Radiologie up2date 2017; 17(03): 231-248
DOI: 10.1055/s-0043-117800
Abdominelle und gastrointestinale Radiologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Diagnostik der Fettleber

Diagnostic methods of fatty liver disease
Guido Matthias Kukuk
,
Alois Martin Sprinkart
,
Frank Träber
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
24. November 2017 (online)

Zusammenfassung

Die verschiedenen Ausprägungen der Fettleber gehören in den Industrienationen zu den häufigsten Ursachen für chronische Lebererkrankungen. Da eine Leberverfettung prinzipiell reversibel ist, kann eine frühe Diagnose die Voraussetzung dafür schaffen, dass therapeutische Maßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden. Die vorliegende Arbeit beschreibt die wesentlichen diagnostischen Methoden und die jeweiligen Vor- und Nachteile der einzelnen Verfahren.

Abstract

Fatty liver disease is defined as an abnormal accumulation of lipids into the cytoplasm of hepatocytes. Different kinds of fatty liver diseases are becoming the most important etiologies of end-stage liver disease in the western world. Because fatty liver is a theoretically reversible process, timely and accurate diagnosis is a prerequisite for potential therapeutic options. This work describes major diagnostic methods and discusses particular advantages and disadvantages of various techniques.

Kernaussagen
  • Die Fettleber ist definiert als eine übermäßige Einlagerung von Lipiden in das Zytoplasma der Hepatozyten. Weisen mehr als die Hälfte aller Hepatozyten Fettablagerungen auf oder entfällt mehr als 5% des Lebernassgewichts auf Fett, liegt eine Fettleber vor.

  • Neben dem Alkoholabusus sind die wichtigsten Ursachen für die Leberverfettung die Adipositas und medikamentös-toxische Faktoren. Insbesondere die NAFLD entwickelt sich dabei zur wichtigsten Ätiologie schwerer chronischer Lebererkrankungen und begleitender Komplikationen.

  • In der Fettleberdiagnostik kommt der Sonografie als qualitatives Verfahren eine Screening-Funktion zu. Eine zuverlässige sonografische Fettquantifizierung ist nicht möglich.

  • Mit der CT kann man zwar eine Steatose diagnostizieren, zur ausschließlichen Fettleberdiagnostik sollte sie jedoch nicht eingesetzt werden. Eine zuverlässige Fettquantifizierung mittels CT ist ebenfalls nicht möglich.

  • Zur Bestimmung des Verfettungsgrades sollten geeignete MRT-basierte Verfahren wie die 6E-mDixon-Methode oder die MR-Spektroskopie Vorrang vor einer Biopsie haben. Die Leberbiopsie bleibt notwendig, um eine eventuelle entzündliche oder fibrotische Komponente abzuklären und um eine mikro- von einer makrovesikulären Steatose zu unterscheiden.

  • Die MR-Spektroskopie ist etablierter Referenzstandard der nicht invasiven Verfahren zur Diagnostik der Leberverfettung, die 6E-mDixon-Methode scheint jedoch ähnlich zuverlässige Ergebnisse zu liefern.

  • Eine besonders gute Übereinstimmung der 6E-mDixon-Methode ergibt sich im Vergleich zur semiautomatischen histopathologischen Fettquantifizierung. Der Prozentsatz verfetteter Hepatozyten liegt im Mittel um den Faktor 2,5 höher als die mittels 6E-mDixon oder MR-Spektroskopie ermittelten PDFF-Werte.