Ernährung & Medizin 2017; 32(03): 97
DOI: 10.1055/s-0043-114483
editorial
Haug Verlag in Georg Thieme Verlag KG Stuttgart

Editorial

Darmgesundheit
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Publication Date:
30 August 2017 (online)

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Es ist Festspielzeit. Was liegt näher als für ein Editorial zum Themenheft „Darmgesundheit“ den Meister zu befragen. Es ist nicht allgemein bekannt, dass er zeitlebens unter offensichtlich erheblichen Verdauungsbeschwerden litt [[1]]. An Franz Liszt schreibt Richard Wagner 1851: „Schafft Euch, Ihr glücklichen Menschen, eine gesunde Verdauung an, und plötzlich steht das Leben in einer ganz anderen Gestalt vor Euch, als Ihr aus der Unterleibsplage heraus es ersehen konntet!“ Wie ernst ihm diese Einsicht ist, unterstreicht er im weiteren Verlauf dieses Briefes: „Wahrlich, all unsre Politik, Diplomatie, Ehrsucht, Ohnmacht und Wissenschaft, und – leider auch – die ganze moderne Kunst … diese ganzen Schmarotzergewüchse unsres heutigen Lebens haben keinen anderen Grund und Boden, aus dem sie wachsen, als – unsre ruinierten Unterleibe!“ Und er erkennt, dass für ihn die Hauptursache der Beschwerden ein zu Viel an Gaumengenüssen ist, das den Magen verdirbt. Welcher Art genau diese Verdauungsbeschwerden Wagners waren, lässt sich allerdings nicht sicher sagen. Sie besserten sich vorübergehend während naturheilkundlicher Wasserkuren, die durch verschiedenartige Wasseranwendungen, ein vegetarisches Diätkonzept und reichlich körperliche Bewegung gekennzeichnet waren.

Wie das ganze Leben bestimmend gastrointestinale Beschwerden sein können, sehen wir täglich an unseren Patienten. Zum Glück gelingt es uns heutzutage in den meisten Fällen, eine Ursache der Beschwerden positiv zu diagnostizieren und auf der Grundlage der Diagnose zu therapieren. Einige wichtige Diagnosen und deren Therapie werden in dieser Ausgabe wiedergegeben: chronische Obstipation, hierunter leidet jeder Fünfte, und Colon irritabile; nahezu jeder zweite Besuch beim Gastroenterologen ist mit dieser Diagnose assoziiert. Auch das FODMAP-Konzept, das vielen Patienten mit Colon irritabile zu helfen vermag, wird von der praktischen Umsetzung her beleuchtet.

Es ist nicht vermessen zu spekulieren, dass wir Richard Wagner heute rasch hätten helfen können. Sein Plan war, mit der Schaffung einer neuen Kunst erst dann zu beginnen, wenn eine gesundheitliche und politische „Erneuerung“ eingetreten wäre. Beides wurde enttäuscht, sodass nur noch die neue Kunst eine Erlösungsoption war. Und dieser verdanken wir so viele wunderbare Werke.

Priv.-Doz. Dr. Edmund A. Purucker