Akt Neurol 2017; 44(07): 501-508
DOI: 10.1055/s-0043-109689
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Neurosonologische Diagnostik in der Akutphase des Schlaganfalls ist Merkmal einer qualifizierten Versorgung

Neurosonology Makes the Difference in Acute Stroke CareFelix Schlachetzki1, Max Nedelmann2, Holger Poppert3, Dorothee Saur4, Andreas Harloff5, Jan Liman6, Matthias Reinhardt7, Erwin Stolz8, Manfred Kaps9
  • 1Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Regensburg, Klinik für neurologische Rehabilitation, Bezirksklinikum Regensburg, Regensburg
  • 2Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Eppendorf, Klinik für Neurologie der Regio Kliniken GmbH, Pinneberg
  • 3Klinik und Poliklinik für Neurologie der Technischen Universität München, München
  • 4Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig
  • 5Klinik und Poliklinik für Neurologie und Neurophysiologie am Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg
  • 6Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität, Göttingen
  • 7Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie, Klinikum Esslingen GmbH, Esslingen
  • 8Gemeinschaftspraxis, Frankfurt
  • 9Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Gießen, Gießen
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Publication History

Publication Date:
04 September 2017 (online)

Zusammenfassung

Die Untersuchung der hirnversorgenden Arterien mittels Doppler- und Duplexsonografie war bislang fester Bestandteil des bewährten Stroke-Unit-Konzepts. Dies hat sich mit der Neufassung der Schlaganfall-OPS geändert: neurosonografische Untersuchungen während der Stroke-Unit-Behandlung sind im Falle der Durchführung einer CT- bzw. MR-Angiografie nicht mehr gefordert.

Nach Eintritt eines ischämischen Schlaganfalls laufen im betroffenen Gefäßsegment und den dazugehörigen Kollateralwegen komplexe, individuell unterschiedliche, hämodynamische Umstellungsprozesse ab, die für das Schicksal des Patienten entscheidend sind. Verschlüsse können persistieren, partiell oder komplett rekanalisieren, kollateral kompensiert werden oder nach Rekanalisation wieder re-okkludieren. Diese Prozesse in den ersten Stunden können mittels Ultraschall wie mit keiner anderen Methode verfolgt werden. Je früher die Untersuchung erfolgt, desto aufschlussreicher sind die Befunde, desto besser ist das pathophysiologische Verständnis und desto größer ist der individuelle Nutzen für therapeutische Entscheidungen.

Vielfach werden CTA, MRA und Ultraschall in der Schlaganfallversorgung als kompetitive Methoden begriffen. In Wahrheit handelt es sich aber um komplementäre Verfahren, mit denen auf der Basis von sehr unterschiedlichen physikalischen Prinzipien Bilder erzeugt und Blutgefäße, Hirnperfusion und Blutflüsse dargestellt werden. Mit Blick auf eine spezielle klinische Fragestellung ist jeweils das eine oder andere Verfahren indiziert. Es obliegt dem klinisch verantwortlichen Neurologen hier die richtige Auswahl zu treffen und spezifische neurosonologische Kompetenz einzubringen. Ziel dieser Übersichtsarbeit ist es, Neurologinnen und Neurologen dazu zu motivieren, Neurosonologie speziell in der Akutphase des Schlaganfalls einzusetzen um sich selbst ein Bild zu machen, anstatt sich „ein Bild machen zu lassen“.

Abstract

Ultrasonography of the extra- and intracranial vessels has been an essential part of the approved concept of Stroke Units in Germany. This review aims to highlight unique selling points of neurosonology in the acute phase of stroke.

In acute ischemic stroke, occlusion or stenosis of an arterial segment induces individually variable and complex changes in cerebral hemodynamics; acute arterial occlusion may persist, may partially or completely recanalize, re-occlude after initial recanalization or may be compensated by collateral blood flow. Ultrasonography is most suitable to monitor these hemodynamic changes in the early stages of a stroke. The earlier neurosonography is performed, the better is the pathophysiological understanding and the more targeted are therapeutic efforts to limit acute neurovascular injury. A general misunderstanding is that CT angiography and/or magnetic resonance imaging and neurosonography in acute stroke care are competitive and interchangeable. However, these methods are rather complementary since the visualization of blood vessels, cerebral perfusion and hemodynamic flow is based on different physical principles. Each method has particular advantages and limitations. With respect to the specific diagnostic question, one or the other method may be indicated. It is the responsibility of the treating neurologist to select the most appropriate imaging method and to provide specific competence in neurosonography. The main scope of this article is to motivate neurologists to apply neurosonography, specifically in the acute phase of stroke, in order to get an independent assessment and unique hemodynamic information instead of leaving neurovascular competence to radiologists. Purposeful use of neurosonology techniques makes the difference in high quality stroke care.