Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2017; 52(09): 641-644
DOI: 10.1055/s-0043-106283
Kasuistik
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Reanimationspflichtige akute Eisenhutintoxikation in suizidaler Absicht

Acute Monkshood Intoxication Requiring Acute Resuscitation in Suicidal IntentMichael Stetzenbach, Boris Schnorbus, Ingo Sagoschen, Werner Bleser, Dominik Legner, Andreas Stürer
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Publication Date:
08 September 2017 (online)

Zusammenfassung

Wir berichten über eine akute Eisenhutintoxikation einer 56-jährigen Patientin mit Blauem Eisenhut (Aconitum napellus) in suizidaler Absicht. Der Blaue Eisenhut gilt als die giftigste Pflanze Europas. Alle Pflanzenteile enthalten das hochgiftige Alkaloid Aconitin. Die letale Dosis beim Erwachsenen beträgt 2 – 6 mg. Intoxikationen verlaufen häufig tödlich. Auch asymptomatische Patienten mit Verdacht auf Eisenhutintoxikation sollten auf einer Intensivstation überwacht werden. Erste Intoxikationszeichen sind Parästhesien im Mund- und Rachenbereich, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und starke Schmerzen der Skelettmuskulatur. Betroffene Patienten versterben innerhalb weniger Stunden nach Ingestion aufgrund von Atemlähmung und/oder Herzrhythmusstörungen.

Die wichtigste Maßnahme nach oraler Ingestion besteht in einer möglichst schnellen primären Giftelimination (bei bewusstseinsklaren Patienten Erbrechen auslösen, sonst Magenspülung unter Schutzintubation) und der anschließenden Kohlegabe. Ein spezifisches Antidot steht nicht zur Verfügung. Das Management einer Intoxikation besteht vor allem aus der Therapie der Rhythmusstörungen in Form von Magnesium und Amiodaron.

Auf die strikte Einhaltung von Eigenschutzmaßnahmen (Handschuhe, Mundschutz) muss unbedingt geachtet werden. Ein direkter Hautkontakt mit Pflanzenteilen ist ebenso zu vermeiden wie der potenzielle Kontakt mit Erbrochenem oder Aspirat.

Der Blaue Eisenhut gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse und gilt als giftigste Pflanze Europas. Sie ist in Zentraleuropa weit verbreitet, und alle Pflanzenteile enthalten das hochgiftige Alkaloid Aconitin. Schon ein Blatt kann eine für Erwachsene letale Dosis enthalten und bereits der Hautkontakt kann zu schweren Intoxikationen führen. Im Folgenden schildern wir die Versorgung einer Patientin mit Eisenhutintoxikation in suizidaler Absicht.

Abstract

We report about an acute monkshood intoxication requiring acute resuscitation in suicidal intent in a 56-year-old patient. The Blue Monkshood (Aconitum napellus) is considered to be the most toxic plant in Europe. All plant parts contain the highly toxic alkonoid aconitin. The lethal dose in adults is 2 – 6 mg. Intoxications are often fatal. Asymptomatic patients with suspected monkshood intoxication should also be monitored on an ICU. First signs of intoxication are paraesthesia in the mouth and throat area, abdominal cramps, nausea, vomiting and severe pain in skeletal muscle. Affected patients die within hours after ingestion due to respiratory distress and/or cardiac arrhythmia.

The most important measure after oral ingestion is to achieve a rapid primary poison elimination clearance (in the case of awareness clear patients, trigger vomiting, otherwise gastric lavage under protective intubation) and the subsequent carbonation. A specific antidote is not available. The management of an intoxication consists primarily of the therapy of the rhythm disturbances in the form of magnesium and amiodarone.

Strict adherence to protective measures (gloves, masks) must be strictly observed. A direct skin contact with plant parts is to be avoided as well as the potential contact with vomit or aspirate.

Kernaussagen
  • Der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus) gilt als die giftigste Pflanze Europas. Alle Pflanzenteile enthalten das hochgiftige Alkaloid Aconitin. Die letale Dosis beim Erwachsenen beträgt 2 – 6 mg. Intoxikationen verlaufen häufig tödlich.

  • Auch asymptomatische Patienten mit Verdacht auf Eisenhutintoxikation sollten auf einer Intensivstation überwacht werden.

  • Erste Intoxikationszeichen sind Parästhesien im Mund- und Rachenbereich, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und starke Schmerzen der Skelettmuskulatur. Betroffene Patienten versterben innerhalb weniger Stunden nach Ingestion aufgrund von Atemlähmung und/oder Herzrhythmusstörungen.

  • Die wichtigste Maßnahme nach oraler Ingestion besteht in einer möglichst schnellen primären Giftelimination (bei bewusstseinsklaren Patienten Erbrechen auslösen, sonst Magenspülung unter Schutzintubation) und der anschließenden Kohlegabe. Ein spezifisches Antidot steht nicht zur Verfügung. Das Management einer Intoxikation besteht vor allem aus der Therapie der Rhythmusstörungen in Form von Magnesium und Amiodaron.

  • Auf die strikte Einhaltung von Eigenschutzmaßnahmen (Handschuhe, Mundschutz) muss unbedingt geachtet werden. Ein direkter Hautkontakt mit Pflanzenteilen ist ebenso zu vermeiden wie der potenzielle Kontakt mit Erbrochenem oder Aspirat.