Akt Neurol 2017; 44(07): 510-512
DOI: 10.1055/s-0043-110327
Kompetenznetz Multiple Sklerose
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Aktuelles aus der Forschung

Simon Faissner1, Martin S. Weber2, für das Kompetenznetz Multiple Sklerose sowie den Ärztlichen Beirat der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG)
  • 1Klinik für Neurologie, St. Josef-Hospital, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
  • 2Institut für Neuropathologie, Klinik für Neurologie, Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität Göttingen
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Publication Date:
04 September 2017 (online)

Mögliche Risikoreduktion bei Konversion eines klinisch isolierten Syndroms zu MS durch Minozyklin in der Frühphase

Die Behandlungsmöglichkeiten der Multiplen Sklerose haben sich in den letzten Jahren bedeutend weiterentwickelt. So stehen mittlerweile mehr als zehn verschiedene Immuntherapien zur Verfügung, die jedoch teils mit hohen Kosten einhergehen. Weiterhin ist die Entwicklung neuer Therapien aufgrund hoher Sicherheitsstandards in der Durchführung klinischer Studien zeitaufwendig. Dies führt dazu, dass sich das wissenschaftliche Interesse zunehmend auf die Weiterentwicklung bestehender Medikamente richtet, mit dem Ziel, die Indikation auf andere Erkrankungen auszuweiten (sog. Repurposing). Ein kanadisches Konsortium hat nun unter der Federführung der University of Calgary das Potenzial des Antibiotikums Minozyklin bei klinisch isoliertem Syndrom (KIS) untersucht. In der multizentrischen, randomisierten, plazebokontrollierten Studie wurde untersucht, ob Minozyklin das Risiko der Konversion von einem KIS zu einer Multiplen Sklerose nach McDonald-Kriterien von 2005 reduziert [1]. Die Studie umfasste 142 Patienten aus zwölf kanadischen Zentren, von denen 71 Minozyklin erhielten. Nach sechs Monaten konnte eine Reduktion um 27,6 Prozentpunkte gegenüber der Plazebogruppe dokumentiert werden (Plazebo 61 %; Minozyklin 33,4 %). Dies ging mit einem gebesserten MRT-Befund einher. Die Auswertung des 24-Monatszeitpunkts zeigte jedoch keine Besserung gegenüber der Plazebogruppe, weder klinisch noch paraklinisch mittels MRT.