Akt Neurol 2018; 45(02): 93-106
DOI: 10.1055/s-0043-118476
Aktuelles Thema
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Positionspapier zur Detektion von Vorhofflimmern nach ischämischem Schlaganfall

Arbeitsgemeinschaft Herz und Hirn der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft e.V. (DSG)Position Paper on Atrial Fibrillation Detection After Ischemic StrokeWorking Group Heart and Brain of the German Cardiac Society (DGK) and the German Stroke Society (DSG)
Karl Georg Häusler
Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Centrum für Schlaganfallforschung Berlin, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.
,
Klaus Gröschel
Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsmedizin Mainz, Mainz
,
Martin Köhrmann
Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Essen, Essen
,
Renate B. Schnabel
Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.
Abteilung für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie, Universitäres Herzzentrum Hamburg
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V. (DZHK), Standort Hamburg/Kiel/Lübeck
,
Stefan D. Anker
Abteilung Kardiologie und Stoffwechsel – Herzinsuffizienz, Kachexie & Sarcopenie, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie, Campus Virchow-Klinikum, Charité – Universitätsmedizin Berlin; Berlin-Brandenburg Center for Regenerative Therapies (BCRT), Charité – Universitätsmedizin Berlin
Klinik für Kardiologie und Pneumologie, Universitätsmedizin Göttingen (UMG) & Deutsches Zentrum für Kardiovaskuläre Forschung (DZHK), Standort Berlin
,
Johannes Brachmann
Medizinische Klinik für Innere Medizin und Kardiologie, Klinikum Coburg
,
Michael Böhm
Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg
,
Hans-Christoph Diener
Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Essen, Essen
,
Wolfram Doehner
Centrum für Schlaganfallforschung Berlin, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie, Campus Virchow Klinikum, Berlin, Charité – Universitätsmedizin Berlin
,
Matthias Endres
Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Centrum für Schlaganfallforschung Berlin, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Berlin Institute of Health
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V. (DZHK), Standort Berlin
Deutsches Zentrum für Degenerative Erkrankungen (DZNE), Standort Berlin
,
Christian Gerloff
Klinik und Poliklinik für Neurologie, Kopf- und Neurozentrum, Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg
Stroke Unit Kommission der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft
,
Hagen B. Huttner
Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen
,
Manfred Kaps
Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Gießen
,
Paulus Kirchhof
Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.
Institute of Cardiovascular Sciences, University of Birmingham, Sandwell and West Birmingham Hospitals NHS trust, University Hospitals Birmingham NHS Foundation NHS trust, Birmingham, Großbritannien
,
Darius Günther Nabavi
Stroke Unit Kommission der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft
Klinik für Neurologie, Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin
,
Christian H. Nolte
Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Centrum für Schlaganfallforschung Berlin, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Berlin Institute of Health
,
Waltraud Pfeilschifter
Zentrum der Neurologie und Neurochirurgie, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Frankfurt
,
Burkert Pieske
Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie, Campus Virchow Klinikum, Berlin, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V. (DZHK), Standort Berlin
Klinik für Innere Medizin und Kardiologie, Deutsches Herzzentrum Berlin
,
Sven Poli
Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen und Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
,
Wolf Rüdiger Schäbitz
Klinik für Neurologie, Evangelisches Klinikum Bethel, Bielefeld
,
Götz Thomalla
Klinik und Poliklinik für Neurologie, Kopf- und Neurozentrum, Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg
,
Roland Veltkamp
Department of Stroke Medicine, Imperial College London, Großbritannien
,
Thorsten Steiner
Neurologische Klinik, Klinikum Frankfurt Höchst, Frankfurt
Neurologische Klinik, Universitätsklinik Heidelberg, Heidelberg
,
Ulrich Laufs
Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg
Klinik und Poliklinik für Kardiologie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig
,
Joachim Röther
Abteilung für Neurologie, Asklepios Klinik Altona, Hamburg
,
Rolf Wachter
Klinik und Poliklinik für Kardiologie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig
Klinik für Kardiologie und Pneumologie, Universitätsmedizin Göttingen & Deutsches Zentrum Herz-Kreislauf-Forschung e.V., Standort Göttingen
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Publication History

Publication Date:
26 October 2017 (eFirst)

Zusammenfassung

Das vorliegende Positionspapier zur Detektion von Vorhofflimmern nach ischämischem Schlaganfall beinhaltet eine Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft „Herz und Hirn“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) und der Deutschen Schlaganfallgesellschaft e. V. (DSG), die in Zusammenarbeit mit der Stroke Unit-Kommission der DSG und dem Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) e. V. erstellt wurde.

