Gesundheitswesen 2018; 80(12): 1088-1094
DOI: 10.1055/s-0043-104213
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Internetnutzung von Patienten in der ambulanten onkologischen Versorgung: Ergebnisse einer deutschlandweiten Patientenbefragung

Internet Use by Oncology Outpatients: Results of a Survey in Germany
Uirassu Borges Jr.
1  Wissenschaftliches Institut der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO), Köln
,
Christoph Riese
1  Wissenschaftliches Institut der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO), Köln
,
Walter Baumann
1  Wissenschaftliches Institut der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO), Köln
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Publication Date:
15 May 2017 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie Das Internet gilt heute für onkologische Patienten als wichtige Informationsquelle über die Krebserkrankung und -behandlung. Mit dem Ziel, die Bedeutung dieses Mediums für Krebspatienten im Versorgungsalltag zu beleuchten, wurden Patienten deutschlandweit befragt.

Methodik Die querschnittliche Erhebung schloss 5 984 Patienten in Schwerpunktpraxen ein (56,7% weiblich, M=64,3 Jahre, SD=12). Es wurden Internetnutzer, Nichtnutzer, deren Angehörige/Freunde für sie recherchierten, und „vollständige“ Nichtnutzer identifiziert. Die Datenanalyse erfolgte anhand deskriptiver Statistik und Gruppenvergleiche mit Signifikanztests.

Ergebnisse Fast jeder zweite Patient suchte im Internet nach Gesundheitsinformationen. Einerseits fanden die Internetnutzer die Recherchen vorwiegend hilfreich, fühlten sich besser in der Lage, an Entscheidungen kompetent mitzuwirken und weniger alleine mit ihrer Erkrankung, andererseits trugen die Online-Informationen zu Unsicherheiten bei. 72,5% der Internetnutzer suchten nach Behandlungsmöglichkeiten und 21,3% sprachen mit dem Onkologen über ihre Internetrecherchen.

Schlussfolgerung Das Internet zeigte sich für Krebspatienten als ein wichtiges Instrument zur Informationsgewinnung über die eigene Erkrankung. Eine Unterstützung durch den Onkologen für eine zielgerichtete Internetnutzung der Patienten ist daher sinnvoll.

Abstract

Objective Internet has become an important source of information for cancer patients regarding disease and treatment. A national survey was conducted to assess the importance of Internet in the routine care of cancer patients in Germany.

Method The cross-sectional survey included 5,984 outpatients (56.7% female, M=64.3 years, SD=12). 3 groups were identified: Internet users, non-users whose families/friends did online research for them, and “complete” non-users. The data was analyzed using descriptive statistics and group comparisons.

Results 1 patient in 2 used the Internet to research health-related information. Internet users considered this research to be helpful, felt better able to participate in health-related decisions, and less alone with their disease. However, the information found online contributed to a feeling of uncertainty. 72.5% of Internet users researched treatment options and 21.3% talked to their doctor about their research.

Conclusion The Internet was shown to be an important source of information for cancer patients. For patients to be able to use Internet research meaningfully, it could be helpful that they receive support from their oncologist.