Aktuel Kardiol 2017; 6(04): 277-282
DOI: 10.1055/s-0043-115908
Übersichtsarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Operative und interventionelle Therapie der Trikuspidalklappe – neue Entwicklungen

Surgical and Catheter-based Treatment Options for Tricuspid Regurgitation – New DevelopmentsRobert Schueler1, Armin Welz2, Fritz Mellert2, Georg Nickenig1
  • 1Medizinische Klinik und Poliklinik II, Universitätsklinikum Bonn
  • 2Klinik für Herzchirurgie, Universitätsklinikum Bonn
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Publication Date:
24 August 2017 (online)

Zusammenfassung

Die symptomatische hochgradige Trikuspidalklappeninsuffizienz hat eine hohe Mortalität und tritt häufig in Kombination mit linksseitigen Herzklappenerkrankungen auf. Die Behandlung der Trikuspidalklappeninsuffizienz erfordert eine genaue anatomische Kenntnis des Trikuspidalklappenapparats und für die Planung einer operativen oder interventionellen Behandlung ist eine genaue Evaluation der zugrunde liegenden Ätiologie unabdingbar. Minimalinvasive Behandlungsoptionen sind im Moment fast ausschließlich im Rahmen von Studien möglich. Erste klinische und prozedurale Erfahrungen mit den neuen Techniken sind vielversprechend. In diesem Übersichtsartikel werden die einzelnen Techniken und Optionen zusammengefasst.

Abstract

Severe, symptomatic tricuspid regurgitation has a high mortality and dedicated minimal invasive treatment options are scarce. Definite treatment of tricuspid valve disease requires a comprehensive evaluation of the underlying causes. Surgical annuloplasty is the procedure of choice in most of the patients with primary or secondary tricuspid regurgitation. Different catheter-based approaches are currently in clinical evaluation and interventional treatment options of tricuspid regurgitation gain increasing attention. The specifics of each method and the first clinical and procedural results are summarized in this overview.

Was ist wichtig?
  • Der Trikuspidalklappeninsuffizienz wurde lange weniger Bedeutung zugemessen als Klappenerkrankungen des linken Herzens. Aktuelle Entwicklungen vor allem im Bereich der katheterbasierten Behandlungsoptionen haben die „vergessene Klappe“ wieder in den Fokus des klinischen Interesses gerückt.

  • Patienten klagen über Oberbauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Leistungsminderung. Klinisch finden sich Zeichen einer Rechtsherzbelastung mit Beinödemen, Anasarka, Aszites und auffälligem systolischem Jugularvenenpuls.

  • Eine rein medikamentöse Therapie führt langfristig nicht zu einer ausreichenden oder anhaltenden Verbesserung der klinischen Symptome.

  • Der therapeutische Goldstandard ist die chirurgische Anuloplastie. Ein isolierter chirurgischer Trikuspidalklappeneingriff ist jedoch nur bei ausgewählten Patienten indiziert und hat eine im Vergleich zu anderen Herzklappenoperationen erhöhte Letalität.

  • Unterschiedliche neue Methoden zur interventionellen Therapie der Trikuspidalklappeninsuffizienz sind aktuell in klinischer Erprobung. Die verfügbaren Daten zeigen, dass die interventionelle Therapie sicher ist und eine gute Reduktion der Trikuspidalklappeninsuffizienz und hiervon abhängiger Symptome ermöglicht.

  • Weitere Studien zu Sicherheit, Effektivität und Haltbarkeit der interventionellen Ansätze müssen die vorliegenden Ergebnisse bestätigen.