered survey was conducted in six neurological inpatient rehabilitation centers. Recruitment focused on patients who had recently suffered an acute stroke and had a disease severity according to BAR phase D. Patients filled in questionnaires at three points of measurement: at the beginning and at the end of the inpatient rehabilitation and after four months. Primary outcome was participation, secondary outcomes were several parameters of subjective wellbeing. Furthermore utilization of aftercare and satisfaction with the rehabilitation program were measured.

Results At the beginning of the rehabilitation restraints in participation and subjective wellbeing were high. At the end of the inpatient rehabilitation, significant improvements of small effect sizes for subjective wellbeing and medium effect sizes for participation were reached. After four months, effects had decreased, yet improvements compared to initial status were still to be seen. Patient ratings of the rehabilitation program and the results were entirely positive. Two thirds of the patients were advised to make use of aftercare and most patients (83 %) made use of some kind of aftercare.

Conclusions The results of this study support the notion that stroke rehabilitation has significant and sustainable effects. Participation, in particular, seems to improve through medical rehabilitation. Partly decreased effects after four months raise the question of adequate follow-up care.