Geburtshilfe Frauenheilkd 2016; 76(12): 1238-1239
DOI: 10.1055/s-0042-121880
DGGG
Preisverleihung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Preisverleihung – GebFra-Preis 2016 für Studie und Leitlinienwissen in der Frauenheilkunde

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Publication Date:
21 December 2016 (online)

Türkeistämmige Migrantinnen in Berlin nehmen Untersuchungen der Schwangerschaftsvorsorge ebenso regelmäßig wahr wie deutsche Frauen. Auch in der klinischen Betreuung während und nach der Geburt gibt es nur wenige Unterschiede. Zu diesem Ergebnis kommt eine 2014 in der „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“ veröffentlichte Studie [1] . Für ihre Arbeit haben Professor Dr. med. Matthias David und Ko-Autoren den diesjährigen GebFra-Preis erhalten. Darüber hinaus zeichnete der Georg Thieme Verlag gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) Professor Dr. med. Dominik Denschlag und Ko-Autoren für die 2015 publizierte Leitlinie zu uterinen Sarkomen aus [2] . Die Verleihung fand im Rahmen des 61. DGGG-Kongresses in Stuttgart statt.

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Preisträger Prof. Dr. Matthias David, Berlin (Bildquelle: privat).
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Preisträger Prof. Dr. Dominik Denschlag, Bad Homburg v.d.H. (Bildquelle: privat).

Für ihre prospektive Studie „Perinataldaten von türkeistämmigen Migrantinnen und deutschen Frauen im Vergleich“ werteten Professor David und Kollegen die Daten dreier Berliner Geburtskliniken aus den Jahren 2011 und 2012 aus. Neben den Mutterpassangaben und den Geburtsdaten der jeweiligen Einrichtung standen den Medizinern Angaben standardisierter Interviewbögen zur Verfügung. Darin fragten die Wissenschaftler unter anderem den Migrationshintergrund der Patientinnen ab. Auf dieser Basis verglichen sie im Rahmen einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Studie unter anderem die Geburtsdaten von 1277 Frauen mit Migrationshintergrund aus der Türkei und 2991 deutschen Frauen.

„Unsere Untersuchung ergab vergleichbare Ergebnisse, was die Inanspruchnahme der Schwangerenvorsorge und die medizinische Versorgung in der Klinik betrifft“, erklärt Professor David. Er ist Geschäftsführender Oberarzt der Kliniken für Gynäkologie am Charité-Campus Virchow-Klinikum und einer der insgesamt 7 beteiligten Autoren. „Die wenigen festgestellten Unterschiede sollten jedoch in Zukunft bei der Betreuung und Versorgung türkeistämmiger Migrantinnen berücksichtigt werden“, betont der Gynäkologe. So könne die Tatsache, dass Migrantinnen weniger häufig einen geplanten Kaiserschnitt hätten, sowohl auf der Herangehensweise der Frauen beruhen, als auch die Beratung der Ärztinnen und Ärzte widerspiegeln. Sprachliche Barrieren könnten hier wie auch bei der Inanspruchnahme von schmerzhemmenden Maßnahmen eine Rolle spielen. Diese Unterschiede gelte es in Zukunft abzubauen, regen die Preisträger in ihrer Arbeit an. Auch liegt der Hämoglobinwert der Migrantinnen bereits vor der Geburt oft niedriger als in der deutschen Vergleichsgruppe. Grund dafür ist eine Unterversorgung mit Eisen, die zu einer Blutarmut, einer Anämie führen, und sich durch den Blutverlust bei der Geburt zuspitzen kann. Die Autoren fordern angesichts dessen, bei diesen Frauen verstärkt auf eine ausreichende Eisenversorgung zu achten und in Zukunft nach den Ursachen für diese Mangelerscheinung zu suchen.

Der 2. ausgezeichnete Beitrag „Uterine Sarkome. Leitlinie der DGGG“ fasst die aktuellen Erkenntnisse zu Sarkomen in der Gebärmutter zusammen. Sarkome sind seltene bösartige Tumoren. Ihre medikamentöse und operative Behandlung unterscheidet sich erheblich von anderen Geschwülsten, wie zum Beispiel Karzinomen, und auch untereinander gleicht kein Sarkom dem anderen. Je nachdem, aus welchem Gewebe sich der Tumor entwickelt hat, leiten sich mitunter unterschiedliche Behandlungsmaßnahmen ab. Die mit dem GebFra-Preis ausgezeichnete Leitlinie wurde von Gynäkologen, Pathologen und Radioonkologen fächerübergreifend erarbeitet. Sie stellen Ärzten damit aktuelles Wissen zur Diagnostik und Klassifikation von Sarkomen, Symptomen sowie den Behandlungsmöglichkeiten und empfohlenen Nachsorgeuntersuchungen zur Verfügung. Die Arbeit enthält zudem hilfreiche Hinweise zum Umgang mit und der Aufklärung der betroffenen Patientinnen, die gemeinsam mit einer Vertreterin des Bundesverbandes Selbsthilfegruppe Frauen nach Krebs e. V. erarbeitet wurden.

„Beide Beiträge liefern wichtige Daten und Empfehlungen für die Versorgung und Behandlung der jeweiligen Patientinnen. Die Berliner Studie setzt ein positives Zeichen hinsichtlich der Versorgung von Migrantinnen in Ballungsräumen und zeigt auf, an welchen Stellen noch Verbesserungsbedarf besteht. Die ausgezeichnete Leitlinie bietet Ärzten erstmals verbindliche und evidenzbasierte Empfehlungen zur Behandlung von Sarkomen“, begründen Professor Dr. med. Matthias W. Beckmann, leitender Herausgeber der Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“ und Professor Dr. med. Diethelm Wallwiener, leitender Herausgeber (DGGG), die Entscheidung der Jury.

Die Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“ feiert in diesem Jahr ihr 75. Jubiläum. Mit dem gleichnamigen Preis werden herausragende Original- und Übersichtsarbeiten, Leitlinien oder Stellungnahmen in der Gynäkologie und Geburtshilfe ausgezeichnet, die innerhalb der letzten beiden Jahre in der Fachzeitschrift veröffentlicht wurden. Die vom Georg Thieme Verlag gestiftete Auszeichnung ist mit insgesamt 5000 € dotiert und wird gemeinsam mit der DGGG im Rahmen ihrer Fachtagung vergeben.

Nach einer Mitteilung der Thieme Kommunikation