Vorhofflimmern ist in den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie als eine mindestens 30 Sekunden anhaltende Episode einer Vorhofarrhythmie mit fehlenden P-Wellen definiert. Die 30-Sekundengrenze ist arbiträr gewählt und es ist unbekannt, ob das Schlaganfallrisiko bei Episoden von länger als 30 Sekunden höher ist als bei kürzeren Episoden.

Bei Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, sollte die Detektion von Vorhofflimmern üblicherweise zu einer Umstellung der medikamentösen Sekundärprävention führen, da eine orale Antikoagulation einer Thrombozytenaggregationshemmung überlegen ist. Die Detektion eines bis dato nicht diagnostizierten Vorhofflimmerns sollte daher bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall verbessert werden, um die medikamentöse Sekundärprävention des Schlaganfalls zu optimieren.

In diesem Positionspapier werden interdisziplinär erarbeitete Standards für eine „strukturierte Rhythmusvisite“ auf der Stroke Unit und ein diagnostisches „Stufenschema“ zur Detektion von Vorhofflimmern vorgeschlagen. Das Positionspapier fasst zudem den gegenwärtigen Kenntnisstand zur Detektion von Vorhofflimmern nach ischämischem Schlaganfall zusammen. Das Positionspapier soll den in der Versorgung von Schlaganfallpatienten tätigen Ärzten eine Handhabe geben, auch wenn bisher nicht abschließend geklärt ist, wie lange und mit welcher EKG-Methode Schlaganfallpatienten ohne bisher bekannte Herzrhythmusstörung bestmöglich monitoriert werden sollten. Dem Charakter eines Positionspapiers angemessen, wurde auf die Kennzeichnung von Evidenzgraden verzichtet, da es sich überwiegend um die Meinung von Experten handelt, die auf berichteten Fallserien und klinischer Erfahrung beruht und somit nicht mit einer Leitlinie gleichzusetzen ist und so auch nicht verstanden werden will.

Abstract

This position paper on the detection of atrial fibrillation after ischemic stroke includes a statement of the “Heart and Brain” consortium of the German Cardiac Society and the German Stroke Society. This paper was endorsed by the Stroke Unit-Commission of the German Stroke Society and the German Atrial Fibrillation NETwork.

The guidelines of the European Cardiac Society define atrial fibrillation as atrial arrhythmia lasting at least 30 seconds with missing P-waves. The limit of 30 seconds was chosen arbitrarily, and it is unknown whether the risk of ischemic stroke is higher for episodes lasting longer than 30 seconds compared to shorter episodes.

In patients with ischemic stroke, detection of atrial fibrillation should usually lead to a change in secondary stroke prevention since oral anticoagulation is superior to antiplatelet drugs. The detection of previously undiagnosed atrial fibrillation should therefore be improved in patients with ischemic stroke in order to optimize medical stroke prevention.

This position paper summarizes the present knowledge on the detection of atrial fibrillation after ischemic stroke. An interdisciplinary standard for a “structured analysis of ECG monitoring” on the Stroke Unit is proposed as well as a diagnostic “level scheme for the detection of atrial fibrillation”. In light of the fact that the optimal duration and mode of ECG monitoring of patients with so far unknown cardiac arrhythmia has not yet been finally established, this position paper is intended to give advice to physicians who are involved in stroke care. In line with the nature of a position paper, the labeling of classes of recommendations is not provided, since many statements are based on the opinion of experts, reported case series and clinical experience. Therefore, this position paper is not intended as a guideline.