Gastroenterologie up2date 2017; 13(04): 367-378
DOI: 10.1055/s-0043-104472
Wichtige Methoden in der Gastroenterologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Lebertransplantation – Indikation und Allokation

Vito R. Cicinnati
,
Miriam Maschmeier
,
Hartmut H.-J. Schmidt
,
Susanne Beckebaum
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Publication History

Publication Date:
08 December 2017 (online)

Die Lebertransplantation (LTX) stellt heutzutage weltweit die Standardtherapie bei terminalen chronischen Lebererkrankungen und beim akuten Leberversagen dar. Der Schwerpunkt dieser Übersichtarbeit liegt im Bereich der Transplantationshepatologie. Der hier erscheinende erste Teil beleuchtet die Indikationsstellung und Evaluation zur LTX bei Erwachsenen, die aktuellen Organallokationsrichtlinien und die Betreuung von Patienten auf der Warteliste.

Kernaussagen
  • Die LTX stellt inzwischen weltweit die erfolgreiche Standardtherapie bei terminalen chronischen Lebererkrankungen und beim akuten, fulminanten Leberversagen dar.

  • Das MELD-Allokationssystem wurde eingeführt, um Patienten mit einer höhergradigen Leberfunktionsstörung bei limitierter Anzahl der verfügbaren Spenderorgane gemäß dem „The-sickest-first“-Prinzip bevorzugt einer LTX zuzuführen.

  • Die Entwicklung prognostischer Systeme auf der Basis spenderassoziierter Faktoren sowie der Überlebenswahrscheinlichkeit nach LTX ist jedoch erforderlich. Diese könnten zu einer besseren Selektion geeigneter Empfänger führen und den Transplantationserfolg optimieren.

  • Neben der chronischen Hepatitis C und der alkoholtoxischen Lebererkrankung ist die nichtalkoholische Steatohepatitis mittlerweile einer der häufigsten Gründe für die Aufnahme auf die LTX-Warteliste.

  • Für Patienten mit HBV-Infektion auf der Warteliste werden aufgrund der beobachteten Resistenzentwicklungen potentere Nukleosid(tid)-Analoga mit hoher Resistenzbarriere (z. B. Entecavir oder Tenofovir) empfohlen.

  • Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose bei HCV-Infektion und mit einem MELD-Score < 18 – 20 können eine Hepatitis-C-Therapie erhalten. Die HCC-Überwachung sollte bei Patienten mit Leberzirrhose jedoch unabhängig von der Viruselimination fortgeführt werden.

  • Bei fortgeschrittener Leberzirrhose (Child-Pugh B oder C) oder einem MELD-Score ≥ 18 – 20 bei HCV-Infektion ist die Einleitung einer HCV-Therapie eine individuelle Therapieentscheidung. Sie wird nur in ausgewählten Fällen und nach vorheriger Risiko-Nutzen-Analyse empfohlen